Vorsicht vor dem Wochenende
Dax nach Milzbrandfällen schwach

Gewinnmitnahmen und erneut schwache US-Konjunkturdaten haben die deutschen Aktienwerte am Freitag unter Druck gesetzt. Die Stimmung wurde Händlern zufolge zusätzlich durch erstmalige Funde von Milzbranderregern in Deutschland eingetrübt.

Reuters FRANKFURT. "Der Markt ist im Moment so sensibel, das kann gut möglich sein, dass die Sache etwas belastet", sagte ein Frankfurter Händler. Allerdings sei die gesamte Marktsituation derzeit so unsicher, dass Investoren vor dem Wochenende ihre Positionen schließen und Gewinne mitnehmen würden. "Vor dem Wochenende ist man immer vorsichtig, weil zur Zeit viel passieren kann", sagte Frank Albrecht, Aktienhändler bei M.M Warburg. Deutlich schwächer notierten Händlern zufolge aufgrund der Milzbrandfunde die Aktien der Deutschen Post.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) präsentierte sich mit einem Minus von 1,1 % auf 4585 Zähler auch deutlich schwächer als die Börsen in London und Paris, die fester beziehungsweise knapp behauptet tendierten. Am Neuen Markt in Frankfurt gab der Nemax50-Index um 0,3 % auf 1057 Zähler nach. Der M-Dax für die mittelgroßen Werte stieg um 0,9 % auf 4135 Zähler. In New York notierten die Börsen uneinheitlich. Während der Technologieindex Nasdaq nach rund zwei Handelsstunden 0,3 % leichter bei 1739 Zählern notierte, stieg der Industriewerteindex Dow Jones um 0,5 % auf 9306 Punkte.

"Wir haben immer noch ein unsicheres Marktumfeld", sagte ein Frankfurter Händler und verwies auf die anhaltende Angst vor weiteren Anschlägen in den USA. "Da ist es ganz natürlich, dass die Leute vor dem Wochenende Gewinne mitnehmen."

Marktexperten zufolge belasteten auch erneut schwächer als erwartet ausgefallene Arbeitsmarkt- und Konjunkturdaten aus den USA die Kurse. Am frühen Nachmittag (MEZ) hatte das US-Arbeitsministerium einen Anstieg der Arbeitslosenquote in den USA auf 5,4 % im Oktober mitgeteilt. Analysten hatten für den Berichtszeitraum mit einer Quote von 5,2 % gerechnet.

Weiterhin hatte das US-Handelsministerium einen Rückgang der Industrieaufträge in den USA im September um 5,8 % bekannt gegeben. Von Reuters befragte Volkswirte hatten im Durchschnitt einen Rückgang um 4,7 % vorausgesagt.

Auch drücke Börsianern zufolge die Tatsache, dass in Deutschland Milzbrand-Erreger entdeckt worden waren etwas auf die Kurse. "Es kann gut möglich sein, dass sich das hier etwas auswirkt, aber ich glaube nicht, dass es einen nachhaltigen Effekt hat", sagte Aktienhändler Albrecht. Zwei Proben aus Thüringen und eine aus Schleswig-Holstein seien in ersten Untersuchungen positiv getestet worden, hatten die Gesundheitsministerien in Erfurt und Kiel zuvor mitgeteilt.

Die Deutsche-Post -Aktie fiel daraufhin um 6,2 % auf 15,27 Euro. "Da werden dann vielleicht auch weniger Briefe über die Post verschickt werden", sagte ein Händler. Bei den Verteilerzentren der Post könne man Briefe weniger gut kontrollieren als bei Kurierdiensten. "Innerhalb der Stadt wird man dann vielleicht mehr auf Fahrradkuriere setzen", mutmaßte der Händler.

Zu den Verlierern gehörten auch die Aktien von Thyssen-Krupp mit einem Abschlag von rund drei Prozent auf 11,86 Euro. Zuvor hatte die Agentur vwd berichtet, das Ergebnis vor Steuern sei bei Thyssen-Krupp im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2000/01 auf rund 800 Mill. Euro von 1,1 Mrd. Euro im Vorjahr geschrumpft. Ein Thyssen-Krupp - Sprecher wollte dies nicht kommentieren. "Der Markt war darauf vorbereit, dass der Konzern das Vorjahresergebnis nicht übertreffen würde, aber 800 Mill. ist viel weniger als erwartet", sagte ein Händler.

Fester notierten hingegen die Titel der Deutschen Bank , die mit einem Kursanstieg von 1,6 % ihre freundliche Vortagesstendenz fortsetzen konnten. Am Donnerstag hatte das Finanzinstitut bekannt gegeben, an seinen Ergebniszielen bis 2003 festzuhalten. "Die Bank ist immer noch einer der besten deutschen Banken, die Aktie dürfte sich jetzt aber auf einem fairen Bewertungsniveau bewegen", sagte ein Händler.

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