Vorstandschef Gerhard Zeiler rügt die Ausgabenpolitik von ARD und ZDF – „Preise kaputtgemacht“
RTL fordert werbefreie öffentliche Sender

Die RTL-Group, Europas größter Fernsehkonzern, lehnt die von ARD und ZDF geforderte Erhöhung der Rundfunkgebühren ab und fordert einen Verzicht auf Reklame im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

KÖLN. "Eine werbefreie BBC ist ein Vorbild. Deutschland ist groß und reich genug, um sich einen rein öffentlich finanzierten Rundfunk leisten zu können", sagte Gerhard Zeiler, Vorstandschef der RTL-Group und Geschäftsführer von RTL in Deutschland, dem Handelsblatt.

Die weiter rückläufigen Werbeumsätze auf dem deutschen Fernsehmarkt verschärfen seit Monaten den Streit zwischen den privaten Sendern und ARD/ZDF um die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Die privaten Sender stehen derzeit unter Druck. Im ersten Halbjahr gingen die TV-Werbeeinnahmen nach Berechnungen von RTL um 5,5 % zurück. Im Gegenzug fordern ARD und ZDF eine über 10 %ige Erhöhung der monatlichen Grundgebühren auf 18 Euro ab 2005. ARD-Vorsitzender Jobst Plog und ZDF-Intendant Markus Schächter wollen auf die Werbemillionen allerdings nicht verzichten. Das haben die Intendanten in der Vergangenheit immer wieder klar gemacht.

Zeiler, der selbst als früherer Intendant des österreichischen Rundfunks ORF die Situation der Gegenseite gut kennt, hat bisher kaum scharfe Kritik geäußert. Das ist nun aber vorbei. "Bei den bisherigen Forderungen nach einer Gebührenerhöhung durch ARD und ZDF haben wir uns in der Vergangenheit immer sehr zurückgehalten. Zum ersten Mal muss ich bei dieser Runde aber sagen, so kann es nicht weitergehen."

Der Chef des größten Fernseh- und Radiokonzerns in Europa, der zu über 90 % dem Medienkonzern Bertelsmann gehört, hält die Gründe für Gebührenerhöhungen für hausgemacht. Er wirft den öffentlich-rechtlichen Sendern unwirtschaftliches Verhalten vor. "Das Verhalten der ARD beim Erwerb der Fernsehrechte der Fußball-Bundesliga ist ein Ärgernis. Während wir auf Grund geringerer Werbeeinnahmen unsere Hausaufgaben machen müssen - worüber ich mich im Übrigen nicht beklage -, gehen die öffentlich-rechtlichen Sender auf Einkaufstour, und zwar auf Kosten der Gebührenzahler", sagt Zeiler. ARD und ZDF hatten vor zwei Monaten die TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga für 45 Mill. Euro erworben.

Zeiler hält den gezahlten Preis für völlig überzogen. "Ich habe nichts dagegen, dass die Bundesliga bei der ARD läuft. Ich habe jedoch etwas dagegen, wenn die ARD für Rechte unvernünftige Preise zahlt und damit den Wettbewerb verzerrt", kritisiert er und fügt an: "Die ARD agiert auf Kosten der Zwangsgebührenzahler und beschädigt den Markt. So werden die Preise kaputtgemacht."

ARD-Vorsitzender Jobst Plog glaubt, die gezahlte Summe durch Reklame und den Wegfall der an diesem Sendeplatz üblichen Rechtekosten finanzieren zu können. Das hält der Fernsehmanager Zeiler allerdings für illusorisch: "Die Kosten für die Bundesliga kann die ARD nicht über Werbung refinanzieren."

Derzeit laufen sowohl RTL als auch die Senderfamilie Pro Sieben Sat 1 gegen die für 2005 geplante Gebührenerhöhung Sturm. Über eine Erhöhung entscheidet die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) Anfang nächsten Jahres. Politiker wie der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Peer Steinbrück (SPD), oder der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) hatten ein Einfrieren der Gebühren für die nächste Vier-Jahres-Periode gefordert.

Doch an ein Aussetzen glaubt der Fernsehkonzern, zu dem neben RTL auch Beteiligungen an den Sendern RTL 2, Super RTL und Vox gehören, nicht mehr. Zeiler: "Ich wünsche es mir zwar, glaube aber nicht, dass es zu einem Gebührenstopp kommt. Auch wenn ARD und ZDF ein völlig unwirtschaftliches Verhalten an den Tag gelegt haben, wird die Politik dennoch das eine oder das andere für sie tun."

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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