Vorstand Thomas Geitner will im Herbst Bezahlen per Handy einführen
Vodafone will in drei Jahren von Synergien der Zukäufe profitieren

Thomas Geitner ist überzeugt, dass der Verbund aus elf europäischen Mobilfunknetzbetreibern erhebliche Synergien für Vodafone schafft. Der Vodafone-Vorstand beziffert sie ab dem Jahr 2004 mit 600 Mill. Pfund jährlich. Ein Drittel dieser Summe lasse sich beim Einkauf von Netzinfrastruktur und Handys realisieren, ein weiteres Drittel über mehr Umsatz und der Rest über gesparte Kosten, sagt Geitner im Handelsblatt-Gespräch.

DÜSSELDORF. Der 46-Jährige verantwortet die Entwicklung von Europa-Produkten, den Einstieg ins Internet und den Einkauf. Bevor er für Vodafone in das Düsseldorfer Mannesmann-Hochhaus einzog, war er Chef des Telekom-Unternehmens Otelo. Diesen Job verlor Geitner nach der Übernahme von Otelo durch Mannesmann Arcor. Jetzt sitzt Geitner für Vodafone im Arcor-Aufsichtsrat.

Die Stärke des weltgrößten Mobilfunkers nützt Vodafone laut Geitner im Verhältnis zu den Lieferanten. "Bisher waren wir abhängig davon, welcher Hersteller wann welches Handy wie entwickelt", sagt er. In der Zukunft könne Vodafone viel stärker vorgeben, welche Anforderungen ein Handy erfüllen muss.



Die Netze der Ländergesellschaften will Vodafone nicht vereinheitlichen. Seine Aufgabe sei es, dafür zu sorgen, dass die Produkte künftig so konzipiert werden, dass sie in allen Netzen funktionieren, so Geitner. Ein solches Produkt ist beispielsweise der "Eurocall", ein einheitlicher Tarif für Gespräche aus dem Ausland. 1,7 Millionen Kunden hätten sich bereits registrieren lassen.



Noch vor dem Sommer werde Vodafone echtes Roaming für Guthabenkarten-Besitzer einführen: Sie können dann, wie die Vertragskunden, überall im Ausland telefonieren, ohne sich vorher anmelden zu müssen.



Weltweit vereinheitlichen will Vodafone allerdings die Marke. Im Sommer will das Unternehmen eine weltweite Marketingkampagne für den Namen Vodafone starten, der im zweiten Halbjahr 2002 die lokalen Marken wie D2 verdrängen soll.



Den Start der neuen Mobilfunktechnik UMTS plant Vodafone für die zweite Jahreshälfte 2002. "Wir wollen möglichst früh möglichst viele Kunden mit UMTS-Handys versorgen können", sagt Geitner. Allerdings gebe es bereits erste Ankündigungen der Handy-Hersteller, die darauf hinweisen, dass der Termin nicht zu halten sein wird.



"Es ist nicht so sehr die Frage, ob M-Commerce kommt, sondern eher, wie schnell die neuen Dienste angenommen werden", meint Geitner. Vodafone geht in der Planung davon aus, dass im Jahr 2004 knapp ein Viertel des Umsatzes mit Datendiensten erzielt wird. Heute betrage der Daten-Umsatz mit SMS-Nachrichten durchschnittlich 9,5% vom Umsatz, in Deutschland liege er sogar bei 16 %. "Die wichtigste Voraussetzung für M-Commerce ist ein sicheres Zahlungssystem. Ein solches werden wir im Herbst mit unserem Produkt E-Wallet einführen."



Verzögerungen beim UMTS-Netzstart könnten sich aus dem Problem ergeben, ausreichend neue Standorte für die Antennen zu finden. "Es wäre ein falsches Zeichen, wenn der Staat 100 Milliarden DM für die UMTS-Lizenzen kassiert, und dann die Grenzwerte für die Abstrahlung verschärft", mahnt Geitner die Bundesregierung. Es gebe keine einzige Untersuchung, die Gesundheitsschäden in Zusammenhang mit Mobilfunkstrahlen bringe.



Zurückhaltend reagiert Geitner auf die Forderungen kleinerer Netzbetreiber, die UMTS-Netze gemeinsam zu bauen, um Kosten zu sparen. "Was wir bereits machen, ist die gemeinsame Nutzung von Antennenmasten und Gebäuden." Bei den Sendeanlagen jedoch sei dies ein klarer Verstoß gegen die Lizenzbedingungen. Große Netzbetreiber wie D2 bräuchten zudem die Kapazität für die eigenen Kunden.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%