Vorstandschef der Commerzbank
Klaus-Peter Müller: Der eiserne Sparkommissar

Er hat eine undankbare Aufgabe: Er muss sparen. Für Visionen ist da kaum Platz. Jetzt will Müller mit einem Kirch-Deal das Commerzbank-Image aufpolieren.

FRANKFURT. Welcher Vorstandschef hat sein Büro mit einem Morgenstern dekoriert, einer mittelalterlichen Schlagwaffe mit einer tödlichen Stachelkugel am Ende? In Frankfurt kennen viele Banker die Antwort auf diese Frage: Solch martialischen Schmuck hängt sich der nach außen so jovial wirkende Commerzbankchef Klaus-Peter Müller an die Wand. Das mittelalterliche Accessoire unterstreicht Müllers Selbstverständnis als knallharter Manager: Auf der letzten Hauptversammlung auf sein rigoroses Sparprogramm angesprochen, verwies Müller mit einem ironischen Augenzwinkern auf die mörderische Waffe in seinem Büro.

Mut zu schnellen Entscheidungen und harten Schnitten, mit diesen Tugenden hat Müller vor gut einem Jahr, als er Martin Kohlhaussen als Vorstandssprecher ablöste, für sich geworben. Sparen, sparen, sparen, hieß von Anfang an die Devise für den Neuen an der Spitze. Von Erlösträumen musste sich Müller schnell verabschieden. Seine Rolle ist die des eisernen Controllers und nicht die des Visionärs. Dazu gehört auch der Personalabbau. Jede zehnte der 40 000 Stellen will die Commerzbank streichen.

An der Börse hat die Bank in diesem Jahr die Hälfte ihres Werts verloren, deutlich mehr als die anderen Standardwerte im Dax. Zwar zeigt Müllers Sparprogramm erste Erfolge, doch die Eigenkapitalrendite ist noch weit von den eigenen Vorgaben entfernt. Die großen Probleme der Bank - Verlust in der Vermögensverwaltung, das aufgeblähte Auslandsnetz und die unsichere Aktionärsstruktur - hat er zwar angepackt, gelöst hat er sie aber noch lange nicht.

Da kam Müller der Zusammenbruch des Medienimperiums von Leo Kirch gerade recht, um das angekratzte Image der Bank aufzupolieren. Er wollte die Kirch-Insolvenz nutzen, um die Leistungsfähigkeit seiner oft eher belächelten Investmentbanker unter Beweis zu stellen. Sie sollten den Verkauf von Kirchs 40-Prozent-Beteiligung am Springer Verlag übernehmen - ein sehr komplexer und prestigeträchtiger Deal. Immerhin kamen Müllers Banker sehr weit mit der Transaktion. Doch in letzter Sekunde scheiterten sie am Widerstand der Verlagserbin Friede Springer. Jetzt wird wohl die Deutsche Bank die Springer-Aktien an die Börse bringen.

Doch damit ist der Fall Kirch für Müller noch nicht erledigt. Zusammen mit der Essener Zeitungsgruppe WAZ und dem Hollywoodstudio Columbia Tristar will er sich die Filetstücke der insolventen Kirch-Media sichern, unter anderem die Mehrheit an der TV-Senderfamilie Pro Sieben Sat 1. Aber am vergangenen Montag winkten die Geschäftsführer der WAZ-Gruppe überraschend ab: Das wirtschaftliche Konzept für die Übernahme überzeuge nicht.

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen läuft es in Sachen Kirch anders, als es sich der eher kleine, aber energiegeladene Vorstandschef Müller vorstellt. Für den Mann, der sich bei der Commerzbank ganz nach oben hochgearbeitet hat, ist dies noch lange kein Grund, seine Kirch-Pläne aufzugeben.

Allerdings dürfte Müller, der großen Wert auf absolute Professionalität legt, mit der Entwicklung des Prestigeprojekts alles andere als zufrieden sein. Der oft so locker auftretende Düsseldorfer, der jedes Jahr zu seinem Geburtstag seiner Mutter einen Strauß Rosen schickt, kennt bei Fehlentscheidungen kein Pardon. So musste der im Vorstand für das Verlustgeschäft Asset-Management verantwortliche Heinz Hockmann im vergangenen Oktober gehen. Dafür holte sich Müller zwei junge, ehrgeizige Manager ins Führungsgremium: Mehmet Dalman, 44, bisher Leiter des Kapitalmarktgeschäfts, und Martin Blessing, 38, Ex-Chef der Advance Bank.

Zuletzt schickte der Commerzbank-Chef Bernt Weber, den Chef des Onlinebrokers Comdirect, in die Wüste. Vor allem durch die forsche Expansion in Europa hatten sich die Verluste bei der Tochter aufgetürmt. "Wenn zu entscheiden ist, ob Manager grünes Licht für die falschen Strategien gegeben haben und nicht kompetent genug sind, muss man fragen: Welche Informationen lagen zum Zeitpunkt der Entscheidung vor? Haben sie auf dieser Basis das Richtige getan?" erläutert Müller seine Entscheidungsbasis.

Der verheiratete Vater einer Tochter weiß, dass sich Analysten hinsichtlich der Commerzbank ähnliche Fragen stellen. Zum Beispiel: Was kann das Frankfurter Institut besser als andere? Nach einem Jahr Müller gilt die Commerzbank noch immer als das größte Sorgenkind unter den drei deutschen Großbanken. Aber Klaus-Peter Müller arbeitet weiter hart daran, dass sich das möglichst bald ändert.

Quelle: Handelsblatt

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