Vorstandschef Georg Kofler denkt über Börsengang nach – Millioneninvestitionen in Europa
Hot Networks strahlt Zuversicht aus

Die Einkaufssender-Gruppe Hot Networks setzt ihre Expansion mit einem Teleshopping-Kanal für Großbritannien fort. Nächstes Jahr will der Medienkonzern, der mehrheitlich Ex-Kirch-Manager Georg Kofler und Thomas Kirch gehört, seinen Umsatz auf eine Milliarde Mark verdoppeln.

MÜNCHEN. Die Werbeflaute im europäischen Fernsehmarkt lässt den früheren Kirch-Manager Georg Kofler kalt. Der einstige Pionier des werbefinanzierten Fernsehens baut seit Jahren an seinem Teleshoppingkonzern in Europa. Der Vorstandschef und Gesellschafter der in München ansässigen Einkaufssender-Holding Hot Networks AG kommt zusammen mit seinen Partnern Thomas Kirch (Sohn von Leo Kirch) und dem US-Unternehmen Home Shopping Network mit seinen Plänen offenbar gut voran. In London startete nun der bereits fünfte Sender von Home Shopping Europe. Damit attackiert Home Shopping Europe auf dem britischen Markt den Erzrivalen QVC. Die US-Teleshopping-Firma ist der wichtigste Gegner auch im deutschen Markt. Der im März gestartete Einkaufskanal RTL Shop aus Köln hat bislang noch keine Zahlen vorgelegt.

Mittlerweile ist Home Shopping Europe neben Deutschland seit Mai auch in Frankreich, Belgien/Niederlande und Italien auf Kundenfang. Wie Kofler gestern auf den Münchner Medientagen mitteilte, investiert die Hot Networks rund 250 Mill. Euro in die europäische Expansion. Für dieses Jahr erwartet der Konzern konsolidierte Umsatzerlöse von 330 Mill. Euro. Gewinne schreibt die Teleshopping-Kette wegen des kräftigen Wachstums allerdings noch nicht. Die Hot Networks wird für 2001 ein negatives Ebitda (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von 89 Mill. Euro ausweisen. Schwarze Zahlen will Kofler in zwei Jahren vorlegen.

Der frühere Pro-Sieben-Chef war trotz der Krise des TV-Marktes gestern voller Optimismus. Für seine Unternehmensgruppe sagte er bis 2003 einen konsolidierten Umsatz von 745 Mill. Euro und einen Gewinn von 28 Mill. Euro voraus.

Ob die ehrgeizige Expansion über einen baldigen Börsengang finanziert wird, blieb gestern offen. Der 44-jährige Vorstandschef erklärte jedoch: "Ein Börsengang kommt durchaus in Frage, wenn das Marktumfeld stimmt." Wie andere Medienunternehmen auch, hält sich Kofler angesichts der Stimmung gegen Werte aus dem TV-Markt mit konkreten Plänen zurück.

Der gebürtige Südtiroler konzentriert sich derzeit darauf, das viel gescholtene Mitmachfernsehen Neun Live (früher TM 3) neu auszurichten. Der von Christiane zu Salm geleitete Transaktionssender, der sich vor allem aus den Telefonanrufen seiner Zuschauer finanziert, schickte erst am Mittwoch Programmdirektor Falko Lievre in die Wüste. Auch Entwicklungschef Bernd Klepin verlässt Neun Live. Der Mitmachsender wird zusammen mit dem Reiseformat "Sonnenklar" von der Euvia Media AG & Co. KG, München, betrieben. Das Unternehmen gehört jeweils knapp zur Hälfte der Hot Networks und der Kirch-Senderfamilie Pro Sieben Sat 1 Media AG. Kofler kündigte gestern an, nicht nur in Deutschland einen Reisekanal gründen zu wollen, sondern später auch in anderen europäischen Ländern.

Das bisherige Format "Sonnenklar", das auch in regionalen Sendern zu sehen ist, ist die Keimzelle des eigenständigen Reisekanals gleichen Namens, der im Mai 2002 starten soll. Erwartet "Sonnenklar" für 2001 einen Umsatz von 30 Mill. Euro, soll das 24-stündige Urlaubsfernsehen 2003 bereits Reisen im Wert von gut 100 Mill. Euro vermitteln, prognostizierte Kofler.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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