Vorsichtiger Optimismus für 2004
Autoindustrie bangt um den Aufschwung

Die Internationale Automobil-Ausstellung soll endlich die erhoffte Konjunkturwende bringen. Drei Jahre mit rückläufigem Inlandsabsatz, die Flaute auf dem wichtigen US-Markt und zuletzt der Nachfrageeinbruch im August haben die deutsche Autoindustrie verunsichert.

HB FRANKFURT. Für 2004 erwarten die führenden europäischen Autohersteller jedoch das Ende der Konjunkturflaute und streben mit neuen Modellen wieder höhere Verkaufszahlen an.

Die größten deutschen Autokonzerne gaben sich vor Beginn der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) am Dienstag in Frankfurt vorsichtig optimistisch, vermieden aber konkrete Ertragsprognosen. Der starke Euro-Wechselkurs, Investitionen in neue Modelle sowie die Kaufzurückhaltung der Verbraucher machen den Herstellern noch zu schaffen. Zudem belasten der anhaltende Preiskampf und die erstarkte Marktpräsenz japanischer Autobauer die Hersteller in Europa. Die weltgrößte Autoschau, auf der ab Donnerstag rund 60 automobile Weltneuheiten wie etwa die neuen Modelle des VW Golf und des Opel Astra präsentiert werden, soll nun Impulse für einen Aufschwung in der Branche geben.

Autobauer setzen auf neue Modelle

"Wir werden beim operativen Ergebnis 2004 deutlich zulegen", kündigte der neue Volkswagen-Finanzchef Hans Dieter Pötsch an. Europas größter Hersteller erwartet mit Hilfe seines neuen Golf V auch wieder Zuwächse beim Fahrzeugabsatz. "Wenn die Marktbedingungen so eintreffen wie prognostiziert, dann sollte uns das deutlich über fünf Mill. bringen", sagte Pötsch mit Blick auf 2004. Konzernchef Bernd Pischetsrieder sagte: "Der neue Golf ist eher ein Symbol für den Aufbau einer besseren Stimmung." Dies gelte für die gesamte Branche.

Opel-Chef Carl-Peter Forster gab sich zurückhaltend: "Wir alle spüren, dass wir die Chance haben, dass der viel zitierte Aufschwung nun vor der Tür steht. Das ist aber ein zartes Pflänzlein, auf das wir Acht geben müssen, und noch lange keine Selbstverständlichkeit." Die deutsche Tochter des weltgrößten Autobauers General Motors setzt vor allem auf die neue Version des Kompaktmodells Astra, das allerdings erst im kommenden Frühjahr auf den Markt kommen soll. Der Konkurrent Golf soll schon von Oktober auf den Straßen fahren.

"Mobilität nun teuer genug"

Der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk, appellierte angesichts der schwachen Nachfrage auf dem deutschen Markt an die Politik, die Autofahrer nicht weiter zu belasten: "Die Mobilität ist genug verteuert. Jetzt muss wieder umgekehrt gedacht werden", sagte er. Schließlich sei im derzeit schwachen Konjunkturumfeld die Automobilindustrie die einzige Schlüsselbranche, die stabil sei. Für 2003 rechnet der VDA mit einer stagnierenden Zahl von Neuzulassungen von rund 3,25 Mill. Pkw, die Produktion dürfte leicht auf rund fünf Mill. Autos schrumpfen. Für 2004 halten Analysten nach Jahren der Flaute in Deutschland wieder ein Absatzplus von einigen Prozent für möglich.

Mercedes-Chef Jürgen Hubbert geht für Europa für 2004 mittlerweile von einem 2,5-prozentigen Wachstum aus. Für das laufende Jahr rechnet die Branche in Europa noch mit einem deutlich schrumpfenden Markt. Branchenexperten erwarten nun durch neue Modelle für den Massenmarkt entscheidenden Schub für die Autokonjunktur. Nachdem in den vergangenen Jahren luxuriöse Autos sowie große Geländewagen starken Absatz fanden, ruhen die Hoffnungen nun auf erschwinglicheren Autos der Kompaktklasse.

Daimler-Chrysler rechnet für seine Oberklassesparte Mercedes erst 2005 wieder mit deutlichen Absatzzuwächsen durch neue Modelle. "Wir rechnen 2004 mit einem gleich bleibenden Absatz. Aber 2005 werden die A- und M-Klasse-Modelle voll greifen, und das gibt uns die Möglichkeit, den Absatz deutlich zu steigern", sagte Hubbert. BMW-Finanzchef Stefan Krause wollte keine Gewinn- und Absatzprognose für 2004 abgeben. "Das Umfeld und die Stimmung auf dem Markt stehen wesentlich positiver dar als noch zu Anfang dieses Jahres", sagte er. Porsche gab sich nach einem neuen Rekordergebnis im Geschäftsjahr 2002/03 (31. Juli) für das neue Jahr bescheiden. "Wir wären über ein stabiles Ergebnis sehr glücklich", sagte Finanzchef Holger Härter im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Japaner greifen an

Für Furore in Europa wollen die japanischen Hersteller sorgen, die derzeit vom günstigeren Wechselkurs des Yen profitieren. Die bereits in den 80er Jahren gefürchtete Automacht drängt mit neuen Modellen - nun auch oft ausgestattet mit den in Europa beliebten Dieselantrieben - auf den Markt. Der führende Hersteller Toyota hat seine Absatzerwartung 2003 für Europa erhöht, und auch der zu einem Drittel zu Ford gehörende Konzern Mazda sieht sich gut im Plan.

Angesichts der nur vorsichtig optimistischen Prognosen für den Automarkt gaben die Aktien aller deutschen Hersteller nach deutlichen Kurszuwächsen in den vergangenen Wochen nach. "Anleger haben den Konjunkturaufschwung bereits eingepreist", sagte Fondsmanager Gerald Rössel von Invesco Asset Management. Ein Händler sagte, von der IAA seien nicht genügend positive Nachrichten gekommen, um den Kursaufschwung weiter zu stützen.

Volkswagen präsentiert auf der IAA erstmals alle Marken des Konzerns in einer einzigen Halle. Auf einem erhöhten Podest zeigt VW die GTI-Version der neuen Golf-Generation, die von anderen Golf-Modellen umringt ist.Mercedes präsentierte den Supersportwagen SLR McLaren mit lautem Röhren seines Achtzylinder-Kompressormotors. Der SLR, von Mercedes als "Silberpfeil des 21. Jahrhunderts bezeichnet, soll mit Flügeltüren und seitlich endenden Auspuffrohren an das 300 SLR "Uhlenhaut-Coupe" aus den 50-er Jahren erinnern.

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