Vorstand und Aufsichtsrat wurden "ausgebuht"
Berlin Hyp: Geschäftslage weiter angespannt

Die Berlin Hyp rechnet nach dem schwersten Jahr ihrer Geschichte auch 2001 mit einer angespannten Geschäftslage. Bei der Tochter der Berliner Bankgesellschaft sei wegen weiterer Einbrüche am Immobilienmarkt sowie Belastungen durch die begonnene Umstrukturierung nicht mit einer Dividende zu rechnen, sagte Vorstandsmitglied Heinz Gottschalk am Dienstag auf der Hauptversammlung in Hannover. Es werde drei bis fünf Jahre dauern, bis die Sanierung greifen werde, ergänzte sein Kollege Dirk Hoffmann.

dpa HANNOVER/BERLIN. Aktionäre hatten Vorstand und Aufsichtsrat mit "Buh"-Rufen empfangen. Sie hätten die Warnzeichen auf dem Immobilienmarkt jahrelang nicht beachtet, kritisierte ein Kleinaktionärssprecher. "Ich war seit 1948 Kundin der Bank. Durch das Missmanagement habe ich einen Großteil meiner Altersvorsorge verloren", klagte eine Mittelständlerin. Das Gros der Berlin Hyp-Aktien liegt allerdings mit 87 % bei der Bankgesellschaft Berlin, weitere 10 % hat die Norddeutsche Landesbank (Hannover).

Gottschalk räumte Fehler der Bank unter anderem bei der Bearbeitung von Krediten und "nicht immer zutreffender Datenlage" ein. "Verantwortlich für den Verlust waren vor allem eine Fehlbewertung des Marktes in den neuen Bundesländern sowie interne Schlampereien bei der Risikovorsorge." So seien Engagements eingegangen worden, "die man aus heutiger Sicht besser nicht in den Büchern hätte".

Durch riskante Immobilien- und Kreditgeschäfte hatte die Berlin Hyp für 2000 eine Risikovorsorge von mehr als 1 Mrd. DM vornehmen müssen. Deshalb wurde eine Kapitalerhöhung von 458 Mill. Euro (knapp 896 Mio DM) nötig, die am Abend von 99,99 % des vertretenen Kapital gebilligt wurde. Damit soll das Kernkapital auf 663 Mill. Euro erhöht werden. Inklusive Mitteln aus nachrangigen Darlehen und Genussscheinen werde das haftende Eigenkapital 1,195 Mrd. Euro betragen. "Ihre Aktien will doch heute schon keiner mehr haben", kritisierte ein Anleger das Konzept.

Wie schon auf der Hauptversammlung des Berliner Mutterhauses zog der Vorstand seinen Antrag auf Entlastung zurück. Darüber solle erst entschieden werden, wenn weitere Ermittlungsergebnisse vorlägen, sagte Gottschalk. Sein Kollege Hoffmann sagte, er sehe für das gegen ihn eingeleitete Ermittlungsverfahren der Berliner Staatsanwaltschaft "keine Grundlage". Dagegen wurde der Aufsichtsrat von der Hauptversammlung entlastet. Außerdem wurde der Aufsichtsrat in vorgeschlagener Zusammensetzung gewählt. An der Spitze steht wie bisher Wolfgang Rupf.

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