Vorstandschef Bernd Fahrholz kündigt tiefe Einschnitte an
Dresdner Bank muss sparen, sparen, sparen

Die Dresdner Bank steht vor einer radikalen Schrumpfkur. Vor allem im verlustträchtigen Investmentbanking werden Stellen gestrichen. Zudem wird die Konzernzentrale in Frankfurt an Einfluss verlieren. Mit dem Sparkurs will die Bank die Kosten um weitere 700 Millionen Euro jährlich drücken.

pot FRANKFURT/M. Die Allianz hat ihrer Tochtergesellschaft Dresdner Bank einen radikalen Sparkurs verordnet. Dresdner-Vorstandschef Bernd Fahrholz kündigte gestern den Abbau von bis zu 3000 weiteren Stellen an. Betroffen sind vor allem das defizitäre Geschäftsfeld Firmenkunden und Investmentbanking (Corporate & Markets) sowie die Konzernzentrale.

Ein Teil des Stellenabbaus könnte möglicherweise über Teilzeitbeschäftigung abgefedert werden, sagte Fahrholz weiter. Er schloss auch betriebsbedingte Kündigungen nicht aus, die es bisher nicht gegeben hat. In den vergangenen beiden Jahren hatte die Dresdner, die derzeit knapp 51 000 Mitarbeiter beschäftigt, bereits den Abbau von 8 000 Stellen angekündigt.

Der Dresdner-Chef räumte ein, dass es sich um "tiefe Einschnitte in die Struktur der Bank handelt". Die Konzernzentrale in Frankfurt soll massiv verschlankt werden. Ein Teil ihrer Funktionen wird in die Allianz-Zentrale nach München verlegt. Andere Aufgaben werden bei den beiden großen Geschäftsbereichen der Bank, Corporates & Markets sowie Privat- und Geschäftskunden, angesiedelt. Damit erhalten diese mehr Eigenverantwortung. Zugleich aber dürfte die Konzernzentrale mit zur Zeit 2 600 Beschäftigten innerhalb der Allianz-Gruppe deutlich an Gewicht verlieren. Der Münchener Versicherungsriese hatte die Dresdner Bank für rund 26 Mrd. Euro übernommen mit dem Ziel, einen integrierten Finanzdienstleistungskonzern zu schmieden.

Der dickste Brocken des Stellenabbaus wird jedoch im Bereich Corporate & Markets mit zur Zeit 12 000 Mitarbeitern liegen. Dazu zählt neben dem Firmenkundengeschäft vor allem die Investmentbank-Tochter Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW), die als das größte Sorgenkind der Bank gilt. Allein im ersten Quartal fuhr Corporate & Markets einen Verlust von 126 Mill. Euro ein. In Finanzkreisen kursieren Gerüchte über angeblich noch höhere Verluste im zweiten Quartal. Zahlen nannte Fahrholz gestern nicht. Allerdings hatte die Allianz am Dienstag Abend erklärt, dass das Bankgeschäft unter sinkenden Erträgen und Abschreibungen im Investmentportfolio leide. Neben der schlechten Lage an den Kapitalmärkten lastet auf der Dresdner ihr Kredit-Engagement bei diversen insolventen Unternehmen sowie die Krise in Lateinamerika.

"Keine Änderung des Geschäftsmodells"

Die Verkleinerung der Konzernzentrale könnte Spekulationen nähren, dass die Schaltzentrale der Dresdner Bank irgendwann völlig abgeschafft wird und die beiden Geschäftsbereiche in den Allianz-Konzern eingeliedert werden. Allerdings hatte Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle derartigen Gedankenspielen vor einigen Tagen gegenüber dem Handelsblatt eine klare Absage erteilt. Auch Fahrholz betonte gestern, mit den Sparschritten sei "keine Änderung des Geschäftsmodells" verbunden. Mit Blick auf das Investmentbanking sagte er, es stünden keine Geschäftsbereiche zu Disposition. Damit reagierte er auf anhaltende Spekulationen, die Allianz werde diesen Bereich eventuell verkaufen. Nach Ansicht von Carsten Zielke, Analyst bei WestLB Panmure, ist mit dem Schrumpfkurs im Investmentbanking aber ein Strategiewechsel verbunden. Die jetzt abgebauten Ressourcen in diesem Bereich würden auch dann nicht wieder aufgebaut, wenn sich die Kapitalmärkte besser entwickelten. Damit bewege sich die Dresdner Bank "weg von einer international ausgestellten Bank zu einer regionalen Privat- und Geschäftskundenbank." Dies sei begrüßenswert, weil es besser zum Allfinanzkonzept der Allianz passe.

Ferner will die Bank das Kreditgeschäft außerhalb Europas rasch aufgeben. Bereits seit zwei Jahren hat sie ihr Engagement insbesondere in den USA sukzessive verkleinert. Die noch bestehenden Kredite sollen künftig als eigenständiges Profitcenter geführt und abgewickelt werden. Auf diese Weise werden bis zu 3 Mrd. Euro Risikokapital frei, die anschließend in anderen Bereichen des Allianz-Konzerns eingesetzt werden können.

Von dem neuerlichen Stellenabbau verspricht sich das Management Kostensenkungen von 600 bis 700 Mill. Euro. Bisher hatte die Bank ein Potenzial von 1,3 Mrd. Euro jährlich anvisiert. Mit dem jetzt angepeilten Volumen von insgesamt knapp 2 Mrd. Euro, das größtenteils im kommenden Jahr greifen soll, gibt sich Fahrholz ein ebenso ehrgeiziges Ziel vor wie Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der die Kosten in seinem Institut ebenfalls um 2 Mrd. Euro drücken will.

Zunächst einmal verursacht das Sparprogramm aber einmalige Belastungen. Diese hätten sich bei früheren Gelegenheiten in etwa auf 30 % der jährlichen Kostensenkungen belaufen, erläuterte Fahrholz. Dementsprechend müsste die Bank jetzt Einmalaufwendungen von 800 bis 900 Mill. Euro verbuchen, die in diesem Jahr in die Bilanz einfließen sollen.

Quelle: Handelsblatt

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