Vorstandschef legt Sparpaket vor
Tourismus-Flaute zwingt Preussag auf Sparkurs

Allem öffentlich zur Schau getragenem Optimismus zum Trotz: Auch Preussag, der größte Tourismuskonzern Europas, bereitet sich auf harte Einschnitte vor. Am Mittwoch wird der Aufsichtsrat informiert.

ebe/stw HANNOVER. Preussag, der größte europäische Tourismuskonzern (Marken: TUI, Hapag-Lloyd, Airtours), bereitet sich auf einen markanten Einbruch des Reisemarktes vor. Vorstandschef Michael Frenzel wird dem Aufsichtsrat, der am Mittwoch in Hannover zusammenkommt, ein Sparpaket vorstellen. Das bestätigten Aufsichtsratskreise am Dienstag dem Handelsblatt. Derzeit werde ein Katalog von Maßnahmen für den Fall erarbeitet, dass die Buchungszahlen auf dem aktuell niedrigen Niveau verblieben, hieß es. Öffentlich hatte sich Frenzel - anders als etwa Stefan Pichler, der Chef des europaweit zweitgrößten Tourismuskonzerns Thomas Cook (Marken: Condor, Neckermann, Thomas Cook) - bislang eher optimistisch zum Reisemarkt geäußert.

Die laufende Wintersaison gilt in der Branche jedoch als nahezu abgehakt - mit einem zweistelligen Minus für alle großen Reiseveranstalter. Nach Angaben aus Konzernkreisen liegen bei Preussag auch die Buchungen für die Sommersaison 2002 zurzeit noch um 20 % niedriger als vor einem Jahr. Offiziell wird das nicht bestätigt.

Inzwischen gilt bei TUI ein Einstellungsstopp, und Mitarbeiter werden verstärkt in den Vorruhestand geschickt. Am Dienstag bestätigte eine TUI-Sprecherin zudem einen frisch verabschiedeten Sozialplan für firmeneigene Reisebüros, nach dem sich der Konzern von Auszubildenden und kurzzeitig Beschäftigten trennen will. 220 Auszubildende müssen sich bereits einen neuen Job suchen. Auch Kündigungen in der Probezeit seien möglich, hieß es. Allerdings betonte TUI, dass bisher noch keiner der rund 3 500 Mitarbeiter in den bundesweit 570 Reisebüros entlassen worden sei.

Konkurrent Thomas Cook hat mit seinem Sparpaket namens "Triple T" viel früher und weitaus deutlicher auf die Krise im Reisegeschäft reagiert. Eine Sprecherin bestätigte, dass noch in diesem Monat allein in Großbritannien 1 800 Stellen wegfallen sollen. Insgesamt will die gemeinsame Reisetochter von Lufthansa und Neckermann im laufenden Jahr rund 530 Mill. Euro einsparen und damit den erwarteten Umsatzausfall in Höhe von 15 % kompensieren. Im Charterflug- und Hotelbereich seien bereits 18 % der Kapazitäten aus dem Markt genommen worden, sagte die Sprecherin. Zudem hat Thomas Cook seine Imagekampagne bereits kurz nach den Terroranschlägen des 11. September auslaufen lassen, während Konkurrent Preussag seine Hauptmarke "World of TUI" mit Fernsehspots gerade frisch auf Hochglanz trimmt.

Bei dem Preussag-Sparprogramm gehe es um Beträge von deutlich weniger als 120 Mill. Euro pro Jahr. In dieser Größenordnung bewegten sich die planmäßigen Einsparungen aus laufenden Synergieprojekten. Rechne man alle Stellenstreichungen - lange geplante und kurzfristige - zusammen, fielen aber auch bei Preussag etwa 2 000 Jobs weg. Frenzels Strategie, öffentlich Optimismus zu verbreiten und intern zu sparen, wird in den Aufsichtsratskreisen gedeckt: Es schade nur dem stimmungsabhängigen Reisegeschäft, wenn man - wie der Rivale Thomas Cook - öffentlich über einen schwachen Markt klage.

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