Vorstandschef und Großaktionär von EM.TV
Werner Klatten: Endlich sein eigener Herr

Das Sofa und die Sessel aus dem edlen, dunklen Leder hat Werner Klatten gleich hinausgeworfen. Dort, wo Thomas Haffa einst in gediegener Atmosphäre Gäste empfing und über die scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten seiner EM.TV&Merchandising ins Schwärmen geriet, steht jetzt ein schlichter Konferenztisch.

HB MÜNCHEN. Ein Symbol für die neue Zeit beim einstigen Börsenstar EM.TV, der so tief wie kaum eine andere Firma abgestürzt ist.

Auch sonst hat sich einiges geändert, seit der 55-jährige Ex-Spiegel-Manager im vergangenen Spätsommer Haffas Chefetage im Münchener Medienvorort Unterföhring bezogen hat. Der kühl wirkende Klatten taucht nur selten in der Öffentlichkeit auf. Mit Interviews hält er sich zurück. Bescheidenheit ist - ganz im Gegensatz zur alten Haffa-Zeit - jetzt Trumpf. Klatten gibt bei Geschäftspartnern, Journalisten und Analysten den nüchternen, zahlenorientierten Medienmanager, der die Firma schnell wieder auf die Erfolgsspur bringen will.

Der studierte Jurist hatte im Juli vergangenen Jahres verkündet, er werde sich an der angeschlagenen Medienfirma beteiligen. Die Nachricht kam überraschend. Den Namen Klatten hatte niemand auf der Rechnung. Unbemerkt von der Öffentlichkeit führte er zwei Monate lang Geheimverhandlungen mit Haffa. Schließlich war Klatten bereit, sich auf der EM.TV-Hauptversammlung Anfang August den zornigen Aktionären zu stellen - das war seine Feuertaufe bei EM.TV.

Doch dem ehrgeizigen Klatten ist in München alles andere als ein Traumstart geglückt. Er musste einige Rückschläge wegstecken. Ende November verlor er seinen Finanzvorstand Marius Schwarz - offensichtlich im Streit um die weitere Strategie. Er hatte Schwarz erst zwei Monate zuvor vom Kinokonzern Cinemaxx zum Medienunternehmen geholt. Seitdem ist der wichtige Posten vakant. Klatten kümmert sich jetzt selbst um die Finanzen.

Wenige Tage später musste der EM.TV-Chef nicht nur tiefrote Geschäftszahlen für das dritte Quartal des vergangenen Geschäftsjahres präsentieren. Er war sogar gezwungen, die Zahlen zwei Tage später zu korrigieren und büßte so Vertrauen an den Finanzmärkten ein. Außerdem kann er wichtige Projekte bis jetzt nicht voranbringen: den geplanten Verkauf der Formel-1-Beteiligung an die Kirch-Gruppe und die Trennung von der Jim-Henson-Gruppe, Erfinder der "Sesamstraße".

Selbst die Übernahme der EM.TV-Anteile von seinem Vorgänger Haffa muss er verschieben. Der Schwager der Quandt-Erbin Susanne Klatten hatte Probleme, den Deal zu finanzieren. Erst gestern, mit zwei Wochen Verspätung, kann er den offiziellen Einstieg zum 31. Januar melden. Damit ist Klatten endlich sein eigener Herr: Er ist Chef und mit knapp 25 Prozent auch neuer Großaktionär von EM.TV.

Klatten, Vater eines Kindes und bis 1998 mit einer Malerin verheiratet, gilt als harter und erfahrener Manager. Der Jurist, im schwäbischen Esslingen geboren, aber größtenteils in Hamburg aufgewachsen, hatte schon früh Kontakt zu den Medien: Sein Stiefvater war in führender Position beim Springer-Verlag tätig. Seine eigene Medienkarriere startet Klatten 1988 bei Sat 1. Aber 1993 muss er den Chefsessel des TV-Senders - ohne Angabe von Gründen - räumen. Ein Jahr später wird er Geschäftsführer beim Spiegel-Verlag.

In der Münchener Medienszene ist der Sylt-Liebhaber zwar noch nicht zu Hause. Doch der Mann, der sich schon mal ans Klavier setzt, beherrscht die Klaviatur der Branche schon lange. In seiner Zeit als Sat-1-Chef musste er oft zwischen den verfeindeten Sat-1-Gesellschaftern Springer und Kirch vermitteln. Und als Spiegel-Manager verstand er es, dem neuen Herausforderer "Focus" Paroli zu bieten.

Ungeklärt ist nach wie vor sein Verhältnis zu Leo Kirch. Klatten weist zwar weit von sich, nur ein Strohmann des mächtigen Medienmachers zu sein. Andererseits kann er nicht gegen Kirch arbeiten - zu eng sind die Geschäftsbeziehungen.

Zumindest räumlich will er aber auf Distanz gehen. Noch residiert EM.TV in der Nähe der Kirch-Töchter Pro Sieben Sat 1 und Premiere. Doch die von Haffa aufwendig gebaute Zentrale ist für die noch hundert EM.TV-Mitarbeiter völlig überdimensioniert. Deshalb will Werner Klatten bald umziehen - mit dem schlichten Konferenztisch.

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