Vorstandsbezüge
Kommentar: Transparenz tut Not

Deutschlands Top-Manager tun sich schwer mit der Transparenz. Seit gut einem Jahr gibt es nun den "Deutschen Corporate Governance Kodex".

DÜSSELDORF. Darin wird der Führungselite in großen Konzernen nahe gelegt, die individuellen Bezüge der Vorstandsmitglieder zu veröffentlichen. Doch der Kodex, den eine Kommission unter Führung des ehemaligen Thyssen-Krupp-Chefs Gerhard Cromme ausgearbeitet hat, enthält in Sachen Gehältern nur eine "Kann-Bestimmung": Die Vorstände können ihre Bezüge veröffentlichen, sie müssen nicht.

In den Konzernen ist die Bereitschaft zur individuellen Veröffentlichung bislang schwach ausgeprägt - lediglich bei sieben Unternehmen aus dem Dax 30 lassen sich die Vorstände in die Taschen schauen. Schon wird der Ruf laut nach gesetzlichen Bestimmungen.

Für die Aktionäre ist diese Bilanz nach einem Jahr Cromme-Kodex alles andere als erfreulich. Cromme war angetreten, für mehr Transparenz und Durchschaubarkeit in den Unternehmen zu sorgen. Aktionäre müssen wissen, was mit ihrem Geld passiert - und dazu gehören eben auch die Gehälter.

Dahinter steht kein "Neidkomplex" der Aktionäre, die den Top-Vorständen das Geld streitig machen wollen. Zu wirtschaftlichen Boomzeiten hat es jedoch den einen oder anderen Exzess auf den Gehaltszetteln gegeben. Dass diese Auswüchse Aktionäre vorsichtiger werden ließen, dürfte nicht überraschen - Kontrolle ist einfach besser.

Zumal das Vergütungsverfahren in deutschen Konzernen alles andere als transparent und durchschaubar ist. Meist entscheidet ein kleiner Zirkel im Aufsichtsrat darüber, was die Top-Leute bekommen. Damit unterscheiden sich die großen Konzerne kaum vom mittelständischen Unternehmen, wo der Firmenpatriarch das Sagen hat - obwohl sie als Publikumsgesellschaften einer viel stärkeren Offenlegungspflicht unterliegen.

Dass sich nur wenige Vorstände in die Karten sehen lassen, muss allerdings nicht gleich wieder den Gesetzgeber auf den Plan rufen. Deutschland hat schon genug Gesetze, deshalb sollten bei der Veröffentlichung von Vorstandsgehältern die Regeln des Marktes ausreichen. Institutionelle Anleger und andere wichtige Großaktionäre müssen ihren Druck auf die Unternehmen erhöhen, damit dort mehr Transparenz einzieht.

Wenn dann immer noch nichts passiert, gibt es die "Abstimmung mit den Füßen": Man investiert dort, wo man besser informiert wird. Und im Zweifel könnten das US-Unternehmen sein, die überhaupt keine Probleme mit der Veröffentlichung individueller Vorstandsbezüge haben.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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