Vorstandschef der Bankgesellschaft Berlin sieht erste Erfolge
Schwieriger Sanierungskurs im Haifischbecken

Nur mit einer Mega-Bürgschaft des Landes konnte der Berliner Bankkonzern vor der Pleite bewahrt werden. Die neue Führungsriege fährt einen harten Sanierungskurs und muss das Risiko-Management verbessern. Jetzt ist erster Gegenwind spürbar - auch von Kaufinteressenten, die den Preis drücken wollen.

HB BERLIN. Während das Bietergefecht um die Bankgesellschaft Berlin (BGB) in die heiße Phase tritt, zeigt sich der als Sanierer angetretene Vorstandsvorsitzende Hans-Jörg Vetter in aufgeräumter Stimmung. "Wir bewegen uns in die richtige Richtung", lautet sein Fazit nach zehnmonatiger Amtszeit.

Derzeit präsentiert sich das Institut auf einer europaweiten Roadshow potenziellen Anlegern. "Wir können das Vertrauen des Marktes nicht über Nacht wieder herstellen", beschreibt Vetter in einem Gespräch mit dem Handelsblatt seine Erfahrung. Das verwundert nicht weiter nach der Fast-Pleite des Instituts, das nur durch eine Kapitalspritze des Landes und eine 21,6 Mrd. Euro umfassende Bürgschaft für das Immobiliendienstleistungsgeschäft überlebte.

Gleichwohl stellt Vetter bereits eine Verbesserung im Vergleich zu den vergangenen Monaten fest, auch wenn sich die Landesbürgschaft noch nicht in einem besseren Rating niedergeschlagen hat. Für die im April platzierte Anleihe über 1,5 Mrd. Euro habe man auskömmliche Konditionen erhalten, bemerkt Vetter.

Allerdings hat die internationale Ratingagentur Moody's am Freitag den langfristigen Kreditausblick der Bankgesellschaft Berlin und deren Tochter Landesbank Berlin auf "negativ" von zuvor "stabil" heruntergestuft. Der negative Ausblick spiegele die gestiegene Wahrscheinlichkeit wieder, dass die Landesbank Berlin an einen privaten Bieter verkauft werde, teilte Moody's mit. Das Land Berlin als Mehrheitsaktionär hatte am Donnerstag beschlossen, künftig nur noch mit den beiden US-Investorengruppen BGB Capital Partners und Lone Star über einen Kauf der Bankgesellschaft zu reden. Nach wie vor gelte die Zielsetzung, den operativen Verlust 2002 im Vergleich zum Vorjahr mindestens zu halbieren, sagt Vetter. Ein wesentlicher Bestandteil ist dabei die Verringerung der Sach- und Personalkosten. Bis zum Jahresende soll der Abbau von insgesamt 2 000 Arbeitsplätzen vertraglich gesichert sein. Bislang wurden rund 1 800 Auflösungsverträge geschlossen, davon 1 450 allein mit Wirkung zum Jahresende.

Verringerung der Arbeitsplätze


Ob sich innerhalb des Sanierungszeitraums bis 2005 die Zahl der 300 betriebsbedingten Kündigungen weiter erhöhen wird, vermag der Konzernvorstand zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu sagen. Im Sanierungskonzept ist die Verringerung von 4 000 Arbeitsplätzen bis zum Jahr 2005 vorgesehen. Brüssel muss den Plan noch absegnen. Kaum lagen die Halbjahresergebnisse vor, machte Vetter Bekanntschaft mit dem Berliner "Haifischbecken" - einer Gemengelage verschiedenster, teilweise gegenläufiger Interessen: Die Landespolitik will die BGB möglichst günstig los werden, Kaufinteressenten wollen möglichst wenig zahlen, Ex-Mitarbeiter sinnen auf Rache und eine Bürgerinitiative macht allein die Bankgesellschaft für die Haushaltsprobleme des Landes verantwortlich. Vetter ist angetreten, die an der Börse notierte Bank, die zu 81% dem Land Berlin gehört, zu sanieren und zu modernisieren - trotz allen Gegenwinds.

Einer der Vorwürfe, die aus dem Umkreis der Bank und von Kaufinteresswenten gestreut worden sein soll, lautete, die Halbjahresbilanz sei geschönt, da Risiken nicht ausreichend berücksichtigt seien. Was ausgerechnet die neue Konzernführung für ein Motiv haben könnte, Risiken zu unterschlagen, will Vetter nicht einleuchten. "Wir sind bei der Bewertung unserer Risiken bewusst konservativ vorgegangen", sagt der Schwabe. Erläutert wird dies am Beispiel der Immobilienfinanzierung. Mitte 2001 sei ein Immobilien-Kreditvolumen von 14 Mrd. Euro als nicht von Ratingagenturen bewertet oder hoch risikoreich identifiziert worden. Dieses Risikovolumen habe sich mittlerweile auf 5,3 Mrd. Euro reduziert. Dieser Größenordnung stehe ein Wertberichtigungsvolumen von 2,6 Mrd. Euro gegenüber. "Nach derzeitiger Erkenntnis haben wir eine ausreichende Vorsorge betrieben", urteilt Vetter. Zudem seien keine Blankokredite gewährt worden, sondern durch Grundschuld gedeckte Kredite. Daher hält Vetter die Abdeckungsquote von rund 50% für beachtlich und freut sich überdies, dass "die großen negativen Überraschungen bislang noch nicht eingetroffen sind".

Gleichwohl wurde die Risikovorsorge für das Immobiliengeschäft im Halbjahresergebnis um 121 Mill. Euro (insgesamt im Konzern 231 Mill. Euro) aufgestockt. Davon wurde bisher nur ein Betrag von knapp 100 Mill. Euro verbucht. Kein Grund zum Jubeln, denn erst muss laut Vetter das zweite Halbjahr abgewartet werden, das erfahrungsgemäß stärker belastet ist.

Fortschritte im Derivate-Geschäft


Erhebliche Fortschritte habe das Institut auch im Derivate-Geschäft gemacht, das von Investoren als hoch risikoreich angesehen wird. "Wir sind auf gutem Weg, dieses Geschäft auf Dimensionen zu verringern, die für Landesbanken üblich sind, also dem knapp Dreifachen der Bilanzsumme", sagt Vetter. Noch 2001 habe das Nominalvolumen bei 1,2 Bill. Euro gelegen. "Wir haben diesen Betrag bis jetzt auf ein Volumen von 750 Mrd. Euro verlustfrei zurückgefahren." Erklärtes Ziel sei eine weitere Verringerung um einen dreistelligen Milliardenbetrag innerhalb der kommenden 18 Monate.

Wie lange Vetter noch Gelegenheit hat, sein Sanierungskonzept umzusetzen, ist indes noch nicht klar. Die amerikanische Investmentgesellschaft Lone Star Funds kündigte jüngst an, möglicherweise Vorstandsmitglieder der angeschlagenen Bank auszutauschen, sollte sie für die Bankgesellschaft den Zuschlag erhalten. Vetter sei einer von mehreren Personen, mit denen man reden wolle, um die Bank nach vorne zu bringen. Sollten die Meinungen von Vetter und Lone Star nicht übereinstimmen, könnten beide Seiten einen Wechsel wollen, sagte Lone-Star-Europa-Chef Roger Orf.

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