Vorstandschef der österreichischen Ersten Bank weiß was er will
Andreas Treichl: Der Sunnyboy mit der klaren Strategie

Unbeirrt von heftiger Kritik hat Andreas Treichl seine Pläne umgesetzt: In nur vier Jahren hat er eine Wiener Regionalbank in die größte Filialbank Zentraleuropas umgewandelt.

WIEN. Andreas Treichl musste sich in den vergangenen Jahren viel Kritik anhören. Er sei ein "Sunny Boy ohne das nötige Durchsetzungsvermögen". Er sei größenwahnsinnig. Und er habe für manche Übernahme zu viel gezahlt. Doch davon ließ sich der Vorstandschef der Wiener Ersten Bank wenig beeindrucken. Der 48-Jährige baute die Bank in schnellen Schritten zu einem Kreditinstitut mit überregionaler Bedeutung in Zentraleuropa aus. Das Ergebnis: ein neuer Rekordjahresüberschuss im Geschäftsjahr 2000.

Vor vier Jahren sah es anders aus. Als Treichl den Chefposten bei der damaligen Ersten Oesterreichischen Spar-Casse übernimmt, steckt die Bank in einer tiefen Krise. Im Übernahmekampf um die Creditanstalt (CA) ist das Institut der Bank Austria unterlegen. Als Verlierer droht ihm das Schicksal einer regionalen Stadtsparkasse mit wenig Perspektive.

Treichl krempelt die Bank um

Mit Treichl kommt die Wende. Er macht nicht nur helle Farben und modische Schnitte im dunkelblauen Nadelstreifen-Einerlei der Bank salonfähig. Der Mann mit dem Wiener Schmäh krempelt die Bank um. Sie soll die Aufgabe des Spitzeninstituts der Sparkassen ausfüllen und sich zu einer "führenden, überregionalen Filialbank in Zentraleuropa" entwickeln.

Als Erstes übernimmt er von der Bank Austria das Sparkassen-Spitzeninstitut Giro-Credit und fusioniert es mit seinem Haus zur Ersten Bank. Dann macht er einen Deal mit den Sparkassen in den österreichischen Landeshauptstädten, die von Wien bis dahin wenig wissen wollen: Er tritt die Filialen an sie ab und erhält dafür Beteiligungen an den Regionalsparkassen. So schafft er einen funktionierenden Sparkassenverbund.

Noch mehr ist die Wiener Bankenszene überrascht, als Treichl zur Aufholjagd in Osteuropa ansetzt. Zunächst, 1999, ist das Filialnetz der Ersten Bank noch klein. Es umfasst nur 45 Zweigstellen der ungarischen Mezöbank. Die Konkurrenten, Raiffeisen und Bank Austria/CA, haben zu diesem Zeitpunkt längst ein dichtes Filialnetz geknüpft.

Doch dann legt Treichl, der schon einmal als Jazzpianist in die Tasten greift, los. Im Sommer 2000 übernimmt er die tschechischen Sparkassen und im Januar 2001 deren slowakische Schwestern. So erreicht er, früher als erwartet, sein Ziel, mit acht Millionen Kunden die größte Filialbank Zentraleuropas zu führen.

Kampflos zum größten Geldinstitut Österreichs

Zum größten Geldinstitut Österreichs steigt die Erste Bank quasi kampflos auf - durch die Übernahme der Bank Austria durch die deutsche Hypo-Vereinsbank (HVB). Treichl ist davon überzeugt, dass sich der Konkurrent zu billig verkauft hat. "Die HVB hat die Bank Austria zum 1,5fachen des Buchwertes gekauft, genauso wie wir die tschechische Cesna Sporitelna. Das ist wirklich erbärmlich für die Bank Austria", spottet er.

Da spielt wohl mit, dass Treichl 1993/94 nicht Vorstandschef der später von der Bank Austria übernommenen Creditanstalt werden durfte, weil eine Kleinigkeit fehlte: ein Parteibuch der SPÖ. Noch dazu war Treichl damals Finanzreferent der bürgerlichen ÖVP.

Auch ein Interessenkonflikt stand dem Karrieresprung im Weg: Sein Vater Heinrich Treichl war von 1970 bis 1981 Vorstandschef der Creditanstalt. Bei der Kandidatenauswahl saß er noch im Aufsichtsrat der Bank.

Ansonsten prägen zwei Kreditinstitute das Berufsleben von Sohn Andreas, der mit einer Designerin verheiratet ist: Erste Bank und Chase Manhattan. Der Volkswirt der Uni Wien startet seine Karriere in der Kreditabteilung der Chase in New York. Über die Chase-Töchter in Brüssel und Athen kommt Treichl 1983 zur Ersten Bank, wo er bis 1986 den Großkundenbereich leitet.

Als sich dem damals 34-Jährigen die Chance bietet, Chef der Chase in Österreich zu werden, greift er zu. Dort bleibt er bis 1993. Ein Jahr später wechselt Treichl in den Vorstand der Ersten Bank und rückt 1997 auf den Chefposten vor.

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