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Vorstände und kompletter Aufsichtsrat verlassen Lion bioscience

Die beiden stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden des Bioinformatik-Unternehmens Lion bioscience AG sowie der gesamte Aufsichtsrat haben mit sofortiger Wirkung ihren Rücktritt erklärt. Dies teilte Lion am Donnerstag in Heidelberg mit.

dpa-afx HEIDELBERG. Die beiden stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden des Bioinformatik-Unternehmens Lion bioscience AG sowie der gesamte Aufsichtsrat haben mit sofortiger Wirkung ihren Rücktritt erklärt. Dies teilte Lion am Donnerstag in Heidelberg mit. Wegen der noch bestehenden Börsennotierung an der US-Technologiebörse Nasdaq sei es Lion nicht mehr möglich gewesen, für die Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder eine so genannte Directors & Officers-Versicherung gegen rechtliche Risiken in den USA abzuschließen, sagte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage.

"Die Entscheidung bedeutet nicht, dass wir ein Liquiditätsproblem haben", sagte ein Sprecher auf Anfrage. Ende September habe Lion über eine Barposition von 33 Mill. Euro verfügt. Zu der Frage nach möglichen Übernahmeverhandlungen wollte sich der Sprecher nicht äußern. An der Börse verlor das Papier 6,50 Prozent auf 1,15 Euro. Noch im Jahr 2000 notierten Titel bei etwa 120 Euro.

Die Lion bioscience AG, die der ehemalige Vorstandschef und Unternehmensgründer Friedrich von Bohlen zur "SAP der Bioinformatik" aufbauen wollte, wurde seit dem 1. Januar von den Vorständen Martin Hollenhorst (Finanzen) und Daniel Keesman (Verkauf und Marketing) geleitet. Diese hatten nach Bohlens Rücktritt Ende 2003 dessen Aufgaben übernommen. Bohlen, der derzeit noch einen Anteil von 10,59 Prozent an Lion besitzt, sei bereit, dem neuen Aufsichtsrat beizutreten, sagte der Sprecher.

Aufsichtsrat Tritt Komplett Zurück - Prognose Bestätigt

Neben dem Vorstand legte mit dem ehemaligen Aventis-Vorstandschef Jürgen Dormann, dem ehemaligen Finanzvorstand von Schering, Klaus Pohle, und dem früheren Microsoft-Manager Richard Roy im Anschluss an die Aufsichtsratssitzung des Vortages der gesamte Aufsichtsrat mit sofortiger Wirkung seine Ämter nieder.

Branchenexperten hatten Lion in der Vergangenheit wegen mehrfachem Strategiewechsel als "chaotisch" kritisiert. Seine Prognose für das vergangene Geschäftsjahr hatte der Konzern zudem wegen deutlicher Absatzprobleme mehrmals nach unten korrigiert. Im März 2004 hatte das Unternehmen zudem sein Listing im Technologie-Index TecDax verloren. Für das laufende Geschäftsjahr bestätigte der Sprecher die bisherige Prognose. Danach wird ein Fehlbetrag in Höhe von rund zehn bis elf Mill. Euro erwartet. Seine Zahlen für das zweite Quartal will Lion am 4. November vorstellen.

Ein Rückzug von der amerikanischen Technologiebörse sei mittelfristig geplant, so der Sprecher weiter. In der Vergangenheit hatten zahlreiche deutsche Unternehmen ihren Unmut über die hohen Kosten für die Einhaltung amerikanischer Bilanzierungs-, Börsen- und Aufsichtsregeln geäußert.

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