Vorsorgen mit Wertpapieren
Aktien sind anderen Anlageformen überlegen

Nur ein pessimistischer Börsenbär kann so tollpatschig sein, die langfristig beste und sicherste Wertanlage, nämlich die Aktie, zu verschmähen. Doch: Vor zwei Jahren setzte die Baisse an den Börsen ein. Viele Anleger fragen sich seitdem: Sind Aktien eine sichere Anlage für das Alter?

HB DÜSSELDORF. Denn immerhin steigen die Kurse mit kurzen Unterbrechungen schon seit 300 Jahren. Genauso lange, wie es die Börsen gibt. Doch viele Deutsche brauchen etwas länger, um Statistiken zu vertrauen, und setzen stattdessen auf weniger Greifbares. Keine zehn Jahre ist es her, da gab es hier zu Lande mehr Ufo- als Aktienanhänger. Ausgerechnet die erfolglose T-Aktie hat seit Ende der 90er-Jahre dazu geführt, dass nun die Ufo-Gläubigen gegenüber den Freunden der Dividendenpapiere in der Minderheit sind.

Drei kleine Beispiele mögen die Überlegenheit der Firmenanteile belegen. Wer 1949 deutsche Aktien kaufte, kassierte dafür bis heute und damit einschließlich der beiden letzten großen Verlustjahre eine jährliche Rendite von gut 15 Prozent. Und wer vor 30 Jahren begann, monatlich 100 Mark in Aktien anzulegen, hat heute mehr als 300.000 DM oder 150.000 Euro. Eingezahlt hat der Glückliche lediglich 36.000 Mark. Und zum Dritten: Von 123 amerikanischen Börsenjahren zwischen 1870 und 1993 schlossen nur 35 mit Verlust ab.

In den negativen Jahren lag das durchschnittliche Minus bei rund zwölf Prozent. Doch der durchschnittliche Gewinn in den vielen positiven Jahren betrug knapp 20 Prozent. Wenn jetzt alles schlechter aussieht, weil nach zwei sehr miesen Aktienjahren auch 2002 negativ beginnt, so spricht das nicht gegen, sondern für die Aktie. Denn keiner wird behaupten wollen, dass eine Telekom zu 104 Euro im März 2000 attraktiver war als zu 16,60 Euro am vergangenen Freitag. Wer die Wahl zwischen den beiden Kursen hätte, dürfte für die Entscheidung nicht lange brauchen.

Das stärkste Argument für die Aktie ist die Altersvorsorge

Die Liste mit Beispielen und Zahlenkolonnen lässt sich fast endlos fortsetzen. Und weil das so ist und noch häufiger veröffentlicht wird, ziehen immer mehr Menschen die Aktie allen weniger erfolgreichen Anlageformen wie Girokonto, Sparbuch, Anleihe oder Gold vor. Zwar darf die Vergangenheit nicht so einfach auf die Zukunft übertragen werden, doch auch die kommenden Jahre verheißen steigende Kurse. Der Euro und die Altersvorsorge sorgen dafür.

Unabhängig davon, wie groß die Liebe zum Euro ist: Die Einheitswährung schafft einen großen und einheitlichen Kapitalmarkt nach dem Vorbild der USA. Dazu gehört, dass sich die Nationalstaaten in Euro-Land wandeln (weniger verschulden) und sich die Unternehmen ähnlich stark umstrukturieren wie einst in den USA. Das entfacht Kursphantasie, weil die Firmen künftig effizienter arbeiten.

Doch das stärkste Argument für die Aktie ist die Altersvorsorge. Denn während die Restrukturierung der Firmen nur mittelfristig steigende Kurse verspricht, fließt den Finanzmärkten durch den Umbau des Rentensystems auf Dauer und kontinuierlich Kapital zu. Allein in Deutschland erwarten die Börsen bis 2020 rund 1,5 Billionen Euro, die die gesetzliche Altersvorsorge ergänzen sollen. Das ist mehr als die derzeitige Marktkapitalisierung des gesamten deutschen Aktienmarktes. Und Deutschland gibt das Signal für andere europäische Länder wie Frankreich und Italien.

Während in den USA das Vermögen der Pensionsfonds inzwischen mehr als 50 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht, sind es auf dem Alten Kontinent gerade fünf Prozent. Der Nachholbedarf ist gigantisch und gar nicht so fern. Die Fondsgesellschaften spüren ihn schon heute.

Ihnen fließen immer mehr Mittel zu, obwohl die Börse nun schon zwei Jahre alle Optimisten das Fürchten lehrt. Kurzfristig mögen die Fonds die Gelder weiter zurückhalten und im Geldmarkt parken. Doch auf Dauer kann die Bargeldquote nicht immer weiter steigen. Das verzeiht kein Anleger. Er erwartet zu Recht, dass Aktienfonds in Aktien investieren. Das häufigste Argument der Börsenbären gegen die Aktie ist mit Blick auf die Altersvorsorge die Demographie.

Der Gedankengang klingt im ersten Moment einleuchtend: Derzeit tummeln sich an der Börse die geburtenstarken Jahrgänge. Doch wenn diese das Rentenalter erreichen, brechen die Kurse ein, weil nicht genügend Gutverdienende nachrücken. Tatsächlich aber werden die Rentner von morgen auch weiter in Aktien investieren. Sie wissen schließlich nicht, wie lange sie leben und wie viel Geld sie noch brauchen.

Doch noch wichtiger ist: Ob in Deutschland oder in einigen Nachbarländern die Bevölkerung zurückgeht oder altert, interessiert an der Börse kaum. Entscheidend sind allein die Gesamtzahl und das Kapital aller Anleger. So wird beispielsweise die chinesische Volkswirtschaft in 20 Jahren den Stand Europas der 80er- oder vielleicht 90er-Jahre erreichen. Das bedeutet, immer mehr Chinesen finden Geschmack an der Aktie und kommen in die Ansparphase. Ebenso wie Deutsche oder Amerikaner werden auch sie weltweit investieren und die größten Gewinnchancen suchen. Die Sorge, dass künftig vielen Verkäufern wenige Käufer gegenüberstehen, ist unbegründet.

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