Vorstände der Geldhäuser unter Druck
Aufsicht nimmt US-Bankchefs ins Visier

Die US-Börsenaufsicht SEC hat eine neue Front im Kampf gegen unsaubere Aktienanalysen eröffnet. Nach den Analysten der großen US-Investmentbanken nimmt sie deren Chefs ins Visier.

tmo NEW YORK. Die SEC hat praktisch alle großen Wall-Street-Häuser schriftlich aufgefordert, ihre interne Kommunikation zwischen Aktienanalysten und deren Vorgesetzten offen zu legen. Sie wollen in E-Mails und Protokollen nachlesen, ob geschönte Analysen mit Wissen und Unterstützung der Topbanker entstanden. Ein an der Untersuchung beteiligter Amtsträger verglich die Initiative mit dem massiven "Shock and Awe"-Bombardement zum Auftakt der Irakkrieges, berichtet das Wall Street Journal.

Persönlich betroffen sind Sanford Weill, Chef der weltgrößten Bank Citigroup, Philip Purcell, Chef der Investmentbank Morgan Stanley, Henry Paulson von Goldman Sachs, Lehman-Brothers-Chef Richard Fuld und zwei ehemalige Investmentbank-Vorstände: David Komansky (Ex Lynch)-Merrill und Allen Wheat (Ex Suisse First Boston). -Credit Auch die Deutsche Bank, eine der größten europäischen Adressen an der Wall Street, erhielt Post von der SEC. Neben der Wertpapieraufsicht beteiligen sich die Nationale Vereinigung der Wertpapierhändler (NASD) und die Selbstregulierungsstelle der New York Stock Exchange (NYSE) an der neuen Untersuchung.

Bislang konzentrierten sich die US-Behörden auf einzelne Aktienanalysten aus einstigen Boombranchen. Der Vorwurf: Sie bewerteten manche Aktien bewusst zu positiv, um die Geschäftsbeziehungen ihrer Bank mit den analysierten Unternehmen zu fördern. Zehn führende Wall-Street-Häuser zahlten kürzlich insgesamt 1,4 Mrd. $, um Untersuchungen gegen ihre Analysten beizulegen. Im Rahmen der Einigung wurden die einstigen Staranalysten Henry Blodget (einst Merrill Lynch) und Jack Grubman (vormals Citigroup) aus dem Berufsstand ausgeschlossen. Blodget hatte in internen E-Mails Firmen als "Schrott" bezeichnet, deren Aktien er offiziell zum Kauf empfahl. Grubman hatte zeitweise behauptet, er habe sein Anlageurteil für den Telekomkonzern AT & T auf Druck von Citigroup-Chef Sanford Weill verbessert, weil der einen Auftrag von AT & T haben wollte.

Gegen Weill selbst gingen die Aufseher bislang nicht vor. Ein Grund liegt in in der begrenzten Zuständigkeit des Generalstaatsanwalts von New York, Eliot Spitzer - ihm fehlt das Mandat, die Verletzung von Aufsichtspflichten durch Bankmanager zu verfolgen. Der neue SEC-Chef William Donaldson hatte aber angekündigt, sich die Vorgesetzten vorzuknöpfen. Diese Drohung macht er jetzt wahr.

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