Vorstandschef trat zurück
Heyde-Aktie wird nach Kurseinbruch herabgestuft

Independent Research stuft Heyde auf "Verkaufen" herunter. Das unter Plan liegende Ergebnis des IT Heyde AG-Dienstleisters für das Jahr 2000 ist von Händlern und Analysten mit Enttäuschung aufgenommen worden.

ddp/vwp/Reuters FRANKFURT. Independent Research hat die Einschätzung der Heyde-Aktien von "Untergewichten" auf "Verkaufen" gesenkt. Zudem passten die Analysten ihre Gewinnreihe drastisch nach unten an, wie sie am Montag in Frankfurt am Main mitteilten. So rechnen sie für 2001 mit einem Gewinn je Aktie von 0,08 Euro statt 0,27 Euro und für 2002 von 0,13 Euro statt 0,36 Euro. Das Ausscheiden des Unternehmensgründers aus dem Vorstand lasse auf größere als bisher angenommene interne Probleme schließen.

Die Analysten vermuten, dass im Rahmen des Jahresabschlusses größere Mängel im Controlling aufgedeckt wurden. Nur so lasse sich erklären, dass Heyde Mitte November noch von einem Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 22 Mill. Euro ausging, nun aber nur ein Ebit von 1,5 Mill. Euro erreicht hat.

Heyde-Aktie verlor 40 %

"Die Zahlen und der Ausblick des Unternehmens sind katastrophal", sagte Merck Finck-Analyst Maximilian Schoeller am Montag. Auch andere Analysten teilten diese Einschätzung. Ein Händler sagte, das enttäuschende Ergebnis des einstigen Aushängeschilds des Neuen Marktes sei ein "Riesenschock" für die Börse gewesen. Besonders Fondsmanager trennten sich nun teilweise panikartig von den Titeln.

Die im Blue-Chip-Index Nemax 50 gelisteten Aktien der Heyde reagierten auf die verfehlten Planzahlen der Gesellschaft mit einem Kurssturz von mehr als 40 % auf ein neues Rekordtief von 3,28 Euro. Ihr Jahreshoch erreichten die Papiere Anfang März 2000 bei 43,79 Euro.

Heyde hatte am Freitag nach Börsenschluss für das Jahr 2000 nach vorläufigen Zahlen eine Umsatzsteigerung im Vergleich zum Vorjahr von 85 % auf 341 Mill. DM und ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) nach US-Bilanzierung von knapp 3 Mill. DM bekannt gegeben. Für 2001 rechnet der IT-Dienstleister bei einem Umsatz von 400 Mill. DM mit einem operativen Ergebnis von 10 Mill. DM. Im November hatte Heyde für 2001 noch ein Umsatz von 470 Mill. DM und ein Vorsteuerergebnis von 49,4 Mill. DM prognostiziert. Analysten hatten für das Geschäftsjahr 2000 im Durchschnitt einen Umsatz von 360 Mill. DM und ein Ebit von 37,7 Mill. DM erwartet.

Vorstandschef trat zurück

Als Konsequenz der Geschäftsentwicklung trat der Vorstandschef und Unternehmensgründer Dieter Heyde von seinem Amt zurück. Der neue Heyde-Vorstandschef Dirk Wittenborg hatte am Samstag ein Restrukturierungsprogramm angekündigt. "Wir werden uns die eine oder andere Akquisition sowie sämtliche operative Bereiche genau anschauen", sagte Wittenborg. Allerdings sei es "zu früh eine Aussage zu treffen", ob Heyde sich von möglichen Beteiligungen trennen werde.

Simon Scholes, Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin, zeigte sich wie seine Kollegen von den Heyde-Zahlen enttäuscht. "Die Zahlen sind schlecht und unterhalb der niedrigsten Erwartungen", sagte Scholes. Da Heyde allerdings in den vergangenen Jahren immer die Planzahlen erfüllt habe, verfüge das Unternehmen noch immer über eine gewisse Solidität. "Ich sehe keine Gefahr, dass der Konzern bankrott gehen wird", fügte er hinzu.

Nach Einschätzung von Berenberg-Bank-Analyst Mark Osigus hängt die weitere Entwicklung des Unternehmens davon ab, welche Maßnahmen zur Kostensenkung Heyde einleitet. "Im vierten Quartal wurde anscheinend ziemlich viel Geld verbrannt." Diese Ausgaben müsse Heyde künftig in den Griff bekommen, sagte Osigus.
Als verbesserungsbedürftig bezeichneten die Analysten die Öffentlichkeitsarbeit des Softwareanbieters. Offensichtlich hätten einige Leute schon im Vorfeld der Bekanntgabe der Zahlen diesbezügliche Informationen gehabt, sagte Scholes. Obwohl es seiner Ansicht nach angesichts der derzeitigen Marktlage noch offen ist, ob das Unternehmen die Planzahlen für das Jahr 2001 erfüllen kann, ist er langfristig zuversichtlich. "Ein Turn-around dürfte für Heyde machbar sein", sagte Scholes, der die Aktien unverändert mit "Halten" einstuft.

Während Berenberg-Bank-Analyst Osigus die Aktien vorerst weiterhin mit "Akkumulieren" bewertet, hat Felix Ellmann von SES Research die Heyde-Titel aufgrund der schwachen Zahlen und der schlechten Informationspolitik auf "Underperformer" von "Outperformer" herab gestuft. Auch Merck Finck-Analyst Schoeller sieht trotz des drastischen Einbruchs der Aktie derzeit keinen Spielraum für Kursgewinne. "Durch den sehr pessimistischen Ausblick halte ich den Wert für noch zu teuer", sagte er. Neben den enttäuschenden Zahlen dürfte Schoeller zufolge der Rücktritt des Vorstandschefs und Unternehmensgründers Dieter Heyde zumindest in den nächsten sechs Monaten für zusätzliche Verunsicherung bei der Gesellschaft führen. "Daher kann ich momentan nicht zu einem Engagement bei Heyde raten", fügte er hinzu.

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