Vorstandschef kündigt harten Sparkurs an – Chemiekonzern schließt Werke und kürzt Investitionen
Hiobsbotschaft der BASF schürt neue Sorgen

Auch die Geschäfte der BASF laufen schlechter als erwartet. Am Donnerstag musste Europas größter Chemiekonzern einräumen, dass er seine Ziele im zweiten Quartal verfehlen werde. Galt die Chemiebranche bislang als relativ krisenresistent, so fürchten die Experten jetzt eine Welle von Gewinnwarnungen.

HB LUDWIGSHAFEN. Der unerwartet deutliche Einbruch der Weltkonjunktur hat bei der BASF Spuren hinterlassen. Vor dem Hintergrund weiterhin hoher Rohstoffkosten, schwächerer Wachstumssignale in Europa und einer derzeit nicht erkennbaren Trendwende in den USA rechne das Unternehmen nicht mehr mit einem Ergebnisanstieg im zweiten Quartal, teilte Europas größter Chemiekonzern am Donnerstag mit.

Damit revidierte die BASF ihre Prognose von der Hauptversammlung Ende April, als Vorstandsvorsitzender Jürgen Strube nach einem schwachen ersten Quartal angekündigt hatte, der Konzern rechne im zweiten Quartal mit einem deutlichen Anstieg des Ergebnisses vor Sondereinflüssen im Vergleich zum Vorjahr.

BASF hatte damals noch darauf gehofft, dass sich Europas Wirtschaft robust zeige; denn der Konzern erzielt 60 % seines Umsatzes in der Region. Überraschend für Analysten und für die Chemieunternehmen kommt nun vor allem der anhaltend hohe Rohölpreis. Das gilt auch für die BASF. Der Konzern, der auch im Öl- und Gasgeschäft tätig ist, musste einräumen, er könne die Belastungen durch den Ölpreis nicht ausreichend an die Kunden weitergeben. Denn dies ist der BASF wegen der momentan schwachen Nachfrage nach Chemikalien kaum möglich. Insofern stecken die Ludwigshafener in der Zwickmühle.

BASF tritt nun auf die Bremse und greift zu einem Sparprogramm, um das mittelfristige Gewinnziel doch noch zu erreichen. Der Konzern will früheren Angaben zufolge das Ergebnis der Betriebstätigkeit vor Sondereinflüssen bis 2002 um jährlich 10 % im Durchschnitt steigern. Strube erklärte, dieses Ziel sei jetzt nur noch "mit größten Anstrengungen" zu erreichen. Er kündigte an, weltweit zehn Werke und 14 Anlagen zu schließen. Er nannte jedoch keine Details, auch die Frage, wie viele Arbeitsplätze von dem Sparprogramm betroffen sind, blieb offen. Zudem fährt der Konzern seine Investitionen um ein Fünftel zurück - für 2001 waren ursprünglich 3 Mrd. Euro vorgesehen.

"Konjunkturschwäche und hoher Ölpreis bringen die Chemiebranche in eine schlimme Situation", sagt Analyst Michael Vara von der Commerzbank. Dies gelte insbesondere für Spezialchemie-Anbieter. Das Sparprgramm der Ludwigshafener bewertet er positiv: "Der Konzern beweist, dass er es Ernst meint mit der Verteidigung der Gewinnmargen." Auch Andreas Heine von der Hypovereinsbank malt nicht schwarz: Die Gewinnwarnung bei BASF sei unerwartet gekommen, spiegele aber dennoch keine Krise der Ludwigshafener wider.

An den Börsen sorgte die Warnung der Ludwigshafener für Aufregung. Viele Händler rechnen jetzt für die kommenden Wochen mit einer Welle weiterer Gewinnwarnungen auch aus der bislang als stabil eingeschätzten Chemiebranche. Der Kurs der BASF-Aktie sackte am Morgen fast auf Jahrestief, stabilisierte sich aber und lag am Abend 2,4 % im Minus.

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