Vorstandschef Fischer will seinem Nachfolger eine besenreine Bilanz übergeben
Axel Springer Verlag droht offenbar 2001 ein Konzernverlust

Die Axel Springer Verlag AG droht offenbar im laufenden Jahr in die Verlustzone zu rutschten. Wie das Handelsblatt aus Kreisen des Springer-Aufsichtsrats erfuhr, dürfte Europas größtes Zeitungs- und Zeitschriftenhaus 2001 einen Fehlbetrag "im unteren zweistelligen Millionenbereich" erwirtschaften, wenn das Ergebnis nicht noch durch außerordentliche Erträge beeinflusst wird.

HB HAMBURG. 2000 war der Gewinn bereits um 30 % auf 98 Mill. Euro geschrumpft. Eine Sprecherin des Unternehmens wollte die Spekulationen zu den Ertragsaussichten nicht kommentieren. Sie verwies darauf, dass der Vorstand noch vor kurzem erklärt habe, dass das Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr nicht das Niveau des Vorjahres erreichen werde. Der Springer-Verlag wird am kommenden Mittwoch seine Halbjahreszahlen vorlegen.

Belastet werde der Ertrag 2001 vor allem durch erhöhte Papierkosten, Abschreibungen auf Investitionen im Zeitungs- und Zeitschriftenbereich sowie Auslandsengagements, hieß es in den Kreisen. Zudem müsse der Medienkonzern die Zahlung einer weiteren Prämie im "zweistelligen DM-Millionenbereich" an den Anfang 2002 ausscheidenden Vorstandsvorsitzenden August Fischer verkraften. Für 2000 habe Fischer bereits rund 18 Mill. DM Prämie erhalten. Auf die Kritik an den hohen Prämienzahlungen hatte Aufsichtsratschef Bernhard Servatius mit dem Hinweis reagiert, dass 2001 die Vorstandsbezüge insgesamt um ein Drittel gekappt würden. Sie lagen im Geschäftsjahr 2000 bei mehr als 36 Mill. DM.

Dass das Zeitungshaus im laufenden Jahr in die Verlustzone rutscht, wird in Verlagskreisen damit begründet, dass der Vorstandsvorsitzende seinem Nachfolger Matthias Döpfner eine besenreine Bilanz übergeben will. Künftige Investitionen soll Döpfner aus dem Verkauf der 11,5-Prozent-Beteiligung an der Kirch-Tochter Pro Sieben Sat. 1 finanzieren. Der Preis für den Anteil ist nach Angaben aus den Kreisen bei 1,5 Mrd. DM festgeschrieben. An der Börse ist die Beteiligung derzeit aber nur gut 500 Mill. DM wert.

Unklar ist, ob angesichts eines drohenden Verlustes 2001 die Dividende bei Springer ausfällt. Der Verlag könnte sie auch aus den Rücklagen zahlen. Für 2000 hatte er eine unveränderte Dividende von 1,43 Euro ausgeschüttet.

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