Vorsichtige Prognose
Morphosys: Geringere Umsätze erklärbar

Das Biotechnologie-Unternehmen Morphosys wird kommende Woche geringere Umsätze als im vergangenen Jahr melden. Das sei erklärbar, finden auch Analysten, die sich insgesamt vorsichtig optimistisch äußern.

vwd MARTINSRIED. Die Morphosys AG, Martinsried, wird am 22. und 23. April ihre Produktpipeline und Details zu den finanziellen Zielen 2002 vorstellen. Das Biotechnologie-Unternehmen hat bereits mitgeteilt, dass die Gewinnschwelle 2002 nicht mehr erreicht werde. Das Umsatzwachstum soll Fortschritten in der eigenen Produktentwicklung geopfert werden. Morphosys will künftig zudem nicht nur als Technologielieferant auftreten, sondern auch als Wirkstoffentwickler.

Analysten äußerten sich im Vorfeld erleichtert über das nahende Ende des Wissensdefizits. "Es war allerhöchste Eisenbahn, den Informationsbedarf der Anleger zu decken", sagt Analyst Juri Jenkner von Merck Finck. Vieles spricht dafür, dass die Umsatzerwartungen der Experten, die sich für das laufende Jahr im Konsens auf knapp 22 Mill. Euro belaufen, nicht sehr nach unten revidiert werden müssen. Denn die Analysten hatten sich bereits vorab bei ihren Prognosen verhaltener gezeigt als Morphosys selbst.

Morphosys-Firmengründer Moroney begründet die geringeren Umsätze mit dem Wechsel zu "Tauschgeschäften". Verschlechterte Aussichten seien kein Grund für die Revision der Prognosen. So werden 2002 weiterhin etwa fünf Neuabschlüsse bzw Erweiterungen von Kooperationen angepeilt. Dabei soll die eigene Technologie anderen Pharmaunternehmen nicht mehr ausschließlich verkauft, sondern gegen Zielmoleküle getauscht werden, welche für die eigene Entwicklung benötigt werden. Und diese Kompensationsgeschäfte sind Morphosys zufolge in den meisten Fällen nicht als Umsatz zu buchen.

Die Begründung scheine plausibel, und auch die bisher vorsichtige Prognose-Politik von MorphoSys spreche für das Unternehmen, heißt es am Markt. Ein Erreichen der Gewinnschwelle 2002 wäre allerings auch bei der höheren, vorherigen Umsatzplanung anspruchsvoll gewesen, denn Morphosys hat einige größere Kostenblöcke zu bewältigen. Allein das Aktienoptionsprogramm für Mitarbeiter kostete vergangenes Jahr 3,4 Mill. Euro, auch wenn dies keinen Mittelabfluss zur Folge hatte. Daneben gibt es auch die liquiditätszehrenden Patentstreitigkeiten mit CAT. Trotz bisheriger Teilerfolge vor Gericht hat Morphosys im Vorjahr 2,5 Mill. Euro hierfür aufgewendet. Die Liquidität scheint allerdings trotz allem gesichert.

Die Finanzdecke von Morphosys ist per Januar auf 36 Mill. von rund zwölf Mill. Euro gewachsen - dank der Beteiligung von Schering mittels einer Kapitalerhöhung. Für das laufende Jahr halten Analysten ähnliche Deals für denkbar. Denn das dafür genehmigte Kapital liegt noch dreimal höher als bisher genutzt. Eine Expertin spekuliert auf eine Kooperation mit Novartis: "Schließlich ist mit Jörg Reinhardt als Aufsichtsratmitglied eine Verbindung zu Novartis vorhanden".

Bezüglich der Krankheiten, gegen die Morphosys Wirkstoffe entwickeln will, tappen die Analysten noch im Dunkeln. Einige Experten erwarten ein Engagement auf dem Gebiet der seltenen Krankheiten. Dafür sprächen "signifikant unter dem Durchschnitt liegende Entwicklungskosten". Um diese Forschung attraktiver zu machen, erteilten die Zulassungsbehörden zudem den "orphan drug status", der ein vereinfachtes und beschleunigtes Zulassungsverfahren und eine siebenjährige Exklusivzulassung garantiere.

Für die Zukunft erwarten die Experten eine höhere Transparenz bei Morphosys. Das Unternehmen verweist hier auf die Partner, die einer offeneren Kommunikation skeptisch gegenüber stünden. "Meistens liegt es an den vertraglichen Vereinbarungen mit unseren Partnern, wenn wir Fragen offen lassen," heißt es. Die Beteiligung von Schering für 66,76 Euro je Aktie wurde zum Beispiel erst im Geschäftsbericht 2001mit Zahlen unterlegt.

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