Vorstand der Zapf Creation AG
Angelika Marr: Passionierte Puppenmutter

Angelika Marr sieht sich selbst als "Farbklecks inmitten grauer Anzüge." So ungewöhnlich wie die Selbsteinschätzung ist auch der Titel: Die gelernte Architektin ist Chief Design Officer des im M-Dax notierten Puppenherstellers Zapf Creation AG.

RÖDENTAL. Leuchtend rote Haare, eine knall-orange Bluse und ein riesiges, buntes Gemälde an der Wand hinter dem Schreibtisch: Angelika Marr liebt es ausgesprochen farbig.

Bunt, sehr bunt ist auch das von ihr gemalte Bild, das am Eingang zu ihrem Büro in der Zentrale der Zapf Creation AG in Rödental hängt: "Eine große Leinwand und dicke, fette Pinsel", beschreibt die 37-Jährige ihr persönliches Malerglück.

Beruflich kann die groß gewachsene Frau nicht immer ganz so tief in den Farbeimer greifen. "Wir verfolgen die Trends der Kinder- und Jugendmode", umreißt Marr die Vorgaben, nach denen sie ihre kleinen Schöpfungen einkleidet. "Die Puppen müssen aussehen wie die kleinen Geschwister." In dieser Saison dominieren Pastelltöne, darunter etwas Rot, Orange und Gelb.

Unterwegs in Hongkong und Rödental

Hunderte Puppen, Puppenkleider und Accessoires entwirft die studierte Architektin jedes Jahr mit ihren Teams in Hongkong und Rödental. Ihre wichtigste Aufgabe: Sie muss entscheiden, was künftig in den Spielwarengeschäften unter den verschiedenen Zapf-Labels verkauft wird.

Als so genannter Chief Design Officer ist Marr verantwortlich für die Produktentwicklung bei Deutschlands größtem Puppenhersteller. Für Marr ein Traumjob: "Ich hab? schon immer gerne mit Puppen gespielt." Dass sie das Hobby zum Beruf machen konnte, liegt, meint Marr, an ihrer Hartnäckigkeit. Denn gleich nach dem Abitur lief es gar nicht so, wie sie sich das vorgestellt hatte. Von der Modeschule abgelehnt, studierte die junge Frau an der Fachhochschule München Architektur - eher aus Verzweiflung denn aus Überzeugung.

Nach dem Diplom im August 1988 gelang der Sprung in die Designabteilung bei Zapf. Häuser gebaut hat Marr nie. Höchstens Messestände für Zapf entworfen. Schon nach kurzer Zeit war "Geli", wie sie im Betrieb genannt wird, bereits Chefin der Kreativabteilung des Spielwarenproduzenten. Später rückte sie dann in die Geschäftsleitung auf, seit 1999 ist sie Mitglied des Vorstands. Ein "Farbklecks inmitten grauer Anzüge", sagt sie über ihre zumeist männlichen Kollegen in Führungspositionen.

Auszeit in Griechenland

Der Aufstieg hielt Marr aber nicht davon ab, ihren eigenen Kopf durchzusetzen. Vor zwei Jahren zog sie sich für ein ganzes Jahr auf eine griechische Insel zurück. Unter südlichem Himmel, "wenig beeinflusst vom Tagesgeschäft", habe sie ihren "Blick geweitet", erzählt Marr mit leuchtenden Augen. Gewiss, oft musste sie zu Sitzungen zurück in die nordbayerische Heimat. Aber als kreativer Mensch sei sie "einfach keine Maschine", die (Arbeits-) Zeit in Griechenland sei sehr wertvoll gewesen.

Marr findet das beschauliche Rödental im Norden Bayerns und ihren benachbarten Wohnort Coburg zwar ganz nett. Alle zwei Monate stürzt sie sich aber mit Begeisterung ins quirlige Leben von Hongkong. Weil viele der Zapf-Puppen in China gefertigt werden, muss Marr regelmäßig in die asiatische Metropole reisen, um mit Herstellern und Zulieferern zu verhandeln. Auch ein längerer Aufenthalt in Hongkong - wie in Griechenland - sei nicht ausgeschlossen, betont Marr mit einem Zwinkern. In den nächsten Tagen reist die Managerin, die selbst keine Kinder hat, wieder durch die Puppen-Fabriken der Volksrepublik, um die Lieferanten zu begutachten.

Marr sieht sich zwar als Künstlerin, vergisst dabei aber die Zahlen nicht. "Man muss ein Gefühl haben, was ein Stück kosten darf." Der Hobby-Taucherin liegt viel daran, die einzelnen Marken von Zapf zu pflegen. Mit "Baby Born" hat sie dabei einen Klassiker geschaffen, der inzwischen sogar als Lizenzprodukt Geld in die Kassen bringt.

Langfristig will sie für Zapf auch ganz neue Geschäftsfelder erschließen. So gibt es in diesem Sommer zum ersten Mal eine Kleiderkollektion für Kinder. Die Klamotten für Kids werden zunächst nur den Mitgliedern des Baby-Born-Clubs angeboten. Doch wenn die Sachen gut ankommen, verspricht die Designerin, werden sie auch in Kleidergeschäften zu bekommen sein.

Eines wird sich für Marr aber wohl nie ändern: "Unsere Sachen müssen von Herzen kommen." Und trotz des Trends zu High-Tech-Puppen mit vielen elektronischen Funktionen beharrt sie: "Die Puppen sollen immer zum Knuddeln sein."

Vita

Angelika Marr, geboren am 11. Januar 1965 in Bayreuth, ist gelernte Architektin. Gleich nach dem Studium an der Fachhochschule in München zieht sie nach Coburg, wo sie bereits ihre Schulzeit verbracht hat. Im benachbarten Städtchen Rödental beginnt sie ihre Karriere beim Puppenhersteller Zapf. Mit Architektur hat Marr fortan nichts mehr zu tun. Stattdessen macht die junge Frau im Puppendesign Karriere. Ihr offizieller Titel: Chief Design Officer, übersetzt: Vorstand für Produktentwicklung. Marr ist eine der wenigen Frauen im Vorstand einer börsennotierten Gesellschaft in Deutschland.

Quelle: Handelsblatt

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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