Vorsichtig optimistische Prognosen zum Aktienjahr 2002
Markt-Erholung nur bei besserer Konjunktur

Damit es an den internationalen Aktienmärkten im kommenden Jahr zum allgemein erwarteten Aufschwung kommt, muss vor allem die Konjunktur wieder in Schwung kommen. Darin waren sich führende Aktienexperten bei einem Symposium der Heidelberger Forum GmbH in Frankfurt einig.

scc FRANKFURT/M. "Es gibt einen systematischen Zusammenhang zwischen der Entwicklung an den Aktienmärkten und konjunkturellen Trends", brachte es Erwin Heri, Finanzvorstand von Credit Suisse Financial Services auf den Punkt. Nur wenn sich die fundamentalen Wirtschaftsdaten wieder nach oben entwickelten, profitierten davon auch die Aktienmärkte. Das müssten Anleger für das kommende Jahr bedenken, sagte Heri.

Uneins war sich die Expertenrunde darüber, welche Aktienmärkte im kommenden Jahr die höchsten Zuwächse versprechen. "Europa wird an erster Stelle liegen, vor den USA und Japan", billigte Christoph Bruns von Union Investment dem hiesigen Aktienmarkt das größte Potenzial zu. Sein Favorit aus dem Deutschen Aktienindex (Dax) ist MAN, aus der zweiten Reihe bevorzugt er Boss, Escada und MG Technologies. "Hier sehen wir derzeit grandiose Bewertungen, hinzu kommt ein hoch qualifiziertes Management", sagt Bruns.

Thomas Tilse von Commerbank Asset Management hingegen erwartet vor allem im ersten Halbjahr 2002 in den USA eine bessere Aktienentwicklung als in Europa. Er setzt besonders auf die Blue Chips aus Chemie, Finanzdienstleistung und Technologie. Unter anderem zählen Alcoa, Cisco, Intel und Microsoft zu seine Favoriten. "Diese Unternehmen haben den 11. September als Ausrede für Umstrukturierungen gefunden", so Tilse. Künftig würden sie davon profitieren.

Verunsicherung bleibt spürbar

Trotz aller Hoffnungen, die die Aktienexperten an das kommenden Jahr haben, bleibt doch auch Verunsicherung spürbar. Wichtig bleibe eine starke Ausgewogenheit im Portfolio, wobei Aktien nur als Beimischung dienen. "Es muss sich beim Anlegern wieder die Einsicht durchsetzen, dass er am Aktienmarkt bestenfalls 8-10 % Rendite im Jahr einfahren kann", so Erwin Heri. Wer diese Einstellung mitbringt und über einen langfristigen Anlagehorizont verfügt, wird auch künftig mit Aktien Geld verdienen.

Am deutschen Aktienmarkt weiter werden mit einer Nachfrage nach konservativen Werten. "Ich erwarte auch im kommenden Jahr kaum Wachstum in Deutschland", so Bernd Schimmer von der Hamburger Sparkasse. Deswegen rechnet er gerade 2002 noch einmal mit nach unten revidierten Unternehmensgewinnen und erst im darauf folgenden Jahr mit einer Erholung. Eine besondere Bedeutung dürfte nach seiner Schätzung den Dax-Schwergewichten Siemens, Allianz, Deutsche Telekom, Deutsche Bank, Eon und Daimler Chrysler zukommen. Sollte sich deren Geschäfte besser als erwartet entwickeln, könne dies auch den Dax beflügeln, so Schimmer. Zu seinen favorisierten Branchen zählt er Automobil, Chemie, Maschinenbau und Telekommunikation. Gute Chancen sieht er speziell für Daimler Chrysler, BASF, Thyssen, Linde, Deutsche Telekom und SAP. Zu den Flops zählen seiner Meinung nach im kommenden Jahr Versorger- und Pharma-Werte, hier konkret Eon und Fresenius Medical Care.

Chancen am Neuen Markt

Dass die Expertenrunde beim Thema Neuer Markt nach dem massiven Absturz in den vergangenen anderthalb Jahren äußerst sensibel reagiert, verwundert nicht. Trotzdem sehen viele auch hier wieder Chancen, wenn sie auch weiterhin zu äußerster Vorsicht mahnen und entsprechende Werte nur beimischen würden. "Der Anleger sollten hier vorerst nur in ertragreiche Titel investieren", so Ulrich Hähner vom Bankhaus Delbrück. Zyklische Werte sollten erst bei einer konjunkturellen Erholung wieder auf der Kaufliste stehen, Internet-Aktien weiterhin unbedingt gemieden werden. Seine Branchenfavoriten für das kommende Jahr sind Biotechnologie, Halbleiter, Regenerative Energien, Software und Technologie.

Wem dabei das Thema Biotechnologie zu komplex und außerdem ethisch zu problembehaftet erscheint, der habe mit Qiagen die Möglichkeit auf einen Zulieferer mit guten Wachstumschancen zu setzen, so Hähner. Im Bereich Technologie hält er Konsum-Elektronik-Hersteller Medion für eine "Perle". Bei den Regenerativen Energien setzt er auf den Projektierer Energiekontor und den Anlagenbauer Nordex. Daneben stehen der Logistik-Dienstleister Thiel, das IT-Unternehmen SAPSI sowie das Spezialsoftware-Haus FJA ganz oben auf der Empfehlungsliste.

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