Vorstände von Versicherern lehnen eine Reform der Reform ab
Neuer Streit um die Riester-Reform

Versicherungsvorstände fürchten, der Absatz von Riester-Policen werde unter der öffentlichen Reformdiskussion über die private Altersvorsorge leiden. Die Verbraucher könnten weiter verunsichert werden.

DÜSSELDORF. Die in der Finanzbranche entbrannte Debatte über eine Reform der Riester-Reform lehnen führende Vertretern von Finanzdienstleistern ab. Sie fürchten eine weitere Verunsicherung der Verbraucher und die damit steigende Gefahr eines Flops der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge. "Ich halte die Debatte für unglücklich", sagte Maximilian Zimmerer, Finanzvorstand des Marktführers Allianz Leben, dem Handelsblatt. "Es wäre fatal, wenn die Verbraucher durch die Diskussion weiter verunsichert würden", sagte der stellvertretende Vorstandschef von Gerling Leben, Norbert Heinen, dieser Zeitung. Keinesfalls dürfe das Reformwerk komplett neu aufgerollt werden. Davor warnt auch Karl Panzer, Geschäftsführer Lebensversicherung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Allein schon, weil bei grundlegenden Änderungen Zeit verstreiche, welche Anlegern später bei ihrer Altersvorsorge fehle.

Der Hintergrund: In den vergangenen Tagen hatten mehrfach Vertreter der Finanzbranche die Riester-Reform als zu kompliziert kritisiert. Entsprechende Äußerungen stammen etwa von Reinhold Schulte, dem Vorstandsvorsitzenden der Signal Iduna Gruppe, oder vom Chef des Allfinanzdienstleisters Tecis, Christian Steinberg. Schließlich bleibt der Absatz der Produkte deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Auch Allianz-Leben-Vorstand Zimmerer spricht sich für eine einfache Gestaltung des Zulagenverfahrens aus. Dabei gehe es ihm aber nur um Details. "Eine Reform der Reform wollen wir nicht", stellt er klar. "Wir müssen die Debatte wieder auf den Kernpunkt konzentrieren. Und der liegt darin, dass die Menschen mehr privat für das Alter vorsorgen müssen."

"Zu früh für ein Fazit"

"Die Bundesregierung vermarktet ihre eigene Reform viel zu schlecht", bedauert Heinen, der in dem Einstieg in die private Altersvorsorge einen "epochalen Schritt" sieht. Der Gerling-Vorstand plädiert für mehr Gelassenheit bei Versicherern und Politikern. Ohnehin findet er es zu früh, schon ein Fazit über das Riester-Geschäft 2002 zu ziehen. Angesichts der bis Ende März verkauften 1,9 Millionen Riester-Policen hält er es nach wie vor für möglich, dass die Versicherer bis zum Jahresende acht Millionen Policen verkaufen. Damit wäre die Branche im Plan. Sicher seien viele Versicherer von den Verkaufszahlen bei Riester-Policen enttäuscht, räumt Panzer ein. "Vielleicht war aber einfach die Annahme falsch, dass der Markt bereits im ersten Riester-Jahr verteilt wird."

Auch die Fondsanbieter beobachten die Diskussion mit Unbehagen: "Wir sehen durchaus die Gefahr, dass die Debatte die Verbraucher weiter verunsichern kann. Deshalb treibt die Fondsbranche sie auch nicht voran", sagt Stefan Seip, Hauptgeschäftsführer des BVI Bundesverband Deutscher Investment- und Vermögensverwaltungsgesellschaften. "Allerdings können Schwächen nicht stillschweigend ausgeklammert werden."

Auch der BVI hält die Komplexität der Riester-Regeln für die Hauptursache des Käuferstreiks. Seip spricht sich aber dafür aus, mit Reformplänen wie einer Vereinfachung des Zulageverfahrens die Bundestagswahl abzuwarten. Die Fondsanbieter zeigen sich beim Thema Riester zurückhaltend. Nur sechs (Activest, Adig, dit, DWS, Hansainvest und Union Investment) haben riesterfähige Fondssparpläne aufgelegt. Wie aus der Branche zu hören ist, haben Anleger erst rund 100 000 Verträge abgeschlossen.

Auch der Bundesverband deutscher Banken (BdB) hält die Kompliziertheit der Riester-Regeln für den Kern allen Übels. "Die erneut aufgeflammte Debatte ist weniger für die Käuferzurückhaltung verantwortlich", sagt Annette Maas, Expertin für Altersvorsorge beim BdB. Ihr Haus sei dabei immer für eine Vereinfachung eingetreten.

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