Vorsprung ausgebaut
Israel: Scharon laut Umfragen deutlich vorn

Einen Tag vor der Wahl in Israel hat der konservative Oppositions-Chef Ariel Scharon in Umfragen weiter deutlich vor Ministerpräsident Ehud Barak geführt. Die Zeitung "Maariv" veröffentlichte am Montag eine Gallup-Erhebung, nach der am Dienstag 55 % der Befragten für Scharon und 36 % für Barak stimmen wollen.

Reuters JERUSALEM. In der Zeitung "Jedioth Ahronoth" legten beide Kandidaten erneut ihre Positionen zu den Verhandlungen mit den Palästinensern dar. Es gehe um die Entscheidung zwischen Frieden und einem weiteren Krieg, schrieb Barak. Scharon schwor, niemals die Souveränität über Jerusalem aufzugeben.

Scharon habe im Vergleich zu einer Umfrage vom Freitag seinen Vorsprung um zwei Prozentpunkte ausgebaut, berichtete "Maariv". Zehn Prozent der 1770 Befragten hätten angegeben, keinen der beiden Kandidaten wählen zu wollen. Die Fehlerquote wurde mit 2,3 % angegeben. Am Sonntag war eine Umfrage des US-Meinungsforschers John Zogby im Auftrag von Abu Dhabi Television veröffentlicht worden, nach der Scharon 26 %punkte vor Barak lag. 72 % der Ende Januar Befragten hätten angegeben, dass das Land zurzeit schlecht geführt werde. "Während seiner kurzen Amtszeit hat es Barak geschafft, das Vertrauen eines großen Teils der israelischen Bevölkerung zu verlieren", sagte Zogby.

"Wir sind aufgerufen zu entscheiden, ob zwischen uns und dem Frieden noch ein weiterer, blutiger Krieg sein wird", schrieb Barak in seinem Artikel. Am Sonntag hatte er sich besonders um die Stimmen von Israelis arabischer Abstammung bemüht, die 1999 mit großer Mehrheit für ihn gestimmt hatten. Die Bevölkerungsgruppe hatte sich von Barak abgewandt, seit 13 von ihnen im Oktober bei Sympathiebekundungen für den Palästinenseraufstand getötet wurden. Barak bekundete am Sonntag sein Bedauern über den Tod der 13 Menschen. Der arabisch- israelische Abgeordnete Ahmed Tibi sagte jedoch, Barak könne jetzt nichts mehr helfen und kündigte einen Wahlboykott arabischer Israelis an. Diese würden weder für Barak noch für Scharon ihre Stimme abgeben, sagte Tibi.

Scharon hatte am Sonntag einen eher zurückhaltenden Wahlkampf geführt und eine Fernsehdebatte mit Barak abgesagt. Politische Kommentatoren sagten, er wolle Fehler vermeiden, die seinen Vorsprung gefährden könnten. In seinem Artikel schrieb Scharon, unter seiner Führung werde Israel nicht mit den Palästinensern verhandeln, bis die Gewalt im Westjordanland und dem Gaza-Streifen zu Ende sei. In Hebron hatte er am Sonntag gesagt: "Ich werde verhandeln, aber unsere Nachbarn wissen, dass ich zu meinem Wort stehe, mein ja ein ja ist und mein nein ein nein." In Fernsehspots sprach Scharon von seinen neugeborenen Enkelkindern und seiner Sorge um die Zukunft des israelischen Volkes.

Scharon hat in Umfragen bislang durchgehend vor Barak gelegen. Seine Gegner befürchten, Scharon könnte nach einem Wahlsieg mit einer harten Haltung gegenüber den Palästinensern den Friedensprozess gefährden. Am Wochenende hatten die Palästinenser angekündigt, unabhängig vom Wahlsieg ihren seit Ende September anhaltenden Aufstand fortzuführen. Auch in der Nacht zum Montag kam es in den Palästinenser- Gebieten zu Schießereien. Über Tote oder Verletzte wurde nicht berichtet. Bislang sind bei den Auseinandersetzungen mindestens 382 Menschen getötet worden, die meisten von ihnen Palästinenser.

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