Vorstandschef Jäggi gibt sich 90 Tage Schonfrist
Erschrockener Gerets verschiebt Heimreise

Der erste Eindruck war nicht der beste. Was Eric Gerets wenige Stunden nach seiner Verpflichtung als Trainer des 1. FC Kaiserslautern am Mittwochabend von seiner neuen Mannschaft geboten bekam, ließ bei dem Belgier die Alarmglocken läuten. Die schwache Leistung des tief in der Krise steckenden Fußball- Bundesligisten im Testspiel bei Racing Straßburg (2:3) veranlasste Gerets spontan, das Kommando am Betzenberg 24 Stunden früher als geplant zu übernehmen.

dpa KAISERSLAUTERN. "Nachdem was ich gesehen habe, ist es wichtiger, hier zu bleiben. Es gibt viel zu tun", erklärte der 48- jährige Hoffnungsträger der "Roten Teufel". Er verschob die für Donnerstag geplante Heimreise auf einen späteren Zeitpunkt und leitet stattdessen am Freitag erstmals das Training.

Gerets und der Generalbevollmächtigte René C. Jäggi konnten sich bei dem teilweise desolaten Auftritt ein Bild davon machen, wie viel Arbeit in den kommenden Wochen und Monaten auf sie wartet. Das Fehlen von etlichen Spielern wegen internationaler Verpflichtungen oder Verletzungen wollte Gerets nicht als Entschuldigung gelten lassen. Dennoch nahm der neue Coach etwas Positives mit: "In einem schlechten Spiel sieht man am meisten." Der Spielaufbau sei zu langsam, ein wichtiger Akteur wie Sforza zu wenig eingebunden, mäkelte Gerets. "Ab Montag werden wir daran arbeiten."

Arbeit wartet auch auf Jäggi. Der Schweizer hat sich eine Frist von 90 Tagen gesetzt, um die Strukturen im Verein kennen zu lernen und möglicherweise zu verändern. Er will zunächst die bestehenden Verträge prüfen und sich einen Überblick über die finanzielle Lage des Vereins verschaffen. Dann erst könne er die Ziele für die nächsten drei Jahre formulieren. Wichtig sei, dass der Club zunächst schnell "aus dem Loch rauskommt". Bei seinem Engagement will sich der ehemalige Vorstandsvorsitzende von adidas nicht durch mögliche finanzielle Engpässe schrecken lassen. "Ich weiß, dass man mit wenig Geld gut umgehen kann im Fußball", erklärte er.

Vom neuen sportlichen Chef verspricht sich Jäggi einiges. "Ich bin sicher, dass Eric Gerets uns nicht enttäuschen wird", meinte der künftige Vorstandsvorsitzende. Für die Verpflichtung des Belgiers habe vor allem gesprochen, dass er Charakter besitzt und nicht in alte Seilschaften in der Pfalz verwickelt ist.

Am kommenden Mittwoch steht für Gerets im Heimspiel gegen Arminia Bielefeld die Bundesliga-Premiere an. Bis dahin will er viele Gespräche mit den Spielern führen und dem Team wieder Selbstvertrauen geben. "Der Mannschaft fehlt Vertrauen. Das kannst du nicht kaufen, das muss sich entwickeln. Die Mannschaft darf keine Angst vor dem nächsten Spiel haben. Meine Aufgabe ist, Druck abzubauen", sagte Gerets in einem Interview des "Kicker".

Der 86-malige belgische Nationalspieler glaubt, das richtige Rezept dafür zu kennen. "Ich will Punkte holen mit der Mannschaft. Das geht nur, wenn man sich wohl fühlt. Deshalb muss bei uns so schnell wie möglich Ruhe einkehren. Ich kenne meine Aufgabe, um eine gute Atmosphäre zu schaffen", erklärte Gerets, dem dies zuletzt beim PSV Eindhoven nicht mehr gelungen war.

Unterdessen hat Ex-Aufsichtsratschef Robert Wieschemann wegen Ruf- und Geschäftsschädigung Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Ihm und dem zurückgetretenen Vorstandsvorsitzenden Jürgen Friedrich waren von der FCK-Opposition "Unregelmäßigkeiten in der Geschäftsführung und mafiöses Verhalten" vorgeworfen worden.

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