Vorstände werden zu wenig an ihrer individuellen Leistung gemessen
Glasnost bei den Gehältern

Personalberater Hubert Johannsmann über das Versteckspiel der Topverdiener.

Lee DÜSSELDORF. Hubert Johannsmann, 57, ist Chef der Düsseldorfer Personalberatung Interconsilium und berät seit über 20 Jahren Konzerne bei der Besetzung von Vorstandsposten. Warum tun sich deutsche Vorstände so schwer damit, ihre Gehälter offen zu legen?

Ganz einfach. Sie haben Angst davor, auf dem Titelblatt der "Bild"-Zeitung zerrissen zu werden - nach dem Motto "Deutsche-Bank-Chef zockt Millionen ab". Außerdem graut ihnen davor, dass die Aktionäre sie auf den Hauptversammlungen wegen jeder Sonderzahlung in die Zange nehmen.

Macht nicht gerade ihre Verschwiegenheit die Aktionäre noch misstrauischer?

Ja. Und genau dieses Versteckspiel hinterlässt mitunter den Eindruck, dass sie selbst nicht glauben, ihr Geld wert zu sein. In den Geschäftsberichten ist zwar aufgeführt, wie viel das gesamte Vorstandsgremium verdient. Wofür aber wer was bekommen hat, bleibt geheim. Der Aktionär hat damit keine Chance, einen direkten Bezug zwischen Gehalt und Leistung herzustellen.

Um dem Anleger genau dies zu ermöglichen, wollen viele Unternehmen künftig das Verhältnis zwischen fixen und variablen Gehaltsanteilen gesondert ausweisen. Reicht das aus?

Auf keinen Fall. Es ist positiv, dass bei Unternehmen wie Siemens, SAP, Epcos oder Schering das Fixgehalt mittlerweile nur noch zwischen 10 und 20 Prozent der Vorstandsvergütung ausmacht. Das ist auch der Grund, warum die Chefgehälter je nach Konjunktur und Ertragslage deutlich schwanken. Aber: Sie schwanken nach wie vor im Kollektiv. Die einzelnen Vorstände werden immer noch zu wenig an ihrer individuellen Leistung gemessen.

Jeder Vorstand soll sich öffentlich die Frage gefallen lassen, was er für sein Geld geleistet hat?

Wir brauchen Glasnost bei den Gehältern. Denn es gibt natürlich auch Vorstände, die ihr Geld nicht wert sind. Die fallen heute aber kaum auf, weil sie sich hinter dem Argument verstecken, dass sie etwa als Personalvorstand hinsichtlich ihres Ergebnisbeitrages nicht messbar seien. Wenn die Unternehmen ihre Aktionäre ernst nehmen, sollten sie schon deshalb das Einkommen jedes einzelnen Spitzenmanagers detailliert aufschlüsseln und begründen.

Quelle: Wirtschaftswoche

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