Vorstand verhandelt mit Investoren
WCM braucht noch mehr Kapital

Auf Druck möglicher neuer Investoren muss die Beteiligungsgesellschaft WCM ihr Kapital noch höher aufstocken, als bisher geplant. WCM ließ am Mittwoch auf der Hauptversammlung überraschend den Plan fallen, sich von den Aktionären die Möglichkeit einer Kapitalerhöhung von bis zu gut 144 Millionen Euro einräumen zu lassen. Statt dessen wolle das Unternehmen von einer außerordentlichen Hauptversammlung in den kommenden Monaten das Kapital direkt aufstocken lassen, sagte Firmenchef Roland Flach bei der Aktionärsversammlung in Frankfurt.

Reuters FRANKFURT. Die Aktionäre von WCM gingen mit dem Vorstand der Gesellschaft hart ins Gericht und forderten unter anderem dazu auf, die Unternehmensführung nicht zu entlasten. Grund sind die massiven Verluste des Beteiligungs- und Immobilienkonzerns im vergangenen Jahr vor allem infolge von Wertberichtigungen bei den Firmenbeteiligungen. Heftige Kritik äußerten Aktionäre am Festhalten der WCM am Engagement bei der Commerzbank in Höhe von 5,5 Prozent.

Der Aktienkurs der WCM AG büßte am Mittwoch zeitweise über sieben Prozent ein. Am Mittag notierte das Papier noch mit knapp drei Prozent im Minus bei 1,95 Euro.

Konkrete Verhandlungen mit Investoren

WCM ist auf der Suche nach neuen Investoren, da der bisherige Großaktionär Karl Ehlerding seinen Anteil an dem Unternehmen reduzieren muss, um Bankschulden zu begleichen. Ehlerding und dessen Familienangehörige halten nach früheren Angaben noch mehr als 40 Prozent an der Gesellschaft. Flach sagte vor den Aktionären, Vorstand und Aufsichtsrat täten "alles Mögliche", um neue Investoren ins Boot zu holen und führten darüber auch bereits konkrete Gespräche.

Die an einem Einstig interessierten Investoren forderten nun jedoch eine höhere Aufstockung des Kapitals von WCM, sagte eine Firmensprecherin. Ein genehmigtes Kapital - wie es sich die WCM am Mittwoch eigentlich einräumen lassen wollte - darf sich maximal auf die Hälfte des Grundkapitals und somit im Falle WCM auf gut 144 Millionen Euro belaufen. Bis spätestens Ende des dritten Quartals solle nun jedoch eine außerordentliche Hauptversammlung direkt über eine Kapitalerhöhung abstimmen, die in ihrer Höhe nicht begrenzt sei, sagte die Sprecherin weiter. Zum Umfang der Maßnahme sowie den Investoren wollte sie keine Angaben machen.

WCM-Chef Flach hatte in seiner Rede vor den Aktionären noch die Bedeutung sowohl der geplanten Kapitalmaßnahmen als auch der neuer Investoren betont. Die Gespräche mit den Investoren "bedingtem in jedem Fall, dass dem Unternehmen insgesamt erhebliche neue Mittel zugeführt werden", hieß es im Redetext des Vorstandsvorsitzenden. Ursprünglich hatte sich die WCM bereits kommende Woche zu Kapitalmaßnahmen äußern wollen.

Aktionäre verlangen Sondengutachten zu Commerzbank-Anteil

Die Aktionäre machten auf der Hauptversammlung ihrem Unmut über den Vorjahresverlust von 828 Millionen Euro, den Einbruch des Aktienkurses sowie über die hohen Wertberichtigungen auf das Beteiligungsportfolio Luft. "Das hier ist eine einzige, bodenlose Enttäuschung", sagte ein Kleinaktionär, der ebenso wie andere Redner dazu aufrief, Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten. Kritische Frage wurden auch zu angeblich manipulierten Aktienanalysen und gezielten Spekulationen gegen den WCM-Kurs durch Börsenspekulanten gestellt.

Im Visier der Aktionärskritik stand insbesondere das Festhalten der WCM am 5,5-prozentigen Commerzbank-Anteil, der im vergangenen Jahr massiv wertberichtigt werden musste und damit erheblich zum Geschäftsverlust beigetragen hatte. Einige Aktionärsvertreter forderten ein Sondergutachten zur Werthaltigkeit des Engagaments. Flach betonte jedoch abermals, an der Commerzbank-Beteiliung festhalten zu wollen.

Der WCM-Chef räumte ein, dass 2002 ein schlechtes Geschäftsjahr für die Gesellschaft und ihre Aktionäre gewesen sei, verwies aber zugleich darauf, das dies vor allem aus der Börsentalfahrt resultierte. "Vorstand und Aufsichtsrat kämpfen um eine wesentliche Verbesserung von Aktie und Unternehmen", betonte er. Die WCM arbeite nun an einer "Stabilisierung ihrer Substanz" und plane unter anderem die Veräußerung von Beteiligungen und Immobilien.

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