Vorstandschef Maschmeyer erwartet Vorzieheffekte – Leistungsdruck auf die Berater steigt – Provisionsumsatz soll um „cirka 20 Prozent“ steigen
AWD fühlt sich als Rezessionsgewinner

Trotz der Verunsicherung auf Seiten der Verbraucher will der Finanzdienstleister AWD im vierten Geschäftsquartal einen Endspurt hinlegen. Vor allem Zusatzpolicen in der Krankenversicherung und auch Fondspolicen sollen ein deutliches Wachstum ermöglichen. Die Bedeutung der unabhängigen Anbieter werde generell zunehmen.

FRANKFURT/M. Der unabhängige Finanzdienstleister AWD sieht sich im derzeitigen Marktumfeld als Rezessionsgewinner. "Unternehmen wie AWD oder Media Markt haben etwas gemeinsam: sie bieten Produkte billiger an und schaffen so finanzielle Freiräume. Die Kunden sind jetzt ansprechbarer auf Liquiditätsvorteile", sagte Carsten Maschmeyer, Vorstandsvorsitzender der AWD Holding AG, Hannover, gegenüber dem Handelsblatt.

Allerdings spürten auch die Finanzdienstleister Gegenwind, die Berater müssten noch fleißiger sein. "Jeder zehnte Kunde will abschließen, wartet aber ab, ob er an Weihnachten noch seinen Arbeitsplatz hat. Und jeder fünfte Kunde vereinbart lieber einen Monatsbeitrag von 50 Euro statt 80 Euro", so Maschmeyer. Fazit: Um das gleiche Ergebnis zu erzielen, müssten die Berater jetzt mehr Menschen aufsuchen. "Der Berater, der nicht stark genug ist, statt zehn Terminen elf zu erledigen, hat ein Problem", erläuterte der AWD-Chef.

Zu den Steuerplänen der Regierung sagte Maschmeyer: "Ich kann keine seriöse Prognose auf die Auswirkungen der Beschlüsse geben. Aber die unabhängigen Berater werden auf jeden Fall ihren Marktanteil vergrößern." Der AWD sei heute schon der achtgrößte Vertriebskanal für Lebensversicherungen und rangiere damit vor der Deutschen Bank. "Die abhängigen Vertriebe werden dagegen im Durchschnitt mindestens zehn Prozent weniger Neugeschäft umsetzen in 2002", meinte Maschmeyer zur Konkurrenz.

Für die AWD-Gruppe bleibt der Konzernchef unverändert optimistisch: "Ich bin sehr hoffnungsvoll, das wir mit einem deutlichen zweistelligen Umsatzplus von cirka 20 Prozent aus dem Jahr gehen werden. Ergebnismäßig bleibt es bei einer um Einmaleffekte bereinigten Ebit-Marge von acht Prozent für das Gesamtjahr", lautet sein Ausblick. "Wir sind absolut im Plan."

Am Freitag hatte der Heidelberger Finanzdienstleister MLP seine Gewinnprognose für 2002 erneut revidiert und mitgeteilt, das Ziel von 100 Mill. Euro beim Vorsteuerergebnis sei nur über Beteiligungsverkäufe erreichbar.

Marc Thiele, Analyst bei Commerzbank Securities, hat die Finanzdienstleister auf "untergewichten" stehen, weil sie stärker von der Börsenentwicklung abhingen als reine Versicherer. Die AWD-Aktie wird von Thiele positiver mit "akkumulieren" eingestuft. "Auch beim AWD dürfte das organische Wachstum relativ gering sein, jedoch sollte sich die Akquisitionsstrategie auszahlen", so Thiele. Bei MLP rät der Commerzbank-Analyst zur Zurückhaltung. "Hier ist man besorgt über den weiteren Nachrichtenfluss im Zusammenhang mit den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Bilanzfälschung", so Thiele.

AWD-Vorstandschef Maschmeyer kann sich für das vierte Geschäftsquartal - in dem üblicherweise rund 30 % der Gesamtprovisionen des Jahres erlöst werden - eine zusätzliche Belebung durch Vorzieheffekte angesichts der Steuerpläne der Regierung vorstellen. Im Bereich der privaten Krankenversicherungen rechne man mit einem Umsatzanstieg von mindestens zehn Prozent - vor allem wegen steigender Zusatzversicherungen. Bei den Fondspolicen wird - auch in 2003 - ein Umsatzplus von 20 % gesehen. Spezial-Aktienfonds seien dagegen nicht gefragt. Schlecht sehe es im Immobilienbereich aus, da werde man "keine fröhlichen Zeiten erleben", vor allem nicht bei geschlossenen Immobilienfonds.

Insgesamt gehen die Hannoveraner davon aus, dass sie 2003 im Ausland kräftiger wachsen werden als im Inland. Im dritten Quartal habe der Auslandsanteil - ohne die übernommene Tecis Holding AG, die erst im vierten Quartal konsolidiert wird - bereits bei 42 % gelegen. In nächster Zeit werde AWD keine großen Zukäufe tätigen. Nach dieser Verdauungsphase würden dann Spanien und die Niederlande eher ins Visier rücken als Frankreich. Zuletzt hatte der Finanzkonzern in Großbritannien und in Osteuropa durch Zukäufe expandiert.

Das Akademikergeschäft - bisher eine Domäne von MLP - will Maschmeyer verstärkt angehen. Mittlerweile betreuten bei der darauf spezialiserten Tochter Horbach rund 160 Berater cirka 35 000 Kunden. Horbach sei in der Gewinnzone, eventuell werde man in diesen Bereich über kleinere Akquisitionen "noch etwas dazu packen", so Maschmeyer.

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