Vorsichtiger Optimismus
US-Märkte: Höheres Wachstum treibt Kurse

Die Wall Street zeigt sich beeindruckt von den überraschend guten Konjunkturdaten. Die großen Indizes eröffnen alle im Plus. Eine halbe Stunde nach Handelsgewinn liegt der Dow Jones mit über 40 Punkten im grünen Bereich. Auch der Nasdaq - Index schafft es trotz der eher schlechten Unternehmensnachrichten leicht nach oben.

Das verdanken die Märkte gleich einer ganzen Reihe von positiven Überraschungen: Das US-Bruttoinlandsprodukt ist nach den neuesten Berechnungen im vierten Quartal um 1,4 Prozent gestiegen. Ausgegangen waren die Experten bisher von lediglich 0,2 Prozent Wachstum. Das ist die rasanteste Wachstumsrate seit einem Jahr. Jetzt wittern die Bullen offenbar Morgenluft.

Und noch ein wichtiger Konjunkturindikator ist heute besser ausgefallen als gedacht. Der Chicagoer Einkaufsmanager Index, der die Industrieentwicklung in dieser wirtschaftlich wichtigen Region mißt. Dieses Barometer hatte in den vergangenen Monaten hinter dem nationalen positiven Trend zurückgelegen. Jetzt liegt der Index bei 53,1 Prozent und damit deutlich über den Prognosen von 47,1 Prozent. Das heißt: Die Mehrheit der Unternehmen in der Region verzeichnet zunehmende Aufträge.

Ebenfalls stützend sollten sich die Arbeitsmarktzahlen auswirken. Auch hier blieben die wöhentlichen Arbeitslosmeldungen mit 378 000 unter den erwarteten 384 000 und damit auch klar unter der wichtigen Marke von 400 000, die für eine schwächere Wirtschaftsentwicklung steht.

Am Mittwoch hatte Fed-Chairman Alan Greenspan in seiner Rede vor dem vor dem Wirtschaftsausschuss des Kongresses darauf hingedeutet, dass es erste Anzeichen für eine "festere ökonomische Aktivität" gebe. Allerdings blieb der Notenbankchef vorsichtig wie immer und warnte, das Wachstum könne schwächer bleiben, als sonst in einer Aufschwungsphase.

Zu den Profiteuren der guten Stimmung dürfte heute Ebay gehören. Der Internetauktionator hatte am Mittwoch den Rückzug aus Japan angekündigt. Die Aktie war rund sieben Prozent gefallen. Eine gute Kaufgelegenheit sagt Merry Meeker, Internetexpertin bei Morgan Stanley. Die Analystin stuft die Aktie von "outperform" auf "aggressiv kaufen" herauf. Bereits im vorbörslichen Handel legte das Papier knapp vier Prozent zu. Positiv bewertet Meeker, dass Ebay mittlerweile auch Produkte zu festen Preisen über die Seiten verkauft und nicht nur über das Auktionsverfahren vertreibt.

Die Nachrichten aus dem Technologiebereich sind sonst allerdings eher ernüchternd. PC-Direktverkäufer Gateway hat mit einer Gewinnwarnung am Morgen die Anleger erschreckt. Das Management warnt, dass das Unternehmen auch in 2002 nicht die Gewinnzone erreichen wird. Um der Konkurrenz Marktanteile abjagen zu können, müsse man einen aggressiven und kostspieligen Preiskrieg führen. Im Gesamtjahr spricht das Management von einem 39 bis 49 Cents Verlust, während Analysten nur mit einem Fehlbetrag von 17 Cents rechneten. Finanzvorstand Joe Burke prognostiziert erst für 2003 eine Rückkehr in die Gewinnzone

Cisco auf Erholungskurs

Technologieführer Cisco kann sich ein wenig erholen nach dem Sturz vom Vortag. Der Netzwerk-Gigant hatte von den Aktienexperten von Wachowia schlechte Noten kassiert. Suie hatten ihre Gewinnerwartungen gekürzt und Cisco auf den tiefsten Stand seit Oktober gestürzt.

Schwach dürfte auch der Telekomsektor bleiben. Die Analysten von Goldman Sachs setzen die Aktien von Nortel Network und Lucent Technologies weiterhin nur auf "halten". Der stark unter die Räder geratene Markt für Telekom und Technologie habe den Boden möglicherweise noch nicht erreicht. Auch wenn die Aktien von Lucent Technologies auf einem sehr niedrigen Niveau notieren, könnten sie im Fall eines weiter nachlassenden Umfelds weiter unter Druck geraten. Selbst wenn dies nicht passiert, sollte der Wert für einige Zeit in einer Handelsspanne von 5 bis 6 Dollar verharren. Auch bei dem kanadischen Konkurrenten Nortel Networks bestünden größere Risiken, jedoch sollte der Konzern von einer Nachfrageerholung stärker als Lucent profitieren. Dank der breiten Produktpalette sollten Nortels Wachstumsraten im nächsten Jahr über dem Branchendurchschnitt liegen, glauben zumindest die Analysten.

Auch wenn reiche Menschen in Rezessionsphasen nur etwas weniger reich werden, scheinen sie dennoch den Hang zum Sparen zu entwickeln. Ein Trend, den der Luxus-Einzelhändler Tiffany zu spüren bekommt. So kam es im vierten Quartal zu einem Umsatz- und Ertragsrückgang um jeweils rund 2 Prozent. Das operative Ergebnis vor einmaligen Kosten lag mit 58 Cents pro Aktie mit 2 Cent über den Erwartungen. Das schwierige Einzelhandelsumfeld in den USA und bestimmten internationalen Märkten, konnten nur bedingt durch steigende Gewinnmargen und Kosteneinsparungen aufgefangen werden.

Von dem Wunsch Steuern zu sparen dürfte dagegen HR Block profitieren. Der weltweit größte Steuerberater, der seine Filialen in Einkaufszentren im ganzen Land hat, verdiente 16 Cents pro Aktie. Die Analysten hatten nur neun Cents pro Anteil erwartet. Nachdem die Saison der Steuererklärungen in diesem Quartal gut angelaufen ist, hat HR Block seine Prognosen für das Gesamtjahr angehoben.

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