Vorsicht bei Kombiprodukten
Kommentar: Lukrative Kombinationen?

Arbeitsminister Walter Riester sorgt für Arbeit. Seit er die Altersvorsorge populär gemacht hat, brüten Finanzingenieure über Renten-Konzepten - sowohl mit als auch ohne "Riester"-Zertifikat.

Das ideale Altersvorsorge-Produkt würde stetig hohe Renditen bei niedrigem Risiko abwerfen. Zu dumm, dass es hohe Renditen nur in Verbindung mit hohen Risiken gibt. Was macht also der Finanzingenieur? Er versucht, die Rendite zu verstetigen und dafür zu sorgen, dass sie wenigstens bis zur Auszahlung der Anlagegelder im Alter nicht negativ wird. Das Ergebnis sind Kombiprodukte - solche wie die spezielle Variante der fondsgebunde Rentenversicherung, die die Versicherer jetzt als "Riester-Rente" verkaufen. Sie liegt vom Risiko her zwischen der klassischen Rentenversicherung und der fondsgebundenen Versicherung ohne Riester-Zertifikat.

Was Anbietern zertifizierter Produkte recht ist, ist jenen billig, deren Angebote nicht zertifiziert werden, weil sie den im Gesetz geforderten Kapitalerhalt nicht garantieren können. Auch sie kombinieren - und zum Teil recht wild. Etwa einen Kredit mit einer Rentenversicherung. Die Kreditsumme fließt in eine englische Rentenversicherung, weil sie wegen des höheren Aktienanteils bessere Renditen verspricht als eine deutsche, und in einen Investmentfonds. Die Darlehenszinsen werden aus Rentenzahlungen und Steuerrückerstattung beglichen. Die Rückerstattung gibt es, weil die Darlehenszinsen die Steuerlast mindern. Getilgt wird das Darlehen aus weiteren Überschüssen der Rentenversicherung und/oder dem Investmentfonds.

Ein anderes Konzept bezieht Immobilien mit ein. Sie haben gegenüber Aktien den Vorteil, dass ihr Wert weit weniger schwankt. Sie werfen aber geringere Renditen ab. Also kombiniert ein Anbieter eines geschlossenen Immobilienfonds beide miteinander. Anfangs wird der überwiegenden Teil der Ausschüttungen in einen Aktien-Investmentfonds investiert. Später peppen dann die Auszahlungen des Aktienfonds die Ausschüttungen aus der Immobilienanlage auf. Die Ausschüttungen des Immobilienfonds werden schon zu Beginn hoch gehalten, indem das Fremdkapital zunächst nicht getilgt wird. Wieder senken die Darlehenszinsen die Steuerlast. Die Tilgung erfolgt später durch eine parallel bediente Lebensversicherung.

Bahnbrechende Innovationen? Keineswegs. Die Bausteine zu den Kombiprodukten gibt es auch einzeln zu kaufen. Setzt ein Finanzingenieur sie zusammen, muss der Anleger dies extra bezahlen. Möglicherweise bekommt er dabei nicht die beste Qualität - der Gewinn liegt für den Anbieter auch im Einkauf.

Das Spiel lohnt sich für den Anleger so lange, wie Riesters Ministerkollege Eichel die Arbeit der Finanzingenieure mittels Steuervorteilen bezahlt. Ein Beispiel: Ein Fondssparplan und eine Risikolebensversicherung einzeln sind kostengünstiger als ihre Kombination. Dafür gibt es aber weder Riesterförderung noch Steuervorteile. Aber das Steuerspiel kann auch scheitern: Wer eine kreditfinanzierte Rentenversicherung abgeschlossen hat und plötzlich auf Grund neuer Lebensumstände weit weniger verdient, hat falsch kombiniert. Ihm fehlt die Steuerrückerstattung, aus der er einen Teil der Zinsen zahlen wollte. Ein weiteres Risiko: Steuergesetze ändern sich immer schneller.

Fazit: Vorsicht bei Kombiprodukten. Nur wenn ihre Vorteile eindeutig sind, bieten sie die bessere Alternative zu einer Auswahl einfacher Produkte.

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