Vorstände des IT-Dienstleisters glauben an ihr Konzept
IDS Scheer: "Kein SAP-me-too-Angebot"

Die IDS Scheer AG gehört zu den IT-Dienstleistern am Neuen Markt. Sie sieht sich aber nicht im Windschatten von SAP. Zu den Perspektiven äußern sich die Vorstände Helmut Kruppke und Dr. Ferri Abolhassan im Interview.

Unter den zahlreichen IT-Dienstleistern am Neuen Markt gilt IDS Scheer bei Analysten als "weißer Rabe". Zwar kam der Vorstand im Geschäftsjahr 2001 auch nicht um eine unerwartete Gewinnwarnung herum. Dennoch legte das Management für das erste Quartal 2002 gute Zahlen vor. Der Umsatz und das Ergebnis stiegen zweistellig. Besonders wichtig: Nach Problemen im Vorjahr arbeiten alle Auslandsbereiche wieder profitabel. Für 2002 peilt IDS einen Umsatzanstieg von insgesamt 15 Prozent und eine deutliche Verbesserung der Marge an. Für die WGZ-Bank ist das Papier ein Kauf. Die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt stufen das Papier mit "add" ein. Kursziel: 10 Euro. Die Experten von Sal. Oppenheim halten sogar einen Kurs von 10,50 Euro für möglich.

E-Business galt vor ein paar Jahren als Hoffnungsträger. Heute will kaum ein Anleger davon wissen. Wann geht es mit dem IT-Bereich wieder bergauf?

Kruppke : E-Business hat sicherlich ein paar Schrammen abbekommen - aber nicht, weil es der falsche Weg ist, sondern weil es zum gleichen Zeitpunkt eine starke Überhitzung in der Branche und an den Finanzmärkten gab. Nutzen ist, glaube ich, das wichtige Stichwort. Wer orakelt, wie es in der Branche weitergeht, darf nicht vergessen, dass IT heute ein Produktionsfaktor ist, nicht nur ein Unterstützungselement. Die Unternehmen werden auch in Zukunft massiv Gelder für diesen Bereich einplanen und investieren, aber ganz sicher werden sie diese Mittel sehr gezielt ausgeben.

Dennoch: Die Branche muss wohl Abstand von zweistelligen Zuwachsraten nehmen, oder?

Kruppke : Nein, das kann man so pauschal nicht sagen. Früher ging es bei der IT vor allem darum, Prozesse zu optimieren, heute ist sie Schöpfer neuer Prozesse. Nehmen Sie das Beispiel Amazon. Dieses Unternehmen lebt davon, dass heute über das Internet Geschäftsmodelle möglich sind, die es vor zehn Jahren nicht gab. IT wird immer eine Wachstumsbranche bleiben. Ich sehe nicht, welche anderen Produktionsfaktoren es in Zukunft geben soll, die einen ähnlich großen Effekt auf den Unternehmenserfolg haben.

IDS Scheer bietet sowohl Dienstleistung als auch eine eigene Software an. Wollen Sie an dieser Strategie festhalten?

Abolhassan : Ja, wir können mit unserer Software Aris besser Geschäftsprozesse optimieren und den Kundennutzen erhöhen, als wenn wir "nur" Service und Beratung erbringen.

Am Neuen Markt gibt es viele IT-Aktien. Warum soll der Anleger gerade IDS Scheer kaufen?

Kruppke : Die Chance unserer Story liegt darin, dass wir ganz klar auf unsere Kunden fokussiert sind und deren Mehrwert im Auge haben. Wir kommen nicht von der Technologie und sagen: "Wir haben eine Lösung, und jetzt brauchen wir nur noch das Problem." Unsere Story ist unabhängig davon, ob es in bestimmten Branchen oder beispielsweise bei SAP gut oder schlecht läuft - was natürlich nicht heißt, dass wir uns komplett vom Markt entkoppeln können. Dazu sind wir nicht so leicht kopierbar. Know-how und gezielte Investitionen haben zu einer Kombination aus Software und Service für das Management von Geschäftsprozessen geführt, die in mehr als zehn Jahren entstanden ist. Dies macht unser Angebot einmalig und hebt uns aus unserer "peer-group" heraus.

Abolhassan : Wir gehen außerdem nicht wie viele andere mit einem "SAP-me-too"-Angebot an den Markt. Es kommen immer mehr komponentenbasierte Lösungen auf den Markt, und so muss es einen, ich nenn es mal Architekten geben, der diese Komponenten in einer Prozesswelt zusammenbaut - das sind wir.

Trotz aller Alleinstellungsmerkmale von IDS Scheer. Sie benötigen auch nach eigenen Aussagen eine kritische Größe, um auf Dauer eigenständig zu bleiben. Auf welchem Wege sehen Sie sich dabei?

Abolhassan : Schiere Größe ist kein Selbstzweck - wichtig ist Präsenz und Sichtbarkeit in den Kundenmärkten. Aber wir sind nicht in jedem Markt so gut aufgestellt, wie wir das möchten - etwa Westeuropa. In Zentral- und Osteuropa stehen wir dagegen in puncto Marktposition nicht hinter den Großen der Branche zurück. Daraus können wir die Stabilität erzielen, die uns die Expansion in andere Regionen ermöglicht. Dies wird jedoch kein hektisches Wachstum um jeden Preis sein, sondern ein geplantes Vorgehen, das sich an unserer Strategie und auch an unserer Kultur orientiert.

Nun hat Ihnen die Expansion ins Ausland aber in einigen Fällen auch Probleme gebracht - beispielsweise in den USA.

Abolhassan : Auf diese Probleme haben wir schnell reagiert und sie bereits gelöst, wie unsere Zahlen für das erste Quartal gezeigt haben. 2001 haben wir uns auf bestehende Märkte konzentriert, einige sogar aufgegeben, um unsere Kräfte zu konzentrieren. Dadurch haben wir den Auslandsumsatz gesteigert und die Profitabilität erhöht. Auch das sieht man in den jüngsten Zahlen, bei denen das Auslandsgeschäft einen Gewinnbeitrag geleistet hat. Jetzt können wir dazu übergehen, den Ausbau neuer Märkte voranzutreiben. Dies tun wir allerdings überlegt und mit Blick auf profitables Wachstum.

Wie sehen Sie die Entwicklung in den Jahre 2002 und 2003?

Abolhassan : Vorrangig geht es darum, unsere Profitabilität auch für das Gesamtjahr nachzuweisen. Das ist das Hauptziel. Darüber hinaus wollen wir eine kritische Größe in wichtigen Kernmärkten wie Westeuropa oder den USA erreichen.

Kruppke : Wir wollen nicht den deutschen Markt verlassen. Auch dort werden wir weiter wachsen. Aber sicherlich bietet das Ausland zukünftig größere Wachstumspotenziale als das Inland. In naher Zukunft sehen wir, dass etwa 60 Prozent unseres Umsatzes aus dem Ausland kommen könnten. Dabei wollen wir fokussiert vorgehen. Wir haben anlässlich des IPO gesagt, dass wir eine Marge von 15 Prozent anstreben - was in der AG der Fall ist. Und wir werden bis 2005/2006 diese Marke auch im Konzern erreichen.

Die Fragen stellte Thomas Luther

Quelle: Handelsblatt

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