Vorstandschef der Beiersdorf AG
Rolf Kunisch: Mann mit Prinzipien

Kunisch hat aus Beiersdorf in acht Jahren einen allseits begehrten Markenartikler gemacht. Die Kehrseite des Erfolgs: Nun kämpft er um die Eigenständigkeit des Nivea-Produzenten.

HAMBURG. Hätte er nicht diesen modischen Raspelhaarschnitt, der ältere Herr würde kaum auffallen. Rolf Kunisch, 61, seit acht Jahren Chef des Hamburger Kosmetik- und Heftpflasterherstellers Beiersdorf (Nivea, Hansaplast), steht nicht gern im Rampenlicht. Die große Show, die medienwirksame Präsentation in der Öffentlichkeit, sind nicht seine Sache. Außer, wenn es gerade um sein Lieblingsthema, das Marketing, geht, bevorzugt er die leisen Töne.

Manchmal freilich kann Kunisch richtig aus sich herausgehen. So geschehen auf der letzten Hauptversammlung. Da präsentierte ein selbstbewusster Beiersdorf-Chef seinen Aktionären das neueste Kapitel in der Erfolgsgeschichte des Hamburger Konzerns. Ein Wachstum von 15 Prozent in einem für die Branche schwierigen Jahr hat Beiersdorf 2001 erzielt. Selbst Markenartikelriesen wie L? Oreal, Procter & Gamble, Nestlé oder Unilever konnten da nicht mithalten. Ausgerechnet die aber werden in der Branche als Kaufinteressenten für Beiersdorf gehandelt.

"Die größeren Konkurrenten können uns kaum zu größerem Wachstum verhelfen", bezieht er klare Position. Die eigentlichen Adressaten seiner Botschaft saßen auf dem Podium: die Vertreter der Großaktionäre Herz (30 Prozent) und Allianz (44 Prozent).

Spekulationen schaden dem Unternehmen

Seit die Allianz Verkaufsabsichten hegt, ist für Kunisch die Welt in Unordnung. "Die Spekulationen schaden unserem Unternehmen und verunsichern unsere Mitarbeiter", beklagte er sich jüngst in einem Interview. "Ich kann nicht behaupten, dass mich das Ganze völlig kalt lässt."

Dabei hat Kunisch seit elf Jahren alles getan, um die Hamburger Traditionsfirma zu dem zu machen, was sie heute ist: eines der wertvollsten Kosmetikunternehmen in Europa mit der Weltmarke Nivea. Von Anfang an geplant war diese Karriere indes nicht. Eher zufällig wurde Kunisch, der während seines Wirtschaftsingenieurstudiums ein Praktikum in der Waffenschmiede Henschel in Kassel absolvierte, kein Manager in der Rüstungsindustrie. Auch der Einstieg in eine wissenschaftliche Laufbahn klappte nicht, weil an der Uni Köln gerade Aufnahmesperre für Doktoranden herrschte. Also bewarb er sich 1968 auf eine Stellenanzeige und begann für 1450 Mark im Monat bei Procter & Gamble.

22 glückliche Jahre

Der Start beim US-Waschmittelriesen "was the beginning of 22 happy years" - war der Anfang von 22 glücklichen Jahren - flachst der stämmige Mann und blickt vergnügt über seine Halbbrille. Für Procter verkaufte er fortan Ariel und Oil of Olaz, Pampers oder Lenor, und in dieser Zeit hat er alle drei Jahre die Funktion und meist auch den Wohnort gewechselt.

Der Ruf von Beiersdorf, der ihn dann 1991 ereilte, löste einen Kulturschock aus - allerdings weniger bei Kunisch als bei den Beiersdorfern. Die Vorstellung, da ziehe jetzt ein knallharter, emotionsloser Manager eines US-Konzerns in ihren Vorstand ein, ließ die Belegschaft Schaudern. "Ich bin damals schon auf eine Menge Skepsis gestoßen", erinnert sich Kunisch.

Und er tat nichts, um die Bedenken zu zerstreuen. Die von ihm geleitete Sparte Kosmetika nahm er gleich mit dem Ziel einer Umsatzverdoppelung innerhalb von acht Jahren in die Pflicht. Erreicht wurde die Vorgabe ein Jahr früher als geplant.

Starke Marken werden stärker

Keine Prioritäten zu setzen betrachtet Kunisch als reine Zeitverschwendung. Die Entwicklung einer Zweitmarke neben Nivea stoppte er deshalb kurzerhand. "Starke Marken werden stärker", lautet sein Credo. Folgerichtig richtete er den Konzern auf neun starke Marken aus. Er duldet keinen Regelverstoß. Eine pinkfarbene Nivea-Dose liegt als abschreckendes Beispiel in seinem spartanisch eingerichteten Büro. Lediglich die Umsetzung der Markenstrategie in den einzelnen Ländern überlässt er dem lokalen Management.

Kunischs Erfolgsbilanz kann sich wahrlich sehen lassen. "Wir werden an der Börse mit knapp elf Milliarden Euro bewertet, und in der Marktkapitalisierung steht Beiersdorf auf Platz 20 in Deutschland", sagt er stolz. Als nächstes will er in den Dax-30-Index aufsteigen. "Zum Nutzen der Mitarbeiter, der Aktionäre und mit der Aussicht auf langfristigen Erfolg", beschwört er die Teilnehmer der Hauptversammlung.

Doch über die Frage, ob Beiersdorf vom Kurszettel verschwindet, entscheiden die Großaktionäre.

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