Vorstand tritt überraschend zurück: Merck enttäuscht mit schwachem Ausblick

Vorstand tritt überraschend zurück
Merck enttäuscht mit schwachem Ausblick

Nachahmerkonkurrenz zum Diabetesmittel Glucophage und ein schwacher Dollar haben dem Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck KGaA trotz starkem Schlussquartal im Gesamtjahr 2002 einen kräftigen Gewinnrückgang beschert. Für das Geschäft in diesem Jahr gab sich Merck-Chef Bernhard Scheuble noch eher zurückhaltend.

Reuters FRANKFURT. Im laufenden Jahr will Merck das Vorjahresniveau halten, sofern der Euro nicht weiter stark steigt. Außerdem kündigte Merck den unerwarteten Rücktritt von Vorstand Matthew Emmens an.

"Wir erwarten, dass der Umsatz und der operative Gewinn auf demselben Niveau liegen wird wie vergangenes Jahr", sagte Konzernchef Bernhard Scheuble am Dienstag zu Reuters. Merck werde wohl weiterhin negative Währungseffekte sehen. "Und das ist der Grund, warum wir einen Umsatz auf Vorjahresniveau prognostizieren", erläuterte Scheuble. Merck leidet derzeit unter dem Kursanstieg des Euro zum Dollar und der Nachahmerkonkurrenz bei seinem vormals stärksten Umsatzbringer, dem Diabetes-Mittel Glucophage. Rund 36 Prozent der Erlöse erzielten die Darmstädter 2002 in Nordamerika.

Analysten zeigten sich enttäuscht über den Ausblick, die im MDax notierte Aktie verlor bis zum Nachmittag 9,44 Prozent auf 24,93 Euro.

Im Pharmabereich sei für dieses Jahr damit zu rechnen, dass der Beitrag zum operativen Ergebnis des Konzerns weiter abnehme. Grund seien hohe Forschungsausgaben, die stärker als der Umsatz zunehmen würden. "Im laufenden Jahr wird sicherlich das eigene Generika-Geschäft die Hauptstütze sein", sagte Scheuble. Bei den Diabetes-Mitteln aus der Glucophage-Familie erwartet der Konzernchef für dieses Jahr eine Umsatzerholung. Im vierten Quartal waren die Umsätze der Diabetes-Produkte noch um 88 Prozent gefallen. Für seine Chemiesparte prognostizierte Merck, auch wegen des starken Geschäfts mit Flüssigkristallen, für 2003 eine stabile Geschäftsentwicklung. Die Darmstädter sind nach eigenen Angaben Weltmarktführer für Flüssigkristalle, die unter anderem in Flachbildschirmen oder Notebooks zum Einsatz kommen.

Große Akquisitionen seien in nächster Zeit nicht zu erwarten, sagte Scheuble, der zudem den plötzlichen Rücktritt seines Vorstands Matthew Emmens ankündigte. Der 1951 geborene Amerikaner war zuvor für das ethische Pharmageschäft mit Originalpräparaten bei Merck verantwortlich. Das ethische Pharmageschäft machte 2002 rund 55 Prozent des gesamten Pharmaumsatzes aus. Emmens Rücktritt sei vor allem aus persönlichen Gründen erfolgt, sagte Scheuble. Aber auch das politische Klima für Amerikaner in Deutschland habe eine Rolle gespielt.

Im Schlussquartal legte nach Unternehmensangaben der operative Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 31,4 Prozent auf 148,9 Millionen Euro zu. Analysten hatten nach einer Reuters-Umfrage im Schnitt mit 154 Millionen Euro gerechnet. Im Gesamtjahr brach allerdings der operative Gewinn um 29,7 Prozent auf 616 Millionen Euro ein. Seinen Aktionären stellte Merck für 2002 dennoch eine um fünf Prozent auf einen Euro erhöhte Dividende in Aussicht. Der Konzernumsatz nahm den Angaben zufolge im Vorjahresvergleich um 0,7 Prozent auf 7,473 Milliarden Euro leicht ab. Im vierten Quartal lag der Umsatz mit 1,844 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau.

Analysten sprachen von insgesamt soliden Zahlen, äußerten sich aber enttäuscht über den Ausblick. Nach Einschätzung von Peter Düllmann, Pharma-Analyst beim Bankhaus Sal. Oppenheim, haben die Zahlen für keine große Überraschung gesorgt. Angesichts einer zu erwartenden Erholung bei Glucophage und zusätzlicher Einnahmen aus dem Schwarz-Pharma-Magenmittel Omeprazol habe er aber mit einem etwas stärkeren Ausblick gerechnet. Bei der WestLB Panmure hieß es, der Ausblick sei deutlich unter den Erwartungen geblieben. Das Bankhaus stufte die Merck-Aktie auf "Sell" von zuvor "Underperform" herab.

Seit Frühjahr 2002 sind in den USA Glucophage-Generika auf dem Markt und seitdem sind die Umsätze mit dem Diabetes-Mittel drastisch gesunken. Neue Medikamente aus den Labors der noch jungen Krebssparte, die einmal den Umsatzausfall ausgleichen sollen, haben noch nicht die Marktreife erlangt. Über den Entwicklungsstand des Krebsmittels Cetuximab, das 2004 in Europa auf den Markt kommen soll, will Merck Näheres im März sagen.

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