Vorstand tritt überraschend zurück
Manager-Schwund bei Sun Microsystems

Edward Zander, der für das operative Geschäft zuständige Vorstand beim Serverhersteller Sun Microsystems hat überraschend seinen Rücktritt für Ende Juni angekündigt.

siri SAN FRANCISCO. Zander, der seit mehr als 15 Jahre für Sun arbeitet, galt hinter Vorstandschef Scott McNealy als zweiter Mann im Unternehmen.

Sun-Chef Scott McNealy will den Posten nicht neu besetzen, sondern die Aufgaben von Zander künftig selbst übernehmen. "Wir können Eddie nur für seine großartigen Anstrengungen in all den Jahren danken", sagte McNealy in einer Telefonkonferenz. Während der Rücktritt für Analysten und Investoren überraschend kam, erklärte Zander selbst, dass er ihn bereits seit einem Jahr geplant habe: "Ich wollte Sun aber noch durch ein schwieriges Jahr helfen."

Tatsächlich sieht es für Sun nicht eben rosig aus: Der Rücktritt von Zander ist der jüngste in einer Reihe von Rücktritten und Umbesetzungen im Management. Erst in der vergangenen Woche hatte Finanzvorstand Michael Lehman angekündigt, bis zum 1. Juli sein Amt niederlegen zu wollen. Ebenfalls zurückgetreten ist John Schoemaker, der für den Geschäftsbereich Computersysteme zuständig war, sowie Larry Hambly, der den Geschäftsbereich Dienstleistung führte. Unterdessen wurde Jonathan Schwarz, bisher Chef-Stratege bei Sun, zum Chef für die Softwareaktivitäten bei dem Unternehmen benannt.

Die Rücktritte kommen in einer schwierigen Zeit für Sun: Der Konzern steht im Servergeschäft unter Druck. Im dritten Quartal sank der Umsatz um fast ein Viertel, das Unternehmen schrieb einen Verlust von 36 Mill. $. In den nächsten neun Monaten will Sun 1000 Mitarbeiter entlassen.

Der Computerhersteller hat angekündigt, den Serverhersteller noch aggressiver als bisher anzugehen. Und auch der Chiphersteller Intel hat eine Marketing-Kampagne gestartet, die sich direkt an die Kunden von Sun richtet. Auf einer Analysten-Konferenz im kalifornischen San Jose brüstete sich Intel jüngst damit, im vergangenen Jahr Intel-Ausrüstung im Wert von 1,5 Mrd. $ an Sun-Kunden verkauft zu haben. In diesem Jahr will Intel diese Summe verdoppeln.

Unterdessen hat der Serverhersteller Sun wiederholt angekündigt, sich stärker auf das lukrativere Softwaregeschäft konzentrieren zu wollen. In der kommenden Woche will Sun Microsystems eine neue Softwareplattform vorstellen, die Branchenexperten zufolge direkt mit Microsofts ".Net-Initiative" konkurrieren soll.

Die Börse reagierte negativ auf die Neuigkeiten von Zanders Rücktritt - der Kurs von Sun verlor am Mittwoch zwischenzeitlich rund 13 %. Unterdessen stufte das Investmenthaus Bear Stearns die Sun-Aktie von "Kaufen" auf "Neutral" zurück. Analyst Andrew Neff: "Nach Zanders Kündigung machen wir uns Sorgen darüber, was wirklich bei Sun passiert".

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