Vorstand Maichel kritisiert Politik der Bundesregierung
RWE droht mit höheren Strompreisen

Mit der Energiepolitik der Bundesregierung ist die Strombranche unzufrieden: Die RWE AG verlangt dringend ein Konzept für einen Energiemix - sonst drohten Stromausfälle oder erhebliche Preiserhöhungen, heißt es. Trotz der Kritik und der bevorstehenden Internationalisierung hält RWE am Standort Deutschland fest.

ESSEN. Der RWE-Konzern fordert von der Bundesregierung dringend ein "in sich stimmiges" Energiekonzept. "Deutschland braucht endlich eine klare energiepolitische Perspektive, die verlässliche Rahmenbedingungen für Zukunftsinvestitionen setzt", sagte RWE-Vorstandsmitglied Gert Maichel im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Maichel kritisierte, dass populäre Themen wie Ausstieg aus der Kernenergie sowie Ausbau und Förderung von Kraft-Wärme-Kopplung und Erneuerbaren Energien nur Stückwerk und wenig zielführend für den Energiestandort Deutschland seien. Es gehe darum, den ökonomisch und ökologisch vertretbaren Energiemix für die nächsten Jahrzehnte zu definieren.

Der RWE-Manager fordert deshalb von Berlin ein Gesamtkonzept, das alle energiepolitischen Elemente vernetzt. Wenn die Politik nicht bald eindeutige Zeichen setze, bleibt für Maichel nur die Alternative: "Entweder wird es Stromausfälle wie in Kalifornien geben oder der Strom wird erheblich teurer."

Wenn die Politiker ihre Hausaufgaben machten, dann könne die Bundesrepublik langfristig der bedeutendste Stromstandort in Europa bleiben, betonte Maichel. "Wir können und werden nur dort investieren, wo wir eine angemessene Rendite erwarten können." Deshalb werde RWE mit ihrer Tochter Rheinbraun auch zum angekündigten Investitionsprogramm von 10 Mrd. Euro im rheinischen Braunkohlenrevier stehen, bekräftigte der Energieexperte. Allerdings unter dem Vorbehalt, dass Berlin und Brüssel die Rahmenbedingungen etwa durch eine Kohlendioxid-Steuer nicht weiter verschlechtern.

Nach der Liberalisierung des Strommarktes mit starkem Verfall der Preise hätten die Unternehmen ihre Hausaufgaben mit weitgehenden Fitnessprogrammen gemacht. Maichel ist optimistisch, dass die Braunkohle deshalb bereits 2004 mit Erzeugungskosten von 1,8 Cent je Kilowattstunde neben der Kernenergie der kostengünstigste Anbieter im Grundlastbereich (Stromerzeugung rund um die Uhr) sein wird.

Derzeit werden allerdings die Kapitalkosten nach dem Preisverfall von 15 % im Privatkundengeschäft und bis zu 50 % im Industriegeschäft nicht verdient. "Das gilt für alle Erzeuger und alle Energiearten hier zu Lande", sagte Maichel weiter. Ab dem Jahr 2002 sollen die Kapitalkosten zunächst bei der Braunkohle, ein Jahr später auch bei den anderen Primärenergieträgern wieder verdient werden.

Größere Investitionen im zentralen Kraftwerkspark stünden in Deutschland erst nach 2010 an. Dezentrale Anlagen, dazu gehören Kraft-Wärme-Kopplung, regenerative Energien und Brennstoffzelle - werden zwar wachsen, aber bis 2015 weniger als ein Drittel zur deutschen Erzeugung beitragen. Grundlastkraftwerke auf Basis von Kernenergie und Kohle könnten dadurch nicht ersetzt werden.

Auch wenn Deutschland als größter Strommarkt in Europa "weiterhin ein hochinteressanter Produktionsstandort" bleibe, werde RWE die Internationalisierung nicht vernachlässigen - zumal die Wachstumsraten des deutschen Strommarktes gegen Null tendieren, erklärte Maichel.

Mit einem mehrere Milliarden Euro schweren Investitionsvolumen will RWE in den nächsten Jahren 5 000 Megawatt Kraftwerkskapazitäten aufbauen oder durch Zukäufe erwerben - mit Schwerpunkt in den USA sowie Süd- und Osteuropa. "Wir müssen uns auf Wachstumsmärkten im Ausland auch mit der Erzeugung stärker positionieren", sagte Maichel. In den USA soll die Tochter Consol den Brückenkopf für weitere Aktivitäten bilden, die sich auf den deregulierten und mit starkem Wachstum glänzenden Großhandels-Strommarkt konzentrieren. Deshalb hat sich die Handelstochter RWE Trading GmbH in Houston/Texas etabliert.

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