Vorstandschef Gürtler hält weiter nach Akquisitionen Ausschau
Wella nimmt US-Handel ins Visier

Der Kosmetikkonzern Wella nimmt einen neuen Anlauf, den US-Verbrauchermarkt zu erobern. Bereits im nächsten Jahr will Wella, mit eigenen Marken auf dem größten Markt der Welt landen.

HB DARMSTADT. Der Kosmetikkonzern Wella AG , Darmstadt, macht mit der Rückkehr auf den US-Verbrauchermarkt ernst: "Wir peilen an, vom kommenden Jahr an mit unseren eigenen Marken auf den US-Markt zu gehen", sagte Wella-Vorstandschef Heiner Gürtler in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Damit öffnet Wella wieder weit die Tür zum Einzelhandelsgeschäft in den USA. Bisher waren die Darmstädter in den Vereinigten Staaten nur im Profigeschäft sowie im Markt für ethnische Haarpflege vertreten, die sich speziell an Afroamerikaner wendet.

Aus dem Einzelhandelsgeschäft in den USA hatte sich Wella Mitte der 90er Jahre zurückgezogen, da es damals auf absehbare Zeit keinen Ertrag versprach. Die Marke hat jedoch, auch wegen des Friseurgeschäfts, noch immer einen Namen in den USA. Bislang macht Wella nur 12,6 % seiner Erlöse auf dem US-Markt. Martin Rödiger, Analyst der DG Bank, hält eine weitere Expansion von Wella auf den US-Markt grundsätzlich für richtig. Dass das Unternehmen nun auf organisches Wachstum in den Vereinigten Staaten setze, führte Rödiger auf die beschränkten finanziellen Möglichkeiten der Darmstädter zurück. Für eine größere Akquisition in den USA habe Wella-Chef Gürtler angesichts der hohen Verschuldung des Unternehmens und des geringen Spielraums einer Kapitalerhöhung derzeit nicht die liquiden Mittel.

Aufholjagd

Die Expansion in die USA passt in die Marschrichtung des neuen Wella-Vorstandschefs, der zur Aufholjagd gegenüber dem Marktführer L?Oreal geblasen hat. Noch liegen die Franzosen deutlich vor den Darmstädtern. Aber in den nächsten Jahren will Wella den Abstand deutlich verringern. "Bis 2004 wollen wir 13 % operative Rendite erzielen und damit die heutige Kennziffer von L?Oreal übertreffen", gibt der Top-Manager als Ziel aus. Gürtler setzt dabei nicht nur auf organisches Wachstum, sondern auch auf Akquisitionen, Partnerschaften oder Allianzen.

Bereits aus dem Rennen ist Wella im Übernahmepoker um die zum Verkauf stehende US-Haarpflegemarke Clairol. "Die Preise waren uns einfach zu hoch", begründet Gürtler den Ausstieg. Weitere konkrete Verhandlungen in den Vereinigten Staaten führe der Konzern nicht, versichert der Vorstandschef. Der US-Markt stehe allerdings ganz oben auf der Einkaufsliste.

Bisher hinkt Wella im Geschäft mit Endverbrauchern mit einem Marktanteil von 5 % der weltweiten Konkurrenz wie L?Oreal, Unilever und Procter & Gamble hinterher. Doch das soll sich bald ändern. Gürtler will bis zum Jahr 2005 den Umsatz in diesem Segment jedes Jahr um 15 % steigern - Kooperationen und Zukäufe eingeschlossen.

Kosmetiksparte Cosmopolitan ist börsenreif

Das Geld für größere Zukäufe könnte Wella durch einen Börsengang seiner Kosmetiksparte Cosmopolitan einnehmen, der schon länger im Gespräch ist. Konkrete Pläne gebe es derzeit dafür aber nicht, sagte der Wella-Chef. Er halte Cosmopolitan aber für "absolut börsenreif".

Für kleinere Akquisitionen will Wella unter anderem die Papiere aus seinen Aktienrückprogrammen verwenden. Nachdem die Darmstädter im vergangenen Jahr Aktien im Wert von rund 14 Mill. Euro vom Markt nahmen, will sich Gürtler dieses Jahr genehmigen lassen, bis zu 10 % der Papiere zurückzukaufen.

Kein Übernahmekandidat

Spekulationen, dass Wella selbst ein Übernahmekandidat sein könnte, wies Gürtler entschieden zurück. Das Unternehmen habe einen größeren Umsatz als Henkel und sogar die Kosmetiksparte von Beiersdorf, die als potenzielle Wella-Interessenten gehandelt wurden. Der Darmstädter Haarkosmetikkonzern wuchs im vergangenen Jahr mit einem Umsatzplus von 19,1 % auf 2,8 Mrd. Euro so dynamisch wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Gürtler machte zugleich klar, dass er sich mittelfristig aus der operativen Leitung der Sparte Duft und Kosmetik zurückziehen werde, die er bisher zusätzlich leitet. "Wir sind dabei, einige strategische Überlegungen für Cosmopolitan zu überprüfen. Wenn das geregelt ist, kann ich mich auf den Wella-Vorstandsposten beschränken", sagte Gürtler.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%