Vorstände und Wirtschaftsprüfer im Fokus
Sanktionen für Bilanztrickser müssen "richtig weh tun“

Die Bilanzskandale der jüngsten Vergangenheit haben auch die Diskussion entfacht, wie Vorstände und Wirtschaftsprüfer zu besserer Arbeit veranlasst werden können. Experten sind unterschiedlicher Ansicht.

lü DÜSSELDORF. Das Handelsgesetzbuch lässt keine Interpretationen zu: "Der Jahresabschluss der Kapitalgesellschaft hat unter Beachtung der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage zu vermitteln." Einige Aktionäre würden diesen Satz inzwischen unter Grimms Märchen einordnen. Seit der nicht enden wollenden Serie von Bilanzmanipulationen befinden sich die Aktienkurse im Keller. Um sie wieder herauszuholen, sind vertrauensbildende Maßnahmen gefragt. Dazu gehören Vorschläge, wie man Vorstände zu korrekter Bilanzierung zwingt und Wirtschaftsprüfer veranlasst, genau hinzuschauen.

Diese Diskussion wird kontrovers geführt. Während Experten wie der Saarbrücker Betriebswirtschaftsprofessor Karlheinz Küting eine Kontrollinstanz mit umfangreichen Sanktionsvollmachten fordern, die auch harte Strafen aussprechen kann, plädiert die Standesvertretung der Kontrolleure, das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW), für ein "Review Panel" nach britischem Vorbild. Auf der Insel wird das "Financial Reporting Review Panel" tätig, wenn ihm ein Jahresabschluss als fehlerhaft angezeigt wird oder wenn über die Richtigkeit eines Abschlusses öffentlich diskutiert wird. Falls Mängel festgestellt werden, fordert die Kommission das betroffene Unternehmen zur Änderung des Abschlusses auf und kann eine Änderung auch gerichtlich erzwingen. Die Mängel werden durch das Panel publiziert. Diese negative Publizität habe, so das IDW, eine vorbeugende Wirkung. Für den Bilanzexperten Küting ist so eine Regelung jedoch nicht schlagkräftig genug: "Die Sanktionen müssen schnell passieren, und sie müssen richtig weh tun."

Wolfgang Ballwieser, Prüfungsexperte an der Universität München, ist da anderer Ansicht. Er hält von zusätzlichen Institutionen nicht viel und plädiert dafür, bestehende Regelungen einfach konsequenter anzuwenden. "Wenn der Vorstand falsche Jahresabschlüsse veröffentlicht, kann er schon heute belangt werden", sagt Ballwieser. Er verweist dabei unter anderem auf Regelungen im Handels- und Aktienrecht, die Sanktionen wie Buß- und Strafgelder bis hin zu Freiheitsentzug vorsehen. Küting hält dagegen: In der Praxis sei die Aussicht, den Vorstand mit Erfolg zu verklagen, in Deutschland gering. Und über die Geldstrafen, die bislang verhängt worden seien, könne er nur lachen.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%