Vorstand korrigiert Umsatzprognose US-Geschäft leicht nach unten
Börse honoriert Aufräumarbeiten bei Gauss

Großreinemachen bei der Gauss Interprise AG: Der Neue-Markt-Wert hat erhebliche Abschreibungen auf den Firmenwert der US-Tochter vorgezogen. Die Firma soll nun 2002 wieder Gewinn erzielen.

lip HAMBURG. Das Hamburger Softwarehaus Gauss Interprise macht weiter Tabularasa im Konzern. Die Börse honorierte dies heute mit einem Kursanstieg von 11,83 % auf 2,08 Euro. Grund: Der Vorstand hat sein Wahlrecht beansprucht, die Abschreibungen auf den Firmenwert der US Magellan Software Inc. -Tochter von 96 Mill. Euro auf 2000 vorzuziehen. Ansonsten hätte Gauss Interprise über 20 Quartale Abschreibungen von je 6 Mill. Euro vornehmen müssen. Damit rutscht der Konzern in 2000 mit 116, 9 Mill. Euro in die Verlustzone, während 1999 noch ein Jahresüberschuss von 4 Mill. Euro erzielt wurde. Die hohe Abschreibung belastet nicht die Liquidität, die mit rund 26 Mill. Euro angegeben wurde.

Vorteil des Kraftakts ist, dass das Konzernergebnis durch die Firmenwertabschreibungen nicht mehr belastet werde. Sie seien vor allem wegen der veränderten Kapitalmarktsituation vorgenommen worden. Zudem hätten auch die Bankanalysten darauf gedrängt, dass das Konzernergebnis nicht über Jahre durch die hohen Firmenwertabschreibungen der US-Tochter gedrückt werde, erklärte Finanzvorstand Klaus Fischer.

Ob der Konzern in 2002 im Ebitda (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) die Gewinnzone steuert, ist vor allem davon abhängig, wie schnell Gauss den operativen Verlust bei der amerikanischen Tochter abbaut. So hatte die Magellan Software Inc. in 2000 bei einem Umsatz von 17 Mill. Euro einen Fehlbetrag von rund 9 Mill. Euro erwirtschaftet. In 2001 soll der Umsatz hingegen um 40 % auf 23,8 Mill. Euro klettern.

Analyst zeigt große Skepsis

Doch eine Ertragszahl wurde nicht genannt. Denn die US-Entwicklung ist nach den Worten des Vorstandssprechers und Großaktionärs, Heino Büchner, "makroökonomisch derzeit schwer einzuschätzen". Vor diesem Hintergrund wurde auch die ursprüngliche Umsatzprognose für 2001 mit 70 Mill. Euro leicht nach unten korrigiert. Der Vorstandssprecher spricht für das laufende Geschäftsjahr jetzt nur noch von einem geplanten Umsatzkorridor von 65 bis 70 Mill. Euro.

Dies stößt auch bei Stefan Burscheid, Analyst bei der Hypo-Vereinsbank, auf Unbehagen. Er ging bisher in 2001 von einer deutlichen Umsatzverdoppelung aus. Negativ beurteilt er auch, dass der Vorstand die Aussage zum Ebitda in 2000 nicht eingehalten habe. So bewegte sich der Ebitda-Fehlbetrag im vergangenen Geschäftsjahr bei 17,2 Mill. Euro, während der Vorstand noch vor kurzem ein Minus von 15 Mill. Euro gemeldet hatte. Stefan Burscheid stuft die Aktie weiter als "underperformer" ein. Sie werde sich damit schlechter als der Nemax entwickeln.

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