Vorstand kann auf dreistellige Millionenbeträge hoffen
Fürstliche Prämien für Telekom-Manager

Sollte der Kurs der T-Aktie alte Höhen erreichen, dann wird das Management der Telekom mit üppigen Prämien belohnt. Experten halten das Aktienprogramm des Bonner Konzerns für überzogen.

lü/kk DÜSSELDORF. Wie viel dürfen Manager verdienen? Was ein "angemessenes" Vorstandsgehalt ist, das wird in der Öffentlichkeit zur Zeit wieder heftig diskutiert. Den aktuellen Anlass liefert ein Bericht über die Deutsche Telekom. Danach will das Unternehmen auf Basis eines Aktienoptionsmodells seinen Vorstand selbst bei nur durchschnittlicher Kursentwicklung mit Prämien in dreistelliger Millionenhöhe belohnen. So könnte das Management um Telekom-Chef Ron Sommer bis zu 340 Mill. Euro kassieren, sollte der Kurs der Aktie innerhalb von zehn Jahren auf über 63 Euro steigen, berichtete die Illustrierte "Stern". Der Vorstand könne bei Erreichen des alten Höchstkurses von 105 Euro bis zu 1 Mrd. Euro kassieren davon bekäme Sommer alleine umgerechnet rund 400 Mill.DM.

Die Telekom widerspricht dieser Darstellung vehement. Dies seien idaltypische Bedingungen, erklärte Sprecher Andreas Leigers gegenüber dem Handelsblatt. Es werde ein idealtypischer Kursverlauf unterstellt und zudem die Tatsache, dass alle Optionen wirklich auch begeben würden. Leigers: "Würde der Kurs der Telekom-Aktie wirklich auf 105 Euro steigen, würden die Aktionäre, ausgehend vom jetzigen Kurs, einen Mehrwert von 320 Mrd. Euro in den Büchern stehen haben. Und da relativieren sich diese Zahlen deutlich."

Telekom-Pläne in der Kritik

Experten halten dieses Optionsprogramm der Deutschen Telekom dennoch für überzogen. Axel Adam-Müller, Dieter Hess, und Erik Lüders von der Universität Konstanz sehen die Telekom-Pläne ebenfalls kritisch: Denn das Management würde von der Regelung selbst dann profitieren, wenn die T-Aktie schwächer als der Markt zulegt. Zudem würden die Aktionäre über die Kosten des Aktienplans weitgehend im Dunkeln gelassen.

Auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) mahnt. Grundsätzlich seien solche Leistungsanreize für das Management zu begrüßen. Aber vor dem Hintergrund der massiven Kursverluste hätte das Telekom-Management sich ambitioniertere Ziele setzen oder Zurückhaltung wahren sollen, um ein klares Signal an die Aktionäre und denKapitalmarkt zu geben. "Hier wurde Öl ins Feuer geschüttet", erklärte DSW-Sprecherin Petra Krüll. In den USA ist der Streit um Managementbezüge fast schon die Regel. So hat jüngst die Börsenaufsicht SEC die hohen Gehälter angeprangert. Laura Unger, Interims-Chairman der SEC, kritisierte, dass die Einkünfte der Manager deutlich schneller gestiegen sind als der Börsenkurs und die Dividenden.

Nach einer Studie der Personal-Beratungsfirma William M. Mercer, die 350 Großunternehmen untersuchte, ist das Einkommen amerikanischer Vorstandschefs im vergangenen Jahr um 8,2 % auf durchschnittlich 2,9 Mill. $ gestiegen. Die Einkünfte der Aktionäre erhöhten sich dagegen nur um 5,3 %.

Spitzenreiter unter den Managern ist Apple-Chef Steve Jobs. Der Gründer und Boss des Computerkonzerns erhielt nach einer Studie des Wirtschaftsmagazins Fortune insgesamt 381 Mill.$, inklusive Gehalt, Bonus und anderer Einkünfte wie Aktienoptionen. Dagegen nehmen sich die Bezüge von Banker Sandy Weill, Chef der Citigroup, und Jack Welch, Boss von General Electric mit 151 Mill.$ beziehungsweise 125 Mill.$ fast bescheiden aus. SEC-Chairman Unger appelliert an die Aufsichtsräte, die Gehälter der Führungskräfte nicht ins Unermessliche steigen zu lassen. Aufsichtsratsmitglieder, die "zu ängstlich oder zu schüchtern sind, die schwierigen Fragen zu stellen", sollten sich aus den Gremien, die über die Vorstandssaläre entscheiden, zurückziehen, forderte sie.

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