Vorstände haften persönlich
Schutz vor tiefem Fall

Haftpflichtversicherungen für Manager erfreuen sich steigender Beliebtheit - doch sie werden immer teurer.

Das neue Bürogebäude ist gerade erst bezogen, schon ist der Ärger da. Denn der Boden, auf dem der schicke Glaspalast steht, ist mit Giftstoffen kontaminiert. Ein Millionenschaden droht, weil es vor Baubeginn kein Gutachten gab. Ein Versäumnis, für das der Vorstandssprecher des Unternehmens haftet. Und ein typischer Schadensfall, vor dem eine Directors and Officers-Police (D&O) schützt. Manager leben riskant. Immer öfter müssen sie sich wehren, weil Schadensersatzansprüche wegen unternehmerischer Fehlentscheidungen gegen sie geltend gemacht werden. "Kommt es zu einem Verfahren, liegt die Beweislast nicht beim Kläger, sondern nach dem Aktien- und dem GmbH-Gesetz beim Manager selbst", sagt Alois Lattwein, D&O-Experte und Autor des Buches "Haftungsrisiken für Manager".

Harte Zeiten

Geschäftsführer, Vorstände und Aufsichtsräte können bereits für leichte Pflichtverletzungen persönlich haftbar gemacht werden - auch von den Inhabern des Unternehmens. Für berufliche Entscheidungen haften sie mit ihrem gesamten persönlichen Vermögen. Ergo: Das Geschäft mit Manager-Policen boomt. "In harten Zeiten wie diesen müssen Top-Manager Entscheidungen immer schneller treffen. Zwangsläufig passieren dadurch mehr Fehler", erklärt Stephan Schweda vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) den Vormarsch des Produktes.

Rund 20 Versicherer, darunter zwei große US-Unternehmen, bieten so genannte "Directors and Officers Insurances" auf dem deutschen Markt an. Während des einjährigen Vertrages schützt die - fast ausschließlich vom Unternehmen für das Topmanagement abgeschlossene - Police ausschließlich bei Vermögensschäden.

Doch angesichts der Entwicklung an den Finanzmärkten steigen auch die Risiken: "Die Prämien der Manager-Haftpflichtversicherungen sind 2001 gegenüber dem Vorjahr um rund 30 bis 50 Prozent, im Einzelfall sogar um mehrere 100 Prozent gestiegen", sagt Stefan Hacken, D&O-Experte der R & V-Versicherung in Wiesbaden. Hacken rechnet im September dieses Jahres mit weiteren Prämienerhöhungen oder gar Kündigungen seitens der Versicherer: "Gerade bei deutschen Unternehmen, die in den USA gelistet sind, ist das Risiko wegen der hohen Streitwerte dort extrem hoch", sagt Hacken.

Die Manager-Haftpflicht für ein DAX-30-Unternehmen mit US-Listing schlägt bei einer Deckungssumme von 300 Millionen Euro mit vier bis fünf Millionen Euro pro Jahr zu Buche - das Ende der Meßlatte für D&O-Policen, die auf dem deutschen Markt für Schadenssummen von zehn bis 300 Millionen Euro abgeschlossen werden.

Vorstände haften persönlich

Einige Firmen bekommen gar keinen Versicherungsschutz für ihre Manager mehr: "Viele Gesellschaften vom Neuen Markt sind heute kaum noch versicherbar, und wenn, dann wird das sehr teuer", sagt Horst Ihlas, Direktor beim US-Versicherer Chubb. Doch gerade am krisengeschüttelten Neuen Markt bestehen noch zahlreiche Policen - Überbleibsel des Börsenbooms.

Vorstände haften persönlich, wenn sie bei bestandsgefährdenden Risiken nicht rechtzeitig Alarm schlagen, den Konkurs verschleppen oder bei einzelnen Geschäften "die Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters" missachten. Aufsichtsräte wiederum haften, wenn sie Berichte der Geschäftsführung nicht ausreichend prüfen oder bei Unklarheiten nicht nachhaken.

"Früher wurde die Managerhaftpflicht eher als Formalie abgeschlossen und kaum ausgeübt. Bei Verfehlungen gab es nach dem goldenen Handschlag vielleicht ein paar Einschränkungen bei den Pensionen", erklärt Hacken. Heute dagegen zählten geschasste Manager, die von ihren Ex-Arbeitgebern für ihre Taten haftbar gemacht werden, zu einer wachsenden Spezies.

Welche Forderungen auf die Versicherer und sogar die Manager selbst zukommen können, zeigt das Beispiel des Baukonzerns Philipp Holzmann. Sechs Ex-Vorstände (ihnen wurde Pflichtverletzung bei Immobiliengeschäften vorgeworfen) und ihr Versicherer AIG stimmten Ende 2001 einem Vergleich zu: AIG zahlte 19,5 Millionen Euro an den Konzern, die Vorstände verzichteten auf Pensionszusagen von rund 6 Millionen Euro.

Weitere prominente Fälle betreffen den mittlerweile insolventen Seniorendienstleister Refugium AG, der Schadensersatzansprüche in zweistelliger Millionenhöhe gegen den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Paul Kostrewa geltend machte, oder die Stadtwerke Wuppertal, bei denen zwei Top-Manager ohne Zustimmung der Gesellschafter ein riskantes Währungsgeschäft abgeschlossen hatten.

Manager wappnen sich gegen Schadensersatzklagen

Die Folgen treffen bei börsengelisteten Firmen auch die Kleinanleger. Deshalb empfiehlt der "Deutsche Corporate Governance Kodex" die Absicherung durch eine Versicherung.

Für Manfred Kops von der Gothaer Versicherung wird die Manager-Haftpflicht auch noch aus einem anderen Grund wichtig: "Das neue vierte Finanzmarktförderungsgesetz soll die Rechte der Anleger auf Schadensersatz bei Falschinformationen durch das Management verbessern." Folge: Immer mehr Manager wappnen sich gegen Schadensersatzklagen der Aktionäre.

Bei vorsätzlichem Handeln schützt aber auch eine D&O-Police nicht. Kursbetrug oder Verstöße gegen Insider-Regeln schließen eine Haftung aus - Vorstände wie die des ehemals am Neuen Markt notierten Unternehmens Infomatec fallen durch das Netz. Doch auch ohne Vorsatz bleibt bei ausgeübter Managerhaftung oft ein Makel. "Bei Topmanagern lässt es sich selten verheimlichen, wenn sie zum D&O-Fall werden", sagt Stefan Hacken, "die können ihren weiteren Berufsweg dann vergessen."

Weitere Informationen über Management-Versicherungen finden Sie im Internet unter www.first-class-versicherung.de

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