Vorstand Stefan Jütte will das Firmenkundengeschäft ausbauen
Postbank setzt auf Logistik

Im zunehmenden Wettbewerb der Banken will sich die Postbank mit einem größeren Angebot für Firmenkunden am Markt positionieren. Eine zentrale Rolle sollen dabei Finanzierungsangebote für Logistik und Warenwirtschaft spielen.

mv DÜSSELDORF. Bei diesem Geschäft setzt das Institut auf die gleichen Synergieeffekte, die sich der Post-Konzern bereits von der Integration der Firmen DHL, Danzas und Deutsche Post Euro Express verspricht: Wer die Logistik von Bestellung über Lagermanagement, Auftragsabwicklung, Versandvorbereitung und Transport auf das Dienstleistungsunternehmen Post überträgt, bekommt von der konzerneigenen Bank die passenden Finanzlösungen gleich dazu.

"Das Outsourcing von Logistik ist weltweit stark im Kommen," begründet Stefan Jütte, Vorstandsmitglied der Postbank, die Fokussierung auf Logistikfinanzierung im Gespräch mit dem Handelsblatt. Im September 2001 erwarb die Postbank die PB Capital Corporation in New York, die auf Unternehmensfinanzierungen und kommerzielle Immobilienkredite spezialisiert ist. Sie habe in den ersten drei Monaten nach der Übernahme bereits mehr Neugeschäfte abgeschlossen als in den neun Monaten zuvor, berichtet Jütte. Die Postbank sei damit in den weltweit boomenden Markt der Logistikfinanzierung eingestiegen. Dazu gehöre die Finanzierung von Immobilien, Lagerhallen und Warenbestand beispielsweise über Leasingmodelle der Postbank Leasing GmbH, die seit April 2001 am Markt ist. Daneben spiele der Kauf von Forderungen (Factoring) eine wichtige Rolle, so Jütte.

Das Factoring-Geschäft ist auch außerhalb der Logistik-Finanzierung eine wichtige Säule im neuen Firmenkundenauftritt, für die die Postbank vor allem beim Mittelstand die Werbetrommel rühren will. Seit Jahresbeginn besteht die PB Factoring GmbH, die bis heute Forderungen im Volumen von fast 200 Mill. Euro übernommen hat.

Mit dem Verkauf offener Forderungen, die eine Firma gegenüber ihren eigenen Kunden hat, kann diese schneller liquide Mittel bekommen, als wenn sie die Außenstände selbst eintreibt. Für den Mittelstand ist dies ein wichtiges Finanzierungsinstrument, weil eine verkaufte Forderung aus der Bilanz herausgenommen wird, was wiederum die Eigenkapitalquote erhöht. Dies sei auch vor dem Hintergrund der künftigen Eigenkapitalvorschriften nach Basel II wichtig, erklärt Jütte, der allerdings davor warnt, die Dimension dieser Richtlinien zu überschätzen: "Wer kein Eigenkapital hat, wird es auch ohne Basel II schwer haben, Geld zu bekommen."

Für die Banken ist das Factoring-Geschäft jedoch gerade in Zeiten schlechter Konjunktur und zunehmender Insolvenzen kein risikoloses Geschäft, das deshalb zur Zeit auch allgemein eher verhalten läuft. Denn die Banken ihrerseits müssen die übernommenen Forderungen auch eintreiben können, um am Factoring-Geschäft zu verdienen. "Die Vorfinanzierung von Forderungen ist in der Tat nicht ohne Risiko," bestätigt Jütte - nicht zuletzt, weil man dafür auch einen Versicherer finden müsse. Deswegen wolle die Postbank die verschiedenen Varianten des Factoring - vom "Full Service" bis hin zum Ankauf größerer Einzelforderungen - vor allem den rund 45 000 Firmenkunden anbieten, mit denen bereits eine langjährige Geschäftsverbindung bestehe und die man deshalb besser einschätzen könne. Bislang gehe das Konzept noch auf: Der Versicherer Hermes, mit dem die Postbank zusammenarbeite, versichere die gekauften Forderungen der Postbank zu 90 Prozent. "Es geht uns nicht in erster Linie darum, neue Kunden zu gewinnen," sagt Jütte. Und fügt hinzu: "Bei unseren eigenen Kunden bleibt das Risiko überschaubar."

Den Grundstein zur neuen Strategie und für eine stärkere öffentliche Wahrnehmung als Firmenkundenbank legte die Postbank im vergangenen Jahr, als sie - ähnlich wie Deutsche Bank und Dresdner Bank - kleinere Unternehmen und Selbstständige mit Jahresumsätzen bis zu 2,5 Mill. Euro in das Privatkundengeschäft integrierte. Denn diese Kunden hätten ähnliche Wünsche wie Privatkunden - zum Beispiel Paketlösungen im Zahlungsverkehr -, begründet Jütte die Trennung. Im Privatkundenbereich gehört die Postbank mit über 10 Mill. Kunden und einer Bilanzsumme von 140 Mrd. Euro zu den größten Instituten in Deutschland. Das Firmenkundengeschäft steuerte 2001 etwa ein Drittel zum Ergebnis bei. "Wir rechnen allerdings damit, dass dieser Anteil 2002 leicht ansteigen wird," so Jütte.

Vom Filialgeschäft der Post, dem nach Ankündigungen des Konzerns tiefe Einschnitte durch Schließungen und Personalabbau bevorsteht, ist das Firmenkundengeschäft losgelöst. Doch auch bei der Postbank selbst wird gespart, berichtet Vorstandsmitglied Stefan Jütte: "Für das kommende Jahr sind weitere Stellenkürzungen bereits mit den Sozialpartnern vereinbart."

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