Vorsitzende der Einzelgewerkschaften sollen sich an DGB-Spitze abwechseln
Schmoldt will DGB-Vorsitzenden abschaffen

Für Unruhe im Gewerkschaftslager hat der wiedergewählte Vorsitzende der IG BCE, Hubertus Schmoldt, mit seinem Vorschlag gesorgt, den Deutschen Gewerkschaftsbund in Zukunft statt durch einen gewählten Vorsitzenden abwechselnd durch die Chefs der Einzelgewerkschaften führen zu lassen.

pt BERLIN. Bislang hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) wie seine Mitgliedsgewerkschaften eine auf regelmäßigen Kongressen gewählte Führungsspitze. Die Stimme seines Vorsitzenden Dieter Schulte hat etwa bei Treffen des Bündnisses für Arbeit das gleiche Gewicht wie die der übrigen zu den Bündnisrunden geladenen Gewerkschaftschefs. Der am Dienstag auf dem Kongress seiner Organisation in Frankfurt mit 97,3 % der Stimmen wiedergewählte Vorsitzende der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Hubertus Schmoldt will das ändern.

Um den DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften enger zu verknüpfen, muss seiner Ansicht nach bei der anstehenden DGB-Reform der gewählte Vorsitzende abgeschafft werden. Statt dessen sollen die Chefs der einzelnen Gewerkschaften den Dachverband abwechselnd führen. Die Mitgliedsgewerkschaften des DGB würden so stärker in die Verantwortung eingebunden werden, begründete Schmoldt seinen Vorschlag.

Die Strukturen des Gewerkschaftsbundes stammten aus dem Jahr 1948. Angesichts dessen werde es nicht ausreichen, "nur daran zu kratzen". Er könne sich aber nicht vorstellen, dass der Bundesvorstand bereits auf dem DGB-Kongress im kommenden Jahr umgestaltet werde, fügte Schmoldt hinzu. Einzelheiten des Vorschlags müssten zudem noch erörtert werden. Die Struktur von autonomen Gewerkschaften unter einem Dachverband solle zudem bestehen bleiben.

Schmoldt gestand ein, dass sein Vorstoß nicht mit anderen Gewerkschaften abgestimmt sei. Er richte sich auf nicht gegen den amtierenden DGB-Vorsitzenden Schulte, der einen guten Job mache, erklärte der IG-BCE-Chef.

Bei anderen Gewerkschaften löste Schmoldts Vorschlag Irritationen aus. IG-Metall-Chef Klaus Zwickel ging vorsichtig auf Distanz. "Die Struktur an der Spitze des DGB hängt von der künftigen Aufgabenstellung des Deutschen Gewerkschaftsbundes ab", erklärte Zwickel gegenüber dem Handelsblatt. Bisher seien die Gewerkschaften mit einem gewählten Vorsitzenden gut gefahren. Zugleich begrüßte Zwickel den Einsatz Schmoldts für eine DGB-Reform mit dem Ziel "den Gewerkschaftsbund stärker und schlagkräftiger zu machen".

Inoffiziell war bei der IG Metall zu erfahren, dass sie Schmoldts Vorschlag für wenig vernünftig hält. Ohne einen eigenen Vorsitzenden würde die Position des DGB im politischen Kräftespiel eher schwächer sein als heute, hieß es. Die Politik werde etwa bei Gesetzesvorhaben den DGB in Zukunft übergehen und sich direkt an die Chefs der Einzelgewerkschaften wenden, befürchtet man bei der IG Metall.

Auch der DGB vermied eine offene Konfrontation mit Schmoldt. Der Gewerkschaftsbund sei "offen für Vorschläge, die die Schlagkraft der Gewerkschaften erhöhen. Aber für jede Veränderung ist eine Mehrheit aller Gewerkschaften notwendig," erklärte DGB-Sprecherin Susanne Kolb dem Handelsblatt.

Erläuternd hieß es, man wolle auf jeden Fall an der bewährten Aufgabenverteilung festhalten. Danach sei der DGB für den gesellschaftlichen und politischen Dialog mit Politik und Wirtschaft zuständig. Aufgabe der Einzelgewerkschaften sei die Interessenvertretung ihrer Mitglieder im Betrieb und die Tarifpolitik. Dabei solle es bleiben.

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