Vorstand Parsons:"Kein unethisches Verhalten bei AOL"
AOL zertifiziert Bilanzen mit Einschränkungen

AOL Time Warner beeidigte zwar Mittwoch Nacht fristgerecht seine Bilanzen, sprach aber von möglichen Fehlern bei drei Transaktionen der America Online-Sparte. Der Medienkonzern habe möglicherweise über einen Zeitraum von sechs Quartalen insgesamt 49 Mill. $ fälschlicherweise als Einkommen verbucht, teilte das Unternehmen mit.

wsj NEW YORK/WASHINGTON. AOL-Vorstandschef Richard Parsons und Finanzchef Wayne Pace haben dennoch vor der US-Börsenaufsicht SEC die Verantwortung für die Richtigkeit ihrer Zahlenwerke übernommen. Die New Yorker Firma überprüfe derzeit die Bilanzierung einiger Anzeigengeschäfte und Abschlüsse im Bereich elektronischer Handel, hieß es aus Unternehmenskreisen. Dies könne eventuell zu Berichtigungen früherer Ergebnisse führen. Bis Ende des dritten Quartals solle die Untersuchung beendet sein. Angaben von AOL zufolge, handele es sich dabei insgesamt um eine Summe von 49 Mill. $, was nicht einmal 1 % des AOL-Umsatzes ausmache.

Im vergangenen Monat bereits leiteten die SEC sowie US-Justizbehörden eine Untersuchung der Bilanzierungspraxis der AOL-Sparte des Medienkonzerns ein. Kürzlich hatte AOL erklärt, seine Bilanzen seien ordentlich.

Einige Investoren fürchten nun, die interne Überprüfung von AOL könne neue Probleme hervorrufen. Kathy Styponias, Analystin bei Prudential Securities, glaubt, Investoren könnten sich fragen, ob dies nicht der Anfang vom Ende sei.

AOL-Boss Parsons wandte sich mit einem Schreiben an seine Angestellten und versuchte die Situation zu erklären. So halte die Firma bereits Pläne für neue Kontrollen und Umstrukturierungen in den nächsten Wochen bereit. "In diesem Unternehmen ist kein Platz für unethisches Verhalten", schrieb er.

Vergangene Woche verließ AOL-Vizepräsident David M. Colburn die Firma. Er trug die Verantwortung für viele Anzeigen- und Handelsgeschäfte, die derzeit untersucht werden. Ein AOL-Sprecher wollte keine Angaben dazu machen, ob Colburn freiwillig zurücktrat oder gefeuert wurde. Colburn konnte für eine Stellungnahme nicht erreicht werden.

Die Bilanzen von America Online machten es dem Medienkonzern schwer, der Anordnung der SEC nachzukommen. Die Börsenaufsicht verlangt von zahlreichen US-Unternehmen eine eidesstattliche Erklärung über die Richtigkeit ihrer Bilanzen. Falsche Angaben werden vermutlich ein gerichtliches Nachspiel haben.

Richard Parsons verkündete im vergangenen Monat, er werde die Erklärung unterzeichnen.

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