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Vorsorge: Es geht auch ohne Riester

Die Riester-Rente allein reicht nicht aus. Wichtig ist daher, sich ein umfassendes Konzept für die private Vorsorge zu erarbeiten.

HANDELSBLATT. Die Riester-Rente bringt zum Bewusstsein, wie wichtig private Vorsorge ist. Sie birgt allerdings auch die Gefahr, dass einfach noch mehr Anlageprodukte gekauft werden, ohne sie in ein vernünftiges Vorsorgekonzept einzubinden. Bevor ein Anleger einen neuen Spar- oder Versicherungsvertrag unterschreibt, sollte er daher genau prüfen, wie viele ähnliche Verträge schon in der Schublade liegen. Dabei gilt als Faustregel: Lebensversicherungen kündigt man nicht. Aber man kann durchaus, wenn man (aus steuerlichen Gründen) mindestens fünf Jahre lang eingezahlt hat, die Police ruhen lassen. Bei der Vorsorge gilt es zunächst, sich Klarheit über die Ziele zu verschaffen, z.B. die Altersvorsorge, Sparen für ein Haus oder für die Ausbildung der Kinder, die Absicherung der Familie für den Fall, dass der Hauptverdiener stirbt, die Absicherung für den Fall der Berufsunfähigkeit.

Wie viel Vorsorge sollte man betreiben? Hierzu bieten zahlreiche Internetseiten der Versicherer (z.B. Allianz oder Cosmos-Direkt) Rechner an, mit denen sich die Versorgungslücke grob abschätzen lässt. Wichtig: Wahrscheinlich sinkt die gesetzliche Rente wegen der Überalterung der Bevölkerung noch weiter. Im Zweifel sollte man also etwas mehr auf die hohe Kante legen. Wer errechnen will, mit welcher Sparrate ein Vermögen von z.B. einer halben Million DM mit Fonds aufgebaut werden kann, findet dazu ebenfalls Hilfe im Internet. Wichtig ist dabei, realistische Vorgaben zu machen: Eine Verzinsung von acht Prozent ist für einen Aktienfonds schon recht viel, wie sich gerade in der heutigen Börsensituation deutlich erweist.

Hier nur ein Beispiel: Wer 20 Jahre lang monatlich 100 DM spart, hat am Ende bei acht Prozent Verzinsung knapp 60 000 DM. Damit lassen sich rund 400 DM Monatsrente fürs Alter finanzieren. Aber wie viel sind 400 DM in 20 Jahren noch wert? Die schleichende Geldentwertung, die auch bei niedrigen Inflationsraten stattfindet, wird meist übersehen.

Welche Produkte sind geeignet? Die verschiedenen Varianten der Lebensversicherung reizen vor allem aus steuerlichen Gründen (s.u.). Im Renditevergleich gelten langfristig Aktienfonds als unschlagbar. Hier empfiehlt sich aber, nicht die ganze Sparrate in einen einzigen Fonds zu stecken - falls der Fondsmanager ein Pechvogel ist. Wer auf Sicherheit bedacht ist oder einen Teil des Geldes schon in wenigen Jahren braucht, sollte auf jeden Fall parallel auch Zinspapiere oder Anteile an Immobilienfonds erwerben.

Moderne Vorsorgekonzepte, wie sie häufig auch von Verbraucherschützern empfohlen werden, trennen den Sparvorgang von der Absicherung - das ist in der Regel kostengünstiger als die verschiedenen Varianten der Lebensversicherung. So bietet sich als Standardpaket eine Kombination aus Aktienfonds plus Risikolebensversicherung mit eingebautem Schutz gegen Berufsunfähigkeit an.

Im Alter kann man das angesammelte Vermögen in einen Auszahlungsplan stecken, den es bei Fondsgesellschaften gibt, oder in eine private Rente von der Lebensversicherung. Möglich ist auch eine Kombination, etwa die Absicherung des Mindestbedarfs über die Rente (die z.B. auch noch gezahlt wird, wenn man 110 Jahr alt ist) und dazu ein Auszahlungsplan mit 25 Jahren Laufzeit.

Doch wo sollte man die Produkte kaufen? Fonds gibt es inzwischen auch bei Versicherern und Lebensversicherungen bei der Bank. Kostengünstiger kann man Fonds bei manchen speziellen Fondsshops oder bei Direktbanken kaufen (dort sollte man auf der Web-Site die Bedingungen für Fondssparpläne nachschauen). Die entscheidende Frage ist immer, wie viel Rabatt auf den Ausgabeaufschlag (aus dem sich der Vertrieb finanziert) gewährt wird.

Lebensversicherungen in allen Varianten wiederum sind günstig bei Direktversicherern zu bekommen, die ohne Vermittler verkaufen. Es kommt aber nicht nur auf die Kosten an, sondern auch auf die Qualität der Kapitalanlage an. Fondsgebundene Produkte kauft man auch besser beim Direktversicherer, sonst fressen die Kosten den Steuervorteil auf.

Gute Beratung zu bekommen ist schwierig. Im Fondsbereich gibt es einige unabhängige Vermögensverwalter. Bei den Versicherern sind ganz unabhängig nur die gerichtlich zugelassenen Versicherungsberater, die gegen Honorar arbeiten. Und die echten Versicherungsmakler haben immerhin eine größere Palette zur Auswahl als der durchschnittliche Vertreter.

Steuern

Mit der Riester-Rente wird die steuerliche Situation noch komplizierter. Aber für alles, was nicht darunter fällt, gelten die alten Bestimmungen weiter: Kapitallebensversicherungen und entsprechende Rentenversicherungen haben einen doppelten Steuervorteil: Die Erträge sind steuerfrei (wenn bestimmte Bedingungen eingehalten werden, z.B. mindestens zwölf Jahre Laufzeit). Außerdem sind die Beiträge als Sonderausgaben abzugsfähig. Der zweite Punkt (§ 10 Einkommensteuergesetz) ist eine Geheimwissenschaft, die man dem Steuerberater überlassen sollte. In der Praxis greift der zweite Vorteil für die meisten Arbeitnehmer nicht. Er ist vor allem für Selbstständige interessant. Wenn beide Steuervorteile funktionieren, ist die Lebensversicherung sehr interessant.

Bei fondsgebundenen Varianten entfällt der Sonderausgabenabzug.

Bei Aktienfonds stammen häufig über 90 Prozent der Erträge aus Kursgewinnen und sind damit steuerfrei (im Fonds selbst gilt keine Spekulationsfrist, der Fondsanteil sollte aber ein Jahr gehalten werden, um Steuern zu vermeiden). In der Praxis sind Aktienfonds für die meisten Arbeitnehmer daher steuerlich gar nicht weit von einer Lebensversicherung entfernt.

Bei privaten Renten wird (ohne Riester!) nur der "Ertragsanteil" besteuert, der sich nach dem Alter richtet (je später, desto weniger, bei Rentenbeginn mit 65 Jahren sind es z.B. 27 Prozent, § 22 Einkommensteuergesetz). Bei Auszahlungsplänen werden die Erträge des Fonds besteuert.

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