Vorstandschef Schreier strebt Akquisitionen an
Heideldruck in Kauflaune

In der Druckmaschinen-Branche werden viele kleinere Anbieter nach Ansicht von Heidelberg-Chef Bernhard Schreier allein nicht überleben können. Übernahmechancen will sich der weltweit führende Konzern nicht entgehen lassen: Schreier plant, mit dem Erwerb neuer Technologien die Position als Komplettanbieter auszubauen.

HB FRANKFURT/M. Die Heidelberger Druckmaschinen AG (Heideldruck) will die fortschreitende Konzentration in der Branche für weitere Zukäufe nutzen. "Wir werden - auch um unser Wachstum abzusichern - sämtliche Möglichkeiten prüfen, ob wir uns verstärken können", erklärte Vorstandsvorsitzender Bernhard Schreier dem Handelsblatt. Konkrete Gespräche würden aber noch nicht geführt.

Schreier, seit Oktober 1999 Chef des Weltmarktführers im Druckmaschinenbau, hatte dem Konzern nach der aggressiven Akquisitionspolitik seines Vorgängers Hartmut Mehdorn zunächst eine Phase der Konsolidierung verschrieben. Jetzt will der 47-Jährige Übernahmechancen nutzen, deren Zahl seiner Ansicht nach wegen des wirtschaftlichen Abschwungs steigen wird. "Vor allem in der Vorstufe werden zahlreiche kleinere Anbieter vom Markt verschwinden", sagte Schreier. "Wir sind mit offenen Augen in dem Marktsegment unterwegs, haben aber noch nichts Konkretes." Auch Partnerschaften seien eine Option.

Daneben will Schreier den Konzern im so genannten Finishing verstärken, also in der Weiterverarbeitung der gedruckten Produkte. "Wir haben mit dem Schneiden, Falzen und Heften zwar Grundtechnologien im Unternehmen, aber es gibt noch einige andere Technologien, die uns interessant erscheinen", erklärte er. Auch in dem für Heidelberg noch jungen Geschäft mit Zeitungsdruckmaschinen will Schreier den Konzentrationsprozess für Zukäufe und Partnerschaften nutzen, sich aber Zeit lassen.

Zufrieden zeigte sich der Heidelberg-Chef mit dem Start der neuen digitalen Farbdruck-Maschine Nexpress-2100. Der Konzern konnte 70 Exemplare auf der Chicago Print verkaufen. Der Digitaldruck gilt als Wachstumsmarkt, allerdings gelangen immer mehr Analysten zu der Erkenntnis, dass die ursprünglichen Erwartungen hinsichtlich des Marktwachstums zu hoch angesetzt waren.

Schreier kalkuliert im Gegensatz zum Konkurrenten Xerox mit konservativen Zahlen, glaubt aber nach wie vor an starkes Wachstum. "Ob das nun in vier Jahren wie von Xerox geplant ein Marktvolumen von 4 Mrd. $ bedeutet oder 1,5 Mrd. $, die wir im gleichen Zeitraum ansetzen, wird sich zeigen."

Schwache Konjunktur

Auch der Heidelberg-Konzern spürt die schwache Konjunktur. Schreier hatte deshalb jüngst das Ziel in Frage gestellt, Umsatz- und Vorsteuerergebnis auf Vorjahresniveau halten zu wollen. Der Konzern erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr (zum 31. März) einen Umsatz von 5,3 Mrd. Euro und ein Ergebnis vor Steuern und Finanzergebnis (Ebit) von 506 Mill. Euro.

"Wir waren eigentlich fest davon überzeugt, dass es im zweiten Halbjahr in den USA einen Ruck nach vorne geben würde. Nach den Terroranschlägen gehen wir davon aus, dass sich dieser Schub um rund sechs Monate verschieben wird", erklärte Schreier. Dennoch warnte er davor, schwarz zu malen: "Ich glaube nicht, dass wir in einer Rezession sind."

Schreier setzt beim Wachstum des Konzerns auf die Strategie des Komplettanbieters. "Die Messe in Chicago hat gezeigt, dass wir de facto der einzige Anbieter von integrierten Lösungen für die komplette Prozess-Strecke in der grafischen Industrie sind", sagte Schreier. Davon profitiere Heidelberg in Zeiten schwacher Konjunktur. Obwohl der Messebetrieb wegen der Terroranschläge fast zum Erliegen gekommen war, konnte Heidelberg mit einem Auftragseingang von 345 Mill. $ die Zielmarke nahezu erreichen.

Analysten begrüßen den Kurs des Unternehmens, sehen allerdings auch Risiken. Richard Schramm von HSBC Trinkaus & Burkhardt fürchtet, dass "der wachsende Wettbewerbsdruck das Renditeniveau künftig erodiert". Schreier ist dagegen zuversichtlich, die Margen halten zu können. Er will mit Kosteneinsparungen und einer neuen Organisation gegensteuern. "Wir bedienen den professionellen Drucker mit einer Vertriebsmannschaft. Unsere große Chance ist es, über diese eine Mannschaft ein umfassendes Produkt- und Lösungsangebot zu verkaufen."

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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