Vorstandschef Schulte-Noelle gibt sich gelassen
Dresdner Bank macht der Allianz Sorgen

Der Allianz-Konzern hat noch immer an der Übernahme der Dresdner Bank zu schlucken. Das schlechte Ergebnis der Bank-Tochter belastet auch das Versicherungsunternehmen.

cbu MÜNCHEN. Bernd Fahrholz ist die Besorgnis förmlich ins Gesicht geschrieben. "Wir haben es mit einer echten Krise zu tun. Wir befinden uns in einer sehr fragilen Situation," stellt der Chef der Dresdner Bank fest. Doch Fahrholz spricht nicht von der Übernahme seiner Bank durch die Allianz. Der Banker macht sich vielmehr ernste Sorgen um die Kapitalmärkte.

Ganz andere Töne schlagen Fahrholz und Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle dagegen an, wenn sie von den Erfolgen der Dresdner-Integration in den Assekuranz-Konzern sprechen. "Wir fühlen uns sehr bestärkt, dass wir den richtigen Weg gefunden haben", sagt Schulte-Noelle in München vor Journalisten. Und Fahrholz ist überzeugt: "Die Kunden haben das Modell einen integrierten Finanzkonzerns angenommen."

Stolz präsentieren die beiden zum Jahrestag der Übernahme Zahlen: Im ersten Halbjahr 2002 hat die Allianz über die Schalter der Dresdner Bank 20 765 Sachversicherungen und 43 436 Lebenspolicen verkauft. Das sei drei bis viermal mehr als im vergangenen Jahr, heißt es. Inzwischen sind 860 Allianz-Experten in Dresdner-Filialen tätig, 180 Dresdner-Vermögensexperten in den Allianz-Agenturen. Zum Vergleich: Die Hypo-Vereinsbank, die mit der Münchener-Rück-Gruppe nur über eine Kooperation verbunden ist, hat immerhin genau soviel, etwa 65 000 Policen, für Ergo vermittelt.

Probleme an mehreren Fronten

Doch die Zahlen können nicht über die Probleme hinweg täuschen, die die 25 Mrd. Euro schwere Übernahme bisher für die Allianz gebracht hat. Schulte-Noelle und Fahrholz haben gleich an mehreren Fronten zu kämpfen. Angesichts der dramatischen Einbrüche an den Kapitalmärkten rauscht das Ergebnis im Bankgeschäft in den Keller. Schon im ersten Quartal hat die Dresdner die Allianz-Rechnung schwer belastet. Im zweiten Quartal dürften die Verluste weiter zunehmen. Insbesondere der Bereich Firmen & Märkte, zu dem auch die Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW) gehört, ist nach jüngsten Spekulationen tief im Minus. Pleitewelle, Börsenflaute und der Einbruch im Investmentbanking hinterlassen Spuren. Schulte-Noelle spricht angesichts der Entwicklung schon von weiteren Sparmaßnahmen. Gewissheit über das Ausmaß der Verluste wird es am 14. August geben, wenn die Allianz die Quartalszahlen veröffentlicht.

Zur Zukunft des Firmenkundengeschäftes und des Investmentbankings schweigen Schulte-Noelle und Fahrholz. Hinter den Kulissen werden aber Maßnahmen diskutiert, wie der Konzern das Problem lösen kann: Ausgliedern oder ein verschärfter Sparkurs sind die Varianten zum Weitermachen wie bisher.

Negativ auf die Allfinanzehe zwischen Allianz und Dresdner wirkt zudem, dass der erhoffte Boom beim Verkauf von Riester-Policen, einer der Hoffnungsmärkte für den Finanzkonzern, ausgeblieben ist. "Der Markt hat nicht mitgespielt", räumt Allianz-Leben-Vorstand Hansjörg Cramer ein. Im ersten Halbjahr hat die Allianz 480 000 Riester-Verträge verkauft, davon lediglich 70 000 über die Dresdner Bank. Auch wenn die Münchener damit nach eigenen Angaben Marktführer sind: Das Jahresziel von insgesamt 1,3 Millionen Verträge ist in Gefahr.

Trotz der Probleme demonstriert Schulte-Noelle Gelassenheit. "In schlechten Zeiten kulminieren die Risiken. Dafür ist in guten Zeiten der Hebel größer", sagt der Konzernchef. Unmut ist ihm nur anzumerken, wenn die Sprache auf den Aktienkurs kommt. Immerhin hat sich die Allianz-Aktie seit der Übernahme fast halbiert. Aber dies habe nichts mit dem Dresdner-Kauf zu tun, beharrt Schulte-Noelle. Die Allianz leide wie alle Versicherer unter der allgemeinen Verunsicherung.

Quelle: Handelsblatt

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