Vorstandschef Schambach spricht vom "Angriff mit anderen Mitteln"
Intershop setzt bei Vertrieb und Marketing auf Partner

Intershop reagiert auf die sich verschärfende Krise in der Internet-Softwarebranche mit Korrekturen beim Vertrieb und tritt auf die Kostenbremse.

dpa-afx JENA. "Wir können angesichts des veränderten Marktumfelds die massive Expansion von Vertrieb und Marketing nicht mehr selbst machen, sondern setzen auf Partner", sagte Vorstandschef Stephan Schambach am Mittwoch. Die Mitarbeiterzahl, derzeit weltweit rund 1 000, solle vorerst eingefroren werden.

Nach einer Umsatzwarnung für das erste Quartal, in dem statt 30 Mill. Euro (59 Mill. DM) nur Erlöse von 18 bis 20 Mill. Euro erwartet werden, ist Intershop weiter unter Druck. US-Wettbewerber wie Ariba und Broadvision korrigierten in dieser Woche ihre Prognosen ebenfalls und beschleunigten damit den Crash an den High-Tech-Börsen.

"Wir werden weiter vom Direkt- zum Partnervertrieb übergehen. Das ist die wirtschaftlich bessere Strategie für uns", sagte der 30- jährige Gründer der Jenaer Intershop AG, die lange als einer der Stars der deutschen Internet-Wirtschaft galt. "Das ist kein Rückzug, sondern Angriff mit anderen Mitteln", verteidigte er den Kurs. Den Verkauf, die Umsetzung von Kunden-Projekten mit Intershop-Technologie und den Service sollen zunehmend andere Firmen übernehmen. Strategische Partner seien Hewlett Packard und Commerce One.

Strategische Partnerschaften als Chefsache

"Wir können und werden uns nicht darauf verlassen, dass uns jemand rettet", sagte Schambach zu Übernahme-Spekulationen nach dem drastischen Kursverfall. "Dazu ist es nötig, dass sich der Chef persönlich um Produktstrategie und Partnerschaften kümmert." Das sei auch der Grund für die Übertragung der Verantwortung für das operative Geschäft an Finanzvorstand Wilfried Beeck.

Das seit Gründung 1992 rasant gewachsene Software-Unternehmen werde sich wieder stärker auf seine Kernkompetenz bei der Entwicklung von Programmen für den elektronischen Handel (E-Commerce) konzentrieren. "Wir müssen uns auf unsere Stärken besinnen", sagte Schambach. Der Umsatzanteil aus dem Verkauf von Software-Lizenzen solle wachsen. Im Vorjahr wurden mit Lizenzen rund 74,1 Mill. Euro umgesetzt. Das Service-Geschäft machte 48,9 Mill. Euro am Konzernumsatz von 123 Mill. Euro aus.

200 Stellen in diesem Jahr gestrichen

Der Vorstandschef ließ offen, ob die Strategie zu einem weiteren Abbau von Jobs in den weltweit über 20 Niederlassungen des Konzerns führt. 200 Stellen wurden in diesem Jahr bereits gestrichen. "Bis wir wieder profitabel sind, wird das Personal definitiv nicht wachsen. Effizienz hat Vorrang vor Expansion." Dazu gehöre, dass die Verantwortung für den operativen Bereich in Hamburg und für Produktstrategie, Software-Entwicklung sowie Technik in Jena konzentriert werde. "Etliche Leute aus den USA sind nach Jena umgezogen", sagte Schambach, der weiter zwischen San Francisco und den deutschen Standorten pendeln wird.

In diesem Jahr geht Intershop von einem Umsatz von 140 bis 160 Mill. Euro bei einem Verlust auf Vorjahresniveau (39,3 Mill. Euro) aus. Frühestens im vierten Quartal sollen schwarze Zahlen geschrieben werden.

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