Vorstandschef tritt zurück
Biodata im Visier des Bundesaufsichtsamts

Ein weiteres am Neuen Markt der Frankfurter Wertpapierbörse notiertes Unternehmen ist am Freitag in schweres Fahrwasser geraten.

ddp-vwd FRANKFURT/LICHTENFELS. Nach einer Börsenmitteilung des IT-Sicherheitsspezialisten Biodata aus dem hessischen Lichtenfels, in der neben einer Umsatzwarnung eine über ein Jahr alte Erfolgsmeldung über einen Großauftrag korrigiert wird, hat das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) eine Prüfung möglicher Verstöße gegen das Insiderhandelsrecht und Ad-hoc-Vorschriften eingeleitet. Hintergrund sei ein markanter Anstieg des Handelsvolumens im Vorfeld der Umsatzwarnung, sagte eine BAWe-Sprecherin.

Untersucht werde ebenfalls, ob eine Ad-hoc-Mitteilung des Unternehmens vom 24. August 2000 über einen Großauftrag in Australien zulässig war. Am Freitag hatte Biodata mitgeteilt, dass der Auftrag nicht zu Stande gekommen sei. Sollte ein Verstoß gegen Ad-hoc-Vorschriften nachgewiesen werden, kann das BAWe - je nach Schwere des Vergehens - ein Bußgeld bis zu drei Millionen Mark verhängen. Die Biodata-Aktie notierte gegen 16 Uhr um 55,43 Prozent unter ihrem Vortagesschluss bei 1,93 Euro. Der Biodata-Vorstandsvorsitzende Tan Siekmann trat am Freitag mit sofortiger Wirkung zurück.

Biodata gestand ein, in der Meldung vom 24. August vergangenen Jahres über einen Auftragsabschluss mit 20 Mill. Euro jährlichem Umsatzvolumen eine wichtige Klausel nicht genannt zu haben. So habe der Auftraggeber die Bestellung von 6 000 Software-Firewalls von Biodata an eine endgültige Bestellung der Produkte durch den Endanwender geknüpft. Da sich offensichtlich nicht genug Interessenten fanden, kam der Vertrag nie zu Stande. Am 24. August 2000 war die Aktie in Erwartung der Nachricht sogar kurzfristig vom Handel ausgesetzt worden.

Wie Biodata weiter mitteilte, sank der Umsatz im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres von 6,8 Mill. auf 3,5 Mill. Euro. Ursprünglich wurde mit 15 Mill. Euro gerechnet. Zur Ergebnisentwicklung wurden keine Angaben gemacht. Im laufenden Geschäftsjahr rechnet Biodata mit Belastungen durch Abschreibungen über zehn Millionen Euro. Eine zuverlässige Prognose zu Umsatz und Ergebnis für 2001 sei gegenwärtig schwierig, hieß es. Auf aktueller Basis sei mit einem Umsatz auf Vorjahresniveau von rund 23,5 Mill. Euro zu rechnen. Mit einem Programm zur Kostensenkung und Umstrukturierung will Biodata den Konzern nun neu ausrichten.

Händler stuften die Nachricht als "sehr schlecht" ein. Offensichtlich seien die Probleme bei Biodata größer als erwartet. Mehrere Analysten setzten die Aktie am Freitag auf "Verkaufen". Die aktuellen Meldungen von Biodata seien ein "Desaster" und könnten das Unternehmen in seiner Existenz gefährden. Biodata verfüge zwar noch über einen Cash-Bestand von sechs bis sieben Millionen Euro, sei jedoch nicht profitabel und werde auch weiterhin Geld "verbrennen".

Personalreduzierungen möglich

Unternehmenssprecher Heiko Scholz sagte zur geplanten Umstrukturierung, sowohl die Schließung von Filialen als auch Personalreduzierungen in noch unbekanntem Umfang seien möglich. Kurzfristig verspreche sich Biodata durch eine Verstärkung des Kostenmanagements und die Verschiebung von bislang geplanten Investitionen Einsparpotenziale. "Wir sind zuversichtlich, dass Biodata auf Grund des noch intakten IT-Sicherheitsmarkt-Umfeldes mittel- bis langfristig gestärkt aus der Krise hervorgehen wird", sagte Scholz der Wirtschaftsnachrichtenagentur vwd. Das starke Standbein in den USA werde Biodata trotz der dortigen Konjunkturkrise und der Terroranschläge jedoch behalten. Es sei ja bislang die Stärke des Unternehmens gewesen, in den USA, dem für europäische Unternehmen schwierigsten Markt, erfolgreich Fuß gefasst zu haben.

Die Biodata Information Technology AG hat sich auf die Netzwerk-, PC- und Telekommunikationssicherheit spezialisiert. Das Unternehmen bietet auch Hardware-Lösungen zur Identifizierung von Personen über Spracherkennung an.

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