Vorstand: Depfa-Plan soll schon 2001 greifen
Investoren bevorzugen getrennten Börsengang der Depfa-Teilbanken

Als eine der ersten Hypothekenbanken hat die Depfa-Bank auf das schwierige Marktumfeld für die Branche reagiert. Mit einem radikalen Schnitt werden Staats- und Immobilienfinanzierungen getrennt. Investoren hätten die neue Strategie begrüßt, sagten beide Vorstandssprecher im Gespräch mit dem Handelsblatt.

nw WIESBADEN. Die Depfa-Gruppe hat mit der Umsetzung ihrer vor zwei Wochen präsentierten Strategie einer Trennung von Staatskredit und Immobilienfinanzierung bereits begonnen und rechnet schon für das nächste Jahr mit positiven Auswirkungen auf ihr Geschäft. "Wir werden 2002, wenn wir formal mit der neuen Struktur an den Start gehen, nur noch die Türschilder auswechseln", sagte Gerhard E. Bruckermann, einer der beiden Vorstandssprecher der Depfa Deutsche Pfandbriefbank AG im Gespräch mit dem Handelsblatt. "Derzeit diskutieren wir die künftigen Aufbau- und Prozessorganisationen und arbeiten an der Führungsstruktur", ergänzte der andere Vorstandssprecher Karl- Heinz Glauner. Ausdrücklich betonten sie, die Entscheidung sei noch nicht gefallen, wer die zwei neuen Teilbanken führen soll. Doch dürfte es bei der derzeitigen Arbeitsteilung bleiben: Bruckermann ist für das Staatskreditgeschäft, Glauner für die Immobiliensparte zuständig.

Ende November hatte die Bank ihre neue Strategie präsentiert: Sie wird sich in zwei Teile gliedern: eine Immobilien- und eine Staatsfinanzierungsbank. Das Modell gilt ab 2002. Dann greift die Steuerbefreiung für Beteiligungsverkäufe, die die notwendigen Umschichtungen im Konzern ohne Steuerbelastungen ermöglicht.

Neue Strategie wirft Fragen auf

Ob beide Depfa-Teilbanken getrennt an die Börse gebracht werden sollen, ließen die Vorstandssprecher offen. "Die Mehrzahl unserer Investoren würde einen getrennten Börsengang aber bevorzugen", fasste Bruckermann die Ergebnisse zahlreicher Investorengespräche während der vergangenen zwei Wochen zusammen. "Die neue Strategie ist erklärungsbedürftig, weil sie der herrschenden Marktmeinung entgegensteht, Fusionen seien der richtige Weg", stellte Bruckermann fest. Doch in den Einzelgesprächen hätten sich die Investoren meist von der Strategie überzeugen lassen.

Die Börse hat die Pläne der Depfa bisher aber nicht honoriert. Nach ihrer Präsentation sackte der Kurs erst einmal um 14 % ab. Die Aktionäre waren vor allem enttäuscht über den zeitgleich bekannt gegebenen Ergebnisrückgang in den ersten neun Monaten. Seitdem ist die Aktie noch nicht über das Ausgangsniveau hinausgekommen. Zum aktuellen Kurs um 74 Euro sei sie "gnadenlos unterbewertet", meinte Bruckermann. Er glaubt, dass der Kurs in den nächsten sechs bis zwölf Monaten an den langfristigen Aufwärtstrend anknüpfen wird. Seit der Privatisierung der Depfa habe die Aktie, getrieben von der Gewinnentwicklung, pro Jahr im Schnitt einen Ertrag von 20 % gebracht. Die Ergebnisdelle dieses Jahres will der Vorstand schon 2001 wieder ausbügeln.

Unterbewertet ist die Depfa-Aktie auch nach Ansicht der Analysten von Schroder Salomon Smith Barney. Sie haben das Papier gerade von "Outperformer" auf "Kauf" hochgestuft, ihr Kursziel aber auf 100 (110) Euro abgesenkt. Die Investmentbank Fox-Pitt, Kelton, die die Depfa bei ihrer Teilung berät, hatte einen fairen Wert von 118 Euro ermittelt. Der geschätzte addierte Wert der Konzernteile entspreche einem Kurs von über 140 Euro.

Keine Kapitalerhöhung geplant

Eine gute Nachricht hat Bruckermann für die Aktionäre parat: "Wir planen aus heutiger Sicht keine Kapitalerhöhung." Beide Teil-Banken sollen mit je 2 Mrd. Euro regulatorischem Eigenkapital ausgestattet werden. Heute verfüge die Gruppe über etwa 3,5 Mrd. Euro. Den fehlenden Betrag werde man durch Gewinnthesaurierung und die Aufnahme von Ergänzungskapital aufbringen, so Bruckermann.

Als Vorteile der Teilung der Depfa sehen beide Vorstandssprecher die Möglichkeit, die Kundenbedürfnisse an beide Sparten besser zu erfüllen, das Rating der Staatsfinanzierungsbank zu verbessern und offen zu sein für neue strategische Optionen, etwa gezielte Akquisitionen. "Wir sprechen derzeit jedoch nicht über Fusionen oder Übernahmen", betonte Bruckermann. "Wir werden uns so aufstellen, dass wir alleine laufen können. Interessante Gelegenheiten würden wir aber nutzen, um uns in Kerngeschäftsfeldern mit Know-How oder lokaler Kompetenz zu verstärken", sagte Glauner.

Höhere Erträge als im Inland seien auf europäischen Märkten zu erzielen - zunehmend auch in Mittel- und Osteuropa. Japan wird als starker Wachstumsmarkt im Staatskreditgeschäft gesehen. Aussichtsreich sei auch Kanada. In den USA mache ein groß angelegter Markteinstieg dagegen keinen Sinn. In Westeuropa nehme die Konkurrenz zwar zu, doch die Größe des Marktes biete Raum für weitere Expansion. Im europäischen Staatskreditgeschäft sei die Depfa mit 4 % Marktanteil die Nummer zwei, knapp hinter Dexia. Das Volumen ausstehender Kredite in Europa liege bei 4,1 Bill. Euro.

Zur Steigerung ihrer Rendite will die Depfa künftig verstärkt Geschäfte machen, die ihre Bilanz nicht belasten, also kein Eigenkapital beanspruchen - etwa Beratungs- und Serviceleistungen, die Provisionen bringen. Zudem sollen Finanzierungen, wo immer möglich, nicht in den eigenen Büchern verbleiben, sondern nach dem Arrangement weiterplatziert werden. Geplant ist auch die verstärkte Verbriefung von Forderungen aus dem Bestand: Die Depfa stehe "Gewehr bei Fuß", als erste Transaktion ein 1 Mrd. Euro großes Hotel-Kreditportfolio zu platzieren.

Das Gespräch führten Georg Jakobs, Robert Landgraf und Nicole Walter.

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