Vorstandschef und Großaktionär der Gold-Zack AG
Dietrich Walther: Nicht mehr Herr des Spiels

Der Neue Markt machte den Finanzjongleur groß. Seit dem Crash versucht Walther, seine Finanzfirma neu auszurichten. Die Krise der Gontard & Metallbank bedroht sein Lebenswerk.

DÜSSELDORF. Am liebsten steuert er seine Geschäfte von Iserlohn aus. In dem Sauerlandstädtchen hat Dietrich Walther ein komfortables Büro in einer ehemaligen Kaserne. Meistens sitzt er im gemütlichen Ledersessel, telefoniert und analysiert die Aktienkurse, die ständig über den Monitor flimmern. Zwischendurch zieht der Mann mit der hohen Stirn und dem grauen, zurückgekämmten Haar genussvoll an einer dicken Zigarre oder tüftelt am gläsernen Billardtisch an neuen Strategien für seine Finanzgruppe.

Aber für solche Gedankenspiele hat der Vorstandschef der Gold AG-Zack aus Mettmann momentan keine Zeit. Der 60-jährige Walther kämpft um die Existenz seiner Firmengruppe. Der Absturz der Gontard & Metallbank, an der Gold-Zack mit 45 Prozent beteiligt ist, Ende vergangener Woche reißt den Finanzdienstleister mit in die Tiefe. Er führt bei Gold-Zack zu einem Verlust, der mehr als die Hälfte des Grundkapitals übersteigt.

Walthers bisheriger Fahrplan zur Sanierung des ohnehin angeschlagenen Finanzunternehmens gerät jetzt völlig durcheinander. Er muss die für diesen Montag anberaumte Bilanzpressekonferenz kurzfristig absagen und für Juni eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen. Außerdem muss er möglichst schnell einen starken Investor finden, um der Gontard & Metallbank neues Leben einzuhauchen.

Fintenreicher Finanzjongleur

Die Ereignisse der letzten Tage treffen Walther hart. Auf einmal ist der fintenreiche Finanzjongleur nicht mehr Herr des Spiels. Der in Hamburg aufgewachsene Import- und Exportkaufmann ist jemand, der gerne selbst die Fäden in der Hand hält. Schon seinem Lehrherrn verkündet er: "Ich will Unternehmer werden." Das setzt er später in die Tat um, als er eine Leasinggesellschaft gründet und dann mit Gewinn wieder verkauft. Sein eigentlicher Durchbruch gelingt ihm aber erst mit Gold-Zack. Er kauft den maroden Gummibandhersteller und baut ihn, nach einschlägigen Erfahrungen als selbstständiger Börsenberater, zu einem Geburtshelfer für Unternehmen um, die an den Neuen Markt wollen.

Das Geschäft mit dem Rundumservice von der Beratung über die begleitende PR-Arbeit bis zur optimalen Aktienplatzierung läuft wie geschmiert. Anleger krönen Walther sogar zum "Emissionskönig". Als der Neue Markt im Frühjahr 2000 abstürzt, ist es jedoch mit der Herrlichkeit vorbei. Die Anleger sind sauer, und Walther versucht, das wegbrechende Geschäft auszugleichen. Fortan will er "das Emissionshaus zu einer Investmentgesellschaft für den technologisch orientierten Mittelstand" formen - aber mit mäßigem Erfolg.

Keine glückliche Hand hat Walther auch in Personalfragen. Erst nach massiver Kritik an seinem undurchsichtigen Firmengeflecht ist er bereit, seine Alleinherrschaft im Gold-Zack-Vorstand auf- und Macht an neue Kollegen abzugeben. Schließlich ist er sogar einverstanden, an die Spitze des Aufsichtsrats zu wechseln.

Probleme bei der Umwandlung von Gold-Zack

Doch die Auswahl seines Nachfolgers wird zum Problem. Er scheitert damit, Lothar Mark, den Chef der Gontard & Metallbank, zum Kronprinzen zu küren. Und sein zweiter Wunschkandidat, Christian Stolorz, gibt schon nach zehn Monaten im März dieses Jahres auf, Gold-Zack vom inhabergeführten Betrieb zum professionell gemanagten Finanzkonzern zu wandeln. Da nutzte es wenig, dass sich beide schon lange aus Iserlohn und über den Pferdesport kannten. Ist der Ex-Chef des IT-Beratungshauses CSC Ploenzke, Stolorz, vielleicht nicht nur an einer falschen Gewinnprognose, sondern auch an dem übermächtigen Aufsichtsratschef Walther gescheitert?

Seit dem 25. März steht Großaktionär Walther (rund 38 Prozent) wieder an der Firmenspitze, zunächst für ein Jahr. Jetzt muss er selbst die größte Krise seiner Firmengruppe meistern. Fest steht: Auf die Hilfe der Banken kann der schillernde Finanzprofi, der sich konservativ wie ein Banker kleidet, dabei nicht bauen. Beide pflegen seit langem eine gegenseitige Abneigung.

Es wird also für Walther äußerst schwierig, sein Lebenswerk zu retten. In den nächsten Monaten wird er deshalb wenig Zeit haben für seine Frau, mit der er mehr als 30 Jahre verheiratet ist, für seine Tochter, eine erfolgreiche Dressurreiterin, und für das Billard in seinem Iserlohner Büro.

Vita

Dietrich Walther, 1942 in Stettin geboren, studiert Betriebswirtschaft. Nach Erfahrungen in der Industrie und im Leasinggeschäft lässt er sich 1983 als Börsenberater in Iserlohn/Sauerland nieder. 1996 kauft er den Gummibandhersteller Gold AG. -Zack

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